Atelier Prüll in Weiden zeigt Arbeiten von Margit Jäschke und Georg Dobler
Poetische Reduktionen auf das Wesentliche

Weiden. (apz) Unter dem Stichwort "Haiku" steht die 36. Ausstellung im Werkstattatelier "Schmuck & Gerät" von Jürgen Prüll am Unteren Markt 21. Die traditionelle japanische Gedichtform Haiku (Gesang), beschreibt als wohl "kürzeste Lyrik der Welt" in drei Zeilen und insgesamt siebzehn Silben über ein Naturbild die Welt.

Diese Reduktion auf das Wesentliche spiegelt sich poetisch auch in den Schmuckarbeiten der Hallenserin Margit Jäschke (geboren 1962) und des Berliners Georg Dobler (geboren 1952 in Bayreuth), Professor an der FH Hildesheim, wieder. Die Ausstellung ist bis zum 21. Juni zu sehen.

Zur Eröffnung trug die Oberpfälzer Autorin Christine Gradl, die 2003 beim ersten Deutschen Internet-Haikuwettbewerb mit einer Brosche preisgekrönt wurde, den Vernissagegästen einige ihrer "Lieblingskinder" vor: wie es sich gehört, jedes Haiku in einem Atemzug gelesen.

Zwei "Uraufführungen" der Lyrikerin bezogen sich auf Broschen von Georg Dobler: Zu einem Zweig aus geschwärztem Silber mit großem Citrinstein dichtete die Oberpfälzerin "Glieder und Formen - am knospenden Zweig erstrahlt - glasklare Schönheit".
Für den rot lackierten Silberguss einer Pflanze mit einer Blüte aus einer Tahitiperle wurde "Auf Perlensuche-Die Königin gefunden -bereits vergeben" erdichtet.

Im Kontrast zu diesen floralen Schöpfungen Georg Doblers stehen seine formstrengen geometrischen Werke, wie seine monumentalen Fingerringe aus großen Bergkristallen und Amethysten.

Keinerlei Berührungsängste hat Margit Jäschke ihrer an japanischer Ästhetik orientierten Fantasie bei Materialmix freien Lauf zu lassen: wie die Silberbrosche aus Bergkristall mit grünem Radiergummi zeigt, oder das wirkungsvolle Collier aus Olivinserpentin mit Kunststoff in getrockneten Zitronenschalen.

Von der Hallenserin stammte aus der thematischen Arbeit zu einem Stipendium überhaupt die Idee der Verbindung von avantgardistischem Schmuck mit Haiku, die als ideal überzeugte.

Jäschke brachte zu einigen ihrer Arbeiten bereits japanische Lyrik mit, wie zu einer filigranen Halskette "In die Büchse - rieseln vier oder fünf Münzen - abendregengleich."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.