19.03.2017 - 13:08 Uhr
Deutschland & Welt

Chuck Berry mit 90 Jahren gestorben Der wahre King des Rock 'n' Roll

Das Lebenswerk dieses Mannes ist grandios. Mit seiner Musik und den von ihm geschaffenen Kompositionen setzte Chuck Berry fortdauernde Zeichen, die für immer zur Geschichte des Rock 'n' Roll gehören. Am Samstag ist er im Alter von 90 Jahren in seiner Heimatstadt St. Louis/Missouri gestorben.

Keiner schrieb so viele Rock-'n'-Roll-Hits wie er: Chuck Berry, der Mann mit der Kapitänsmütze, ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein Lebenswerk brachte ihm weltweit Auszeichnungen ein. Unser Foto entstand vor wenigen Jahren bei einem Auftritt in Nürnberg. Bild: Alexander Unger
von Autor HOUProfil

St. Louis. Er stand am Eingang seiner Garderobe, hatte die obligate Kapitänsmütze auf dem Kopf und die Gitarre umgehängt. "Warum kommst du wegen eines alten Mannes wie mir?", fragte Charles Edward Berry. Warum wohl? Man musste diese Legende zumindest einmal im Leben gesehen und gehört haben. Als wir ihm das sagten, lächelte der seinerzeit 83-Jährige zufrieden. Understatement war nie seine Sache. Auch damals nicht, als er dem Stones-Gitarristen Keith Richards bei den Dreharbeiten zu dem Kultfilm "Hail! Hail! Rock 'n' Roll" eine musikalische Lehrstunde erteilte.

Erste Platte bei Chess

Chuck Berry stammte aus eher bescheidenen Verhältnissen. Ein Farbiger, der als Pförtner eines Radiosenders arbeitete, sich von einem Musiker für ein paar Dollar sein erstes Instrument kaufte und nicht lange darauf auf dem Chess-Label die erste Platte in den Handel brachte. Sie hieß "Maybellene". Damit war der Grundpfeiler einer Karriere gesetzt, die Meilensteine für die Klangwelt unserer Tage mit sich brachte. Der Mann pflügte mit seinen Songs durch einen Acker, aus dem bis dahin nur die Pflanzen des Big-Band-Sounds und des Jazz sprossen.

Der Musiker aus St. Louis pflegte Jahr für Jahr im "Duck-Walk" selbst vor sein Publikum zu treten. Feste Bands brachte er nie mit. Irgendwann durfte und konnte Berry erwarten, dass es weltweit Jungs gab, die seine Songs kannten. Also war es Aufgabe der Veranstalter, diese Musiker anzuheuern und sie dem Kapitän auf der Kommandobrücke quasi als Matrosen zur Seite zu stellen. Einer von ihnen hieß damals Bruce Springsteen. Bei den Proben griff Berry kurz in die Saiten - dann war alles klar: "Roll Over Beethoven" und "Sweet Little Sixteen", "Route 66" und "Come On". Ab ging die Show.

Der Meister, am Ende seiner Reisen um den Globus arg müde geworden, bis zum Schluss aber noch an einer neuen CD names "Chuck" arbeitend, sorgte mit seinen Drei-Minuten-Werken auch dafür, dass ausnahmslos sämtliche Megastars unserer Zeit diese Songs in ihre Repertoires aufnahmen. Die Beatles coverten "Rock and Roll Music", die Rolling Stones landeten mit "Around And Around" einen Hit. Elvis trat mit "Memphis/Tennessee" in Las Vegas auf und Emmylou Harris setzte mit Berrys "C'est La Vie" einen Akzent im Rocklexikon.

Gabe der klaren Sprache

Aberhunderte von Liedern. Alles Kunstwerke und genial gemacht. Nachgespielt später von Eric Clapton, Jeff Beck, Jimmy Page, Paul McCartney, Lemmy Kilmister. Eine Ehre für sie. Denn da war einer, der noch eine Stufe höher auf dem Denkmal der Rockgeschichte stand, als sie selbst. Als man Chuck Berry am Samstag tot in seinem Haus bei St. Louis gefunden hatte, schrieb Mick Jagger in ein Kondolenz-Portal: "Du warst großartig!" Seine Gabe der klaren Sprache ("Roll Over Beethoven And Tell Tchaikovsky The News") hatte Chuck Berry das Privileg eingebracht, als Erster in die Hall of Fame des Rock 'n' Roll aufgenommen zu werden.

Nun ist er gegangen. Als einer der letzten Giganten eines Mainstreams, der alles veränderte. Im Ohr wird bleiben, was Berry der von ihm geschaffenen Figur des Johnny B. Goode mit auf den Weg gab: "Go Johnny, Go!"

Reaktionen

"Ich bin so traurig zu hören, dass Chuck Berry gestorben ist", schrieb Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger bei Twitter. "Ich möchte mich bei ihm für all die inspirierende Musik bedanken, die er uns gegeben hat. Er hat Licht in unsere Teenager-Jahre gebracht und uns davon träumen lassen, Musiker zu werden. Seine Texte haben andere überstrahlt und ein merkwürdiges Licht auf den amerikanischen Traum geworfen. Chuck, du warst großartig und deine Musik ist in uns für immer eingraviert." Bruce Springsteen bezeichnete Berry als "besten Fachmann, Gitarristen und puren Rock-'n'-Roll-Schreiber, der je gelebt hat". Lenny Kravitz pries Berrys Einfluss auf die Musik: "Keiner von uns wäre ohne dich hier. Rock on, Bruder!" (dpa)

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