14.07.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Carmen" eröffnet die Thurn und Taxis Schlossfestspiele bei strömendem Regen Auf in den nassen Kampf, Torero!

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Carmen bei strömendem Regen: Das ist allenfalls etwas für Hardcore-Opernfans. Der Regensburger Oberbürgermeister Hans Schaidinger weiß offenbar noch nicht, ob er ein solcher ist. Wacker scherzend steht er in Reichweite einer schützenden Überdachung und sieht dabei nicht wirklich glücklich aus. Es ist Sommer, offiziell zumindest, Juli 2008, und pünktlich zur Eröffnung der Thurn und Taxis Schlossfestspiele ziehen am Himmel dichte Regenwolken auf.

Gloria im rosa Dirndl

Auf dem Programm steht "Carmen". Schon setzt Georges Bizets Prelude ein, ein wunderbarer Vorgeschmack auf die Dinge die da noch kommen sollen, aber die Besucher der ausverkauften Vorstellung beschäftigen sich momentan noch mit anderen Dingen: Mit den Plastikumhängen, die die Open-Air-Veranstaltung trotz drohendem Regen und gleichzeitigem Schirmverbot zum Genuss werden lassen sollen. Und mit der Fürstin. Im rosa Dirndl und ohne Plastikumhüllung ist Gloria von Thurn und Taxis eben vor der Bühne aufgetaucht. Auch Guido Westerwelle ist da, und um die beiden blitzt es gewaltig.
Noch rühren die Blitze zwar von den Kameras der Pressefotografen her. Das ändert sich allerdings bald: Etwa dreieinhalb Minuten nach Beginn der Vorstellung schlägt es zu, das gnadenlose Wetter, das hoffnungsvolle Freilichtfans Jahr für Jahr in die Schranken weist. Da hilft auch keine Plastiktüte mehr. Besucher und Schauspieler geben sich die Türklinke, indem erstere den Schauplatz just in dem Moment verlassen, als zweitere die Bühne betreten.

An mangelndem Talent des Ensembles der Staatsoper Breslau, das unter der musikalischen Leitung von Tomasz Szreder angereist ist, liegt der fluchtartige Rückzug des Publikums allerdings nicht. Denn auch wenn das Bühnenbild unruhig und überladen wirkt: Die musikalische Darbietung ist vollkommen, das lässt sich auch unter derart widrigen Umständen nicht überhören. Aber Musikliebhaber müssen an diesem Abend hart sein im Nehmen. Denn schon bald wird die Vorstellung unterbrochen. Für eine Viertelstunde, heißt es zunächst. Fast eine Stunde dauert es dann tatsächlich, bis es weitergeht.
"Carmen - Ein Welterfolg mit Verzögerung", stand schon im Programm über die Oper, die bei ihrer Uraufführung im Jahr 1875 vom Publikum zunächst abgelehnt wurde. Dass diese Formulierung in Bezug auf die Regensburger Aufführung offenbar als Vorwarnung zu gelten hatte, war den meisten Besuchern bis jetzt nicht klar.

Knapp eine halbe Stunde wird dann noch gespielt, vor einer verbliebenen Handvoll Zuschauern, die den Darstellern gerechterweise den gebührenden Applaus zollen. Das Ensemble kann ja nichts fürs Wetter. Die Veranstalter eigentlich auch nicht, aber gegen die herrscht dennoch allgemeiner Groll. "Eine Unverschämtheit", zürnt das Publikum.

Rückerstattung oder Tausch

Die meisten Besucher wähnen den Eintrittspreis als verloren - laut Regelung wird dieser nur zurückerstattet, wenn weniger als 45 Minuten gespielt werden, nun entsteht aber der Anschein, "dass die Gloria das voll durchzieht und die 45 Minuten spielen lässt". Dass man das Geld tatsächlich wiederbekommt, dringt zu den meisten nicht vor. (Ist aber so: Betroffene können sich an die unten genannte Adresse wenden).

Ein trauriger Abend also. Und dabei hätte es so schön sein können. Aber für diesmal fiel Carmen ins Wasser.

Besucher der Vorstellung bekommen entweder den Kartenpreis zurückerstattet oder können ihr Ticket gegen das einer anderen Veranstaltung tauschen. Kontaktadresse: Odeon Concerte, Schenkendorfstraße 9, 93049 Regensburg, Telefon 0941/296000.

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