20.06.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bundesweit wohl einmalig: Beim Regensburger Josef Danneck kann jeder einen 2CV leasen: Die Herde des "Enten-Sepp"

Es ist Zeit, der Legende um den 2CV eine weitere der bald schon zahllosen Fußnoten hinzuzufügen. Denn an einem Frühsommertag trafen wir unter blauem Himmel im oberpfälzischen Wackersdorf einen gewissen Josef Danneck. An einer Tankstelle mitten in dem Ort, der seit dem geplanten Bau der atomaren Wiederaufarbeitungsanlage Mitte der 80er Jahre zumindest bundesweit eine traurige Berühmtheit erlangt hatte, wartete Danneck in einer rot-schwarzen Charleston-Ente.

Josef Danneck in seiner Lieblingsente, einer Dolly aus den 80er Jahren. Bild: Götz
von Redaktion OnetzProfil

Als dieser gebürtige Niederbayer, den das Betriebswirtschaftsstudium nach Regensburg geschwemmt hatte, aus dem Auto stieg, wollte man glauben, die Zeit sei zurückgedreht in die 70er Jahre: Flowerpower, Nickelbrille auf der Nase, lange gepflegte Haare, ein wabbelndes T-Shirt sowie ausgewaschene und zu weite Jeans, in denen das schmächtige Mannsbild steckte.

Leben mit dem Kult-Auto

Der "Enten-Sepp" - Stunden später verriet er seinen Spitznamen, der inzwischen zu einem Markenzeichen geworden ist - war das Abziehbild aus einem Deux-Chevaux-Sammelalbum. Gealtert zwar oder sagen wir lieber: mit dem französischen Kult-Auto in die Jahre gekommen. Er passte an diesem Tag in der Provinz der Oberpfalz zu dem neu lackierten Charleston wie die Studenten, die in Schwabing damals durch München fuhren, mit dem legendären Nonkonformisten-Wagen in den Semesterferien durch Europa tingelten.

20 Enten am Laufen

So, nachdem wir versucht haben, den sympathischen Regensburger aus Niederbayern zu skizzieren, jetzt aber zum Grund für die eingangs erwähnte Fußnote zu der Geschichte des 2CV: Josef Danneck (er behauptet, Baujahr 1959 zu sein, aber wir korrigierten schnell: Baujahr 1958, Erstzulassung 22. Januar 1959) ist nach unserem Wissen der Einzige in der Republik, der Enten vermietet. Sie wissen, jene seit 1990 nicht mehr hergestellten Kult-Autos mit dem 27-PS-Motor, dem Rolldach, der Revolverschaltung, den geschwungenen Kotflügeln und den Kippfenstern. Minimalistisch, aber praktisch und schön. Bei ihm kann sich jeder den Traum für gar nicht so viel Geld (Infokasten!) erfüllen, in einem Döschwo - wie der Schweizer sagt - über ein halbes Jahr oder länger in der eigenen Stadt, quer durch die Republik oder gar ins Geburtsland Frankreich zu kurven.

Bis zu 20 Enten hat Josef Danneck das ganze Jahr, aber vornehmlich in den Sommermonaten am Laufen. In einer Gemeinde bei Wackersdorf hat er eine seiner Hallen. Trocken stehen die Enten hier. Und als er das Tor aufmacht, fällt der Blick gleich auf eine mit nagelneuem Kennzeichen aus dem Landkreis Neustadt/Waldnaab. Die sich logisch anschließende Frage für einen, der aus Weiden kommt, beantwortet Danneck mit zwei Sätzen: "Der Frau hat die Ente nach dem Leasing so gut gefallen, dass sie die kaufen wollte."

Fast verheiratet

Von ihm, erzählt er weiter, könne man gute Enten erwarten. Nichts für die Schickimicki-Szene. Aber solide aufgebaut. Manchmal macht er aus zwei eben einen 2CV. "Rahmenumbauten übernimmt Klaus Linhart aus Hackerskofen, sozusagen mein Ziehvater in Sachen Enten: ein Kfz-Meister und mit der Ente bestens vertraut, um nicht zu sagen verheiratet." Danneck weiter: "Wir schrauben halt beide gerne." Verzinkte neue Rahmen oder kontrollierte Originalteile verbauen die beiden. Bodenbleche einschweißen, dann auch gleich eine Edelstahlbremsleitung einziehen, den Motor auseinandernehmen, Kotflügel tauschen und Außenteile erneuern - "das ist für mich eigentlich keine Arbeit, denn das macht doch Spaß". Ein anderer Kollege trägt auch mal einen neuen Lack auf. "Aber oft musst du das gar nicht machen." Meinem ungläubigen Blick - wir stehen vor einer ausgelaugten roten Ente - begegnet er mit dem Argument: "Der ist eine Ewigkeit unter der Sonne Südfrankreichs gefahren, den Lack bringst du auch mit Polieren nicht mehr zum Glänzen. Aber ansonsten ist der doch pfenniggut." Solide eben, aber nichts für die Schickimicki-Gesellschaft.

Oder für den jungen Mann aus Wilhelmshaven, der extra bis nach Regensburg gereist war, um sich einen 2CV zu kaufen: "Ich war ja überzeugt, dass der schon mal einen gefahren hat. Hat er aber nicht. Denn nach ein paar Runden an meiner Seite meinte der, dass so ein Gefährt doch nicht seinem Sicherheitsgefühl genüge. Es schaukle zu heftig." Danneck ist bei den letzten Sätzen hellauf lachend ins Hochdeutsche verfallen.

Mit Pleite begann alles

Wie alles angefangen habe? 1994 wollte er im Herbst zwei Enten an den Mann bringen. Nur, keiner hatte Lust darauf. "Dann hab ich mir gesagt: Wenn du als Industriekaufmann sie nicht verscherbeln kannst, musst du sie eben vermieten." Das war der Beginn eines Geschäftes, das seinen bescheidenen Besitzer ernährt.

Seine "Herde" hat er sich in den 90ern zusammengekauft. Oder er bekam die Autos wegen Rahmenschadens sogar geschenkt. Heute hat er zu den fast zwei Dutzend Enten im Langzeitleasing - "in Lübeck fährt einer jetzt die sechste Saison" - und noch eine Handvoll im Kurzzeitbetrieb für Hochzeiten, Geburtstage oder Firmenjubiläen.

Wie er nach zwei Stunden das Tor zur Halle in dem Ort unweit von Wackersdorf zumacht, meint er: "Weißt, morgen fahre ich zur anderen Halle. Und dann", meint er selig lächelnd, "schlendere ich durch die Halle und überlege mir, welchen 2CV ich mir für den Tag und die folgenden zum Herrichten vorknöpfe. Das ist ein saugutes Gefühl - wennst kannst, wennst willst, aber nicht musst."

So ist er, der Danneck-Josef, Baujahr 1959 respektive 1958.

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