14.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Alles Geld der Welt": Ridley Scott lässt Szenen mit Christopher Plummer nachdrehen Spacey aus dem Film geschnitten

Los Angeles. Es ist eine der spektakulärsten Entführungsgeschichten: Im Juli 1973 wurde der Milliardärs-Enkel John Paul Getty III. in Rom von Mitgliedern der kalabrischen Mafia verschleppt. Zwei Tage später erhielt seine Mutter Gail einen ersten Anruf, in dem die Kidnapper 17 Millionen Dollar Lösegeld forderten. Fünf Monate blieb der damals 17-Jährige in der Hand der skrupellosen Entführer, sein steinreicher Großvater - der Ölmilliardär Jean Paul Getty - weigerte sich zunächst, das Lösegeld zu bezahlen. Erst als die Kidnapper dem jungen Getty das rechte Ohr abschnitten und es einer Zeitung zuschickten, lenkte der Großvater ein und zahlte schließlich rund 2,8 Millionen Dollar.

Michelle Williams als Gail Harris und Mark Wahlberg als Fletcher Chase in "Alles Geld der Welt". Bild: Fabio Lovino/Tobis Film/dpa
von Agentur DPAProfil

Das ist starker Stoff für den Thriller "Alles Geld der Welt" des britischen Regie-Stars Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner", "Der Marsianer", "Prometheus"). Doch für den 80-jährigen Filmemacher kam das Drama, kurz nach Fertigstellung des Film im November, noch dicker. Ein schlagzeilenträchtiger Skandal um Vorwürfe mehrerer Männer gegen Schauspieler Kevin Spacey wegen sexueller Belästigung veranlasste Scott zu einem radikalen Schritt.

Sechs Wochen vor dem geplanten US-Kinostart schnitt er alle Szenen mit Spacey (58) in der Rolle des Ölmilliardärs Jean Paul Getty heraus und drehte sie kurzerhand mit Christopher Plummer (88) nach. "Der ganze Umstand ist traurig", erklärte Oscar-Preisträger Plummer ("Beginners"), doch nun wollte er der Rolle seinen eigenen Stempel aufdrücken. Pech für Spacey, aber Glückssache für den Film und die Zuschauer.

Plummer ist die perfekte Besetzung, altersmäßig und in seiner stoischen Verkörperung des geizigen Öl-Magnaten, der damals als reichster Mann der Welt zurückgezogen in seinem englischen Schloss wohnte. Sein in nur wenigen Tagen abgedrehter Auftritt brachte dem kanadischen Star jetzt seine dritte Oscar-Nominierung ein. Mit 88 Jahren ist er der älteste nominierte Schauspieler in der Geschichte der Oscars, die am 4. März zum 90. Mal verliehen werden.

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Regie: Ridley Scott - Mit Michelle Williams, Christopher Plummer und Mark Wahlberg - 133 Minuten - ab 12 Jahren

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