"Bidin’ My Time": Neue CD von Chris Hillman
Fünf Minuten lang ein Hippie

 

Chris Hillman wird als einer der Wegbereiter des amerikanischen Country Rock verehrt. Und das, obwohl der bald 73-Jährige aus Los Angeles als Bassist der Byrds- seine bekannteste Station als Mitglied einer Band - eher dem psychedelischen Folk-Rock verbunden war.

Bei weiteren Band-Kooperationen wie den Flying Burrito Brothers oder Manassas - dort jeweils als Gitarrist - frönte er allerdings hauptsächlich dem geliebten Western-Sound. Das tut er auch geballt auf seinem aktuellen Solo-Werk "Bidin' My Time". Wenn man sich das Porträtfoto von Chris Hillman im Inlet seines neuen Albums "Bidin' My Time" (Rounder) betrachtet, sieht man einen stattlichen, offenbar in sich ruhenden Mann mit dichtem weißgrauem Haarschopf und ebensolchem Walross-Schnauzer, die geliebte Gitarre thront stoisch auf seinem Schoss.

Die Country-Rock-Legende unterzieht sich mit der Platte einer Art Bestandsaufnahme seiner aufregenden Musiker-Karriere, die Anfang der 60er begann und auf der sich jetzt verschiedene Langzeit-Buddies ein Stelldichein gegeben haben, etwa David Crosby, Roger McGuinn oder die Heartbreakers. Und nicht zu vergessen Tom Petty - der kürzlich Verstorbene ist hier zum letzten Mal als Produzent tätig.

Ein Gespräch mit Chris Hillman über alte Freundschaften, einen überraschenden Tod. Und über US-Politik in Zeiten von Präsident Donald Trump.

Wenn man sich ansieht, dass auf "Bidin' My Time" Roger McGuinn und David Crosby mitwirken, mit "She Don't Care About Time und "Here She Comes Again" zwei eher rare Titel der Band neu interpretiert worden sind - darf man bei Ihrem neuen Solo-Werk von einer Art Byrds-Reunion sprechen?

Chris Hillman: Nein, das darf man nicht! Ein paar meiner alten Freunde haben mir ausgeholfen, wenn man so will. Aber eben nur bei einigen Songs. Ich rief sie an, sie hatten Zeit und Lust, dass wir uns einige schöne Stunden machen, ein wenig zusammen musizieren. Das war es auch schon. "Bidin' My Time" ist eine lupenreine Chris-Hillman-Scheibe.

Was hat es mit dem Album-Titel auf sich: "Bidin' The Time" besitzt verschiedene Bedeutungen, kann unter anderem auch als "seine Zeit erwarten" interpretiert werden. Setzt sich die Platte inhaltlich mit dem Alter auseinander?

Überhaupt nicht! Das gleichnamige Lied, das jetzt auf der Platte zu finden ist, entstand bereits 1978. Damals habe ich sicher nicht an Alter und Tod gedacht. Tatsächlich steckt eine Menge Nostalgie darin, ohne dass dies etwas mit Morbidität zu tun hätte. Ich warte definitiv nicht auf den Tod. Der kommt früh genug.

Tom Petty verstarb leider wenige Monate nach der Produktion. Wie war diese Zusammenarbeit?

Tom war ein wunderbarer Mensch, das gleich vorweg. Ich kannte ihn sehr lange, rund 40 Jahre muss unser erstes Treffen her sein. Wir haben uns nicht nur geschätzt, sondern waren so was wie Freunde. Er liebte alle Arten von Musik, war offen für jegliche Stilrichtung. Gleichzeitig gab er im Studio durchaus mal den Ton an und sagte mir altem Knochen seine Meinung, wohin ein Song seiner Ansicht nach langzugehen hätte. Ich bin ihm nicht immer gefolgt. Aber der gegenseitige Respekt war groß. Von seinem Tod wurde ich völlig überrumpelt. Ich wusste, dass er seit einiger Zeit gesundheitliche Probleme hatte. Aber deshalb gleich sterben?

Vor 50 Jahren wurde der "Summer Of Love" ausgerufen, Sie stecken - auch mit den Byrds - mittendrin. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Ehrlich gesagt war ich vielleicht fünf Minuten lang ein Hippie. Wohl auch deshalb, weil man in jener Ära mit dieser Einstellung hübsche Frauen prima rumkriegen konnte. Doch eigentlich war ich politisch stets ein stock-konservativer Mensch. Der bin ich bis heute.

Das bedeutet, Sie unterstützen die Politik von Donald Trump?

Er ist unbedingt mein Präsident! Sein Vorgänger Obama hat eine Menge Chaos hinterlassen. Trump versucht aufzuräumen. Er glaubt wie ich an das Prinzip: "Harte Arbeit, dann kannst du alles schaffen." Meine Heimat ist das freieste, schönste Land der Welt. Wir besitzen jegliche Freiheit. Wer will schon in Venezuela oder Nord-Korea leben?

Was sind Ihre kreativen Pläne für die Zukunft?

Darüber denke ich nicht groß nach. Warum sollte ich das tun, in meinem Alter, mit meiner interessanten Vergangenheit? Es bereitet mir immer noch jede Menge Spaß, auf einer Bühne zu stehen. Deshalb steige ich ab und an auf eine. Ich mache einfach weiter. Immer weiter.

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Weitere Informationen:

www.chrishillman.com

Bild: Chris Hillman (exb)

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