23.05.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Das Kindermusical "Ritter Kamenbert" feiert auf der Luisenburg eine gelungene Premiere Die Sage vom gar nicht kühnen Recken

von Gabriele Weiß Kontakt Profil

Wunsiedel.Ach, es ist schon ein Drama mit den Geschlechterrollen im 21. Jahrhundert: Die jungen Männer wollen einfach keine Machos, pardon, kühnen Recken mehr sein. Dafür gebärden sich die jungen Damen um so aggressiver. Hier der süße Softie aus gutem Hause, dort die rotzige Göre im Gothic-Look - das "funzt" vielleicht nicht gerade im wahren Leben, aber auf der Bühne allemal.

Im Kindermusical vom "Ritter Kamenbert", das am Dienstag Premiere hatte, nämlich finden sie zusammen - Kamenbert (Johann Anzenberger), das Weichei, das "null Bock zum Kämpfen hat", und die "wilde Karoline" (Katharina Schwägerl), die sich am Seil auf die Bühne der Luisenburg schwingt. Bei den Kindern kommt das an - ihnen kann es gar nicht laut und turbulent genug sein. Je größer der Klamauk, desto begeisterter sind die "zahnluckerten" Premierengäste auf den nur gut zur Hälfte besetzten Rängen.

Lerchenberg inszeniert

Die Charaktere plakativ, die Gags eingängig, die Kostüme fantasievoll, die Darsteller gut aufgelegt, dazu reichlich Special Effects, Live-Musik und Mitmach-Aktionen - so wird das von Intendant Michael Lerchenberg höchstpersönlich inszenierte Stück zum Publikumserfolg. Ausgedacht hat sich die Geschichte vom Ritter Kamenbert der Österreicher Peter Blaikner, seine Uraufführung erlebte das Stück im Jahr 1991. Heute zählt "Ritter Kamenbert" zu den erfolgreichsten Kindermusicals im deutschen Sprachraum.
Die Geschichte ist nicht übermäßig kompliziert und folgt durchaus gängigen Motiven: Ritter Kamenbert ist Königssohn, jedoch dem Kampfe nicht sehr zugeneigt. Sein darob maßlos enttäuschter Vater gewährt ihm eine letzte Chance: So der missratene Spross ein sagenhaftes Schwert erobert, wird er nicht verstoßen. Kamenbert zieht aus, die Prüfung zu bestehen. Mit Witz und Tücke sowie der "wilden Karoline" an seiner Seite gelingt es ihm, Räuber und einen Drachen zu überlisten.

Der (Anti-)Held kehrt schließlich siegreich nach Hause zurück und trifft zu guter Letzt noch eine weise Entscheidung, die seinem Reich den Frieden sichert. Aber warum nun heißt der Ritter ausgerechnet Kamenbert? Nun, das Stück spielt im Reich des "Käsigs" von Gorgonzola (Toni Schatz), und zu seinen Untertanen gehören deshalb Edi, ein Edamer, Emmi, ein Schweizerkäse, Roquefort, ein Franzose, Obazda, eine bayerische Spezialität, Angi, ein Harzer Roller und last not least eine Scheiblette.
Das mag Erwachsenen zwar völlig sinnfrei erscheinen, wirft bei Spongebob-sozialisierten Kindern aber keine Fragen auf. "Mein Papa und ich haben gestern auch Käse gegessen", raunt da höchstens ein Mädchen verschwörerisch seiner Lehrerin zu. Die ganze Bühne tanzt und singt, sogar die "Waldgeister" auf den Felsen machen mit; das Publikum erhebt sich, klatscht im Takt und intoniert voller Inbrunst "oh-eh-oh" oder "walla-walla": Es geht was ab im "Käsigreich" auf der Luisenburg. Der Schlussapplaus ist begeistert, der Ruf nach "Zugabe!" bleibt nicht ungehört.

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Karten für die Luisenburg-Festspiele gibt es beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85550 und 09621/306230.

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Weitere Informationen im Internet:

www.luisenburg-aktuell.de

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