01.02.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Anton Kirchmair widmet seine Ausstellung in der Regensburger Sigismundkapelle dem Italiener ... Kunst so schwarz wie Ebenholz

von Susanne WolkeProfil

Regensburg/Haidmühle. Die Kunst ist ständig in Bewegung. Neue Strömungen entstehen, alte werden verworfen, aber immer wieder werden bereits vorhandene Ideen aufgegriffen und weiterentwickelt.

Dass das "Ausstellungsprojekt Sigismundkapelle" der Volkshochschule Regensburg sein Jahresthema 2008 unter das Motto "Bewegen!" gestellt hat, ist daher ebenso treffend wie die Wahl des ersten Künstlers in diesem Reigen: Anton Kirchmair zeigt moderne Kunst, die er ausdrücklich einem Vertreter der Renaissance gewidmet hat. "a cennino cennini: anton kirchmair" lautet der Titel der Ausstellung, die bis zum 29. Februar in der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais zu sehen ist.

"Wie man die Zeichenkohle gut, tüchtig und fein macht." Diese Kunst hat Cennino Cennini, Maler der italienischen Frührenaissance und Autor des berühmten Lehrbuchs "Il libro dell'Arte", schon um 1400 beschrieben. Anton Kirchmair, 1943 in München geboren und heute in Marchhäuser bei Haidmühle an der tschechischen Grenze lebend, bezieht sich auf den alten Meister, allerdings auf seine Weise. Denn Holzkohle eignet sich nicht nur zum Zeichnen, wie die Schau in der Sigismundkapelle zeigt. Anton Kirchmair verwendet sie ebenso gut als Baumaterial für Skulpturen.
Es sind fragile, samtschwarze Gebilde, die Kirchmair in einer Reihe von Glaskästen aufgestellt hat. Gitterartige Konstruktionen, ineinander verschachtelt und den Betrachter dazu auffordernd, den Anfang und das Ende zu suchen, wie bei den Labyrinthen in Rätselheften. Zusammengefügt sind die Skulpturen aus einzelnen Kohlestücken mit exakt geschnittenen scharfen Kanten. Anton Kirchmair hat diese Kohlen selbst hergestellt. Mit eigener Hand hat er Buchenholz zu Holzkohle gebrannt.

Einen schwingenden Charakter erhalten die Gitterwerke durch die Krümmungen der Kohlen, die beim Brennvorgang entstehen. "Bewegung!" ist hier in der Tat eine passende Umschreibung. Ähnliches gilt für die traditionelleren Arbeiten, die Kirchmair in der Sigismundkapelle zeigt: Über seine Holzkohlezeichnungen schlängeln sich mäandernde Linien - ohne Anfang und Ende, DNS-Strukturen nicht unähnlich.

"Warum habe ich überhaupt angefangen Holzkohle zu brennen?" In einem poetischen Text über seine Arbeit stellt sich Anton Kirchmair diese Frage selbst. "Hat es mit meiner neuen, dunklen Heimat dem Böhmerwald, dem Land der einst rauchenden Meiler und Pechbrenner zu tun?" Oder hängt es mit den verkohlten Leichen des Zweiten Weltkrieges zusammen, von denen ihm seine Eltern erzählt haben. "Die Frage, warum ich angefangen habe Kohle zu brennen, kann ich heute nicht mehr beantworten", schlussfolgert Kirchmair. "Widmen aber möchte ich sie Cennino Cennini und seiner Schrift "Il libro dell"Arte". Die Entstehungszeit dieser Schrift um 1400 fällt übrigens mit den Erbauung der Regensburger Sigismundkapelle zusammen.

Die Ausstellung "a cennino cennini: anton kirchmair" ist bis zum 29. Februar in der Sigismundkapelle im Thon-Dittmer-Palais, Haidplatz 8, in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Donnerstag von 15 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 12.30 Uhr oder nach Vereinbarung. Informationen unter www.sigismundkapelle.de.

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