"Blackbox" von Rio Reiser
Lieder vom "unbekannten König"

Die 16-CD-Box mit einer Gesamtlaufzeit von über 16 Stunden enthält 363 Tracks, die nahezu komplett unveröffentlicht sind.

Der "König von Deutschland" war weit mehr als "nur" der Sänger von "Ton Steine Scherben". Die "Blackbox" ist der gewaltige Teil von Rio Reisers Werk, der bisher im Dunkeln lag, künftig aber eine ähnliche Bedeutung erlangen könnte, wie die "Scherben"-Songs und seine Solo-Zeit.

Berlin. Am 20. August jährte sich der 20. Todestag des mit 46 Jahren viel zu früh verstorbenen nationalen Ausnahme-Sängers und -Poeten Rio Reiser. Das musikalische Vermächtnis des Singer/Songwriter-Wunderknaben - ganz egal ob mit seiner früheren Agitprop-Formation "Ton Steine Scherben" oder ab 1985 auf Solo-Pfaden - lebt in jeder Menge unvergänglicher Songs weiter, heißen sie nun "Keine Macht für niemand", "Macht kaputt, was euch kaputt macht", "König von Deutschland" oder "Junimond". Doch der Wahl-Berliner Reiser konnte noch wesentlich mehr, als wüste Anarcho-Gassenhauer oder steinerweichende Traumtänzer-Balladen zu verfassen.

Das dokumentiert die gerade auf den Markt gekommene opulente "Blackbox" (Möbius Rekords). Satte 16 CDs befinden sich darin, zudem ein wunderschön gestaltetes, aufschlussreiches Begleitbuch von über 220 Seiten mit Texten von und Hommagen an den Ausnahmekünstler, ergänzend weitgehend unveröffentlichten und zumeist farbigen Privatfotos aus Reisers kompletter Vita.

363 Stücke

Es ist eine mehr als liebevoll gestaltete Kompilation über das Schaffen des bislang eher unbekannten Rio Reiser - neben dem klassischen Singer/Songwriter auch dem Theater- und Filmsoundtrack-Komponisten, dem Opern- und Musical-Schreiber. Satte 363 Stücke haben sich in dieser massiven, beeindruckenden Kiste versammelt, zumeist bis dato nicht erhältlich. Erst durch sie bekommt der Rio-Reiser-Anhänger - und beileibe nicht nur der - einen Gesamteindruck dieser schillernden Lichtgestalt der nationalen Populär-Kultur. Es ist ein immenses OEuvre, das an dieser Stelle vorliegt, da Ralph Moebius, so der zivile Name von Reiser, bereits mit 13, 14 Jahren kreativ tätig war und in jener Phase erste Stücke (zunächst als glühender Rolling Stones-Fan auf Englisch) komponierte.

Zudem war der Teenager früh Haus- und Hofkomponist des subversiven "Hoffmanns Comic Theater", er zeichnete verantwortlich für die allererste Beat-Oper der Welt namens "Robinson 2000", ebenfalls für die berüchtigte schwule After-Punk-Show "Transplantis". "Das alles und noch viel mehr", wie es in Rio Reisers wohl berühmtestem Evergreen "König von Deutschland" im Refrain heißt, findet sich in der "Blackbox". Man muss diese Beiträge nicht alle mögen. Aber sie sind das grandiose Vermächtnis eines der umwerfendsten, kreativsten Gesamtkunstwerke, die Deutschland in der Nachkriegszeit hervorgebracht hat.

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Weitere Informationen:

www..rioreiser.de www.blackboxrioreiser.de
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