David Garrett und Band mit Hofer Symphonikern bei Thurn und Taxis Festspielen in Regensburg
Tief empfunden und mitreißend gestaltet

Regensburg. David Garrett hat es geschafft, dass die Jugend wie sonst nie in einem Konzert vertreten war, das zur Hälfte eindeutig klassische Musik enthielt. Die andere Hälfte dieser bemerkenswerten Veranstaltung der Thurn und Taxis Festspiele in Regensburg war eigentlich ebenso klassisch, zumindest was die Mehrzahl der gespielten Stücke betraf. Etwas Entscheidendes kam hinzu, nämlich der eigene Stil, den David Garrett entwickelt hat.

Sentiment und Traum

Als Einstimmung die schön gespielte Ouvertüre zum "Barbier von Sevilla" von Gioacchino Rossini, dann betrat der Mann das Podium, dessen Erscheinen bejubelt wurde: David Garrett. Er schaffte es, schon im sehnsüchtigen Hauptthema des Violinkonzerts e - moll op 64 von Felix Mendelssohn-Bartholdy die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. Mit Sentiment und innigem Empfinden riss er die Zuhörer mit und gestaltete den Appassionato-Satz als Seelendrama, das Andante als unendliche Melodie mit sehnsuchtsvollem Mittelteil, den Schluss - Satz als rastlos vorbeihuschende, filigran schwerelose Traumdarstellung. Vielleicht war nicht jeder Ton so makellos wie einer von Anne Sophie Mutter, sicher aber tief empfunden, nicht aufgesetzt, sondern ganz ehrlich gemeint und die Hörern direkt packend. Die Musiker aus Hof und ihr Dirigent Gil Shohat waren dabei stets aufmerksame und den Solisten unterstützende Partner.

Spezielle Arrangements

Nach der Pause wurden die Symphoniker abgelöst von Giorgio Serci, Gitarre, John Haywood am Klavier und Jez Wiles, Schlagzeug, die nun zusammen mit David Garrett als Band musizierten. Die Stücke, die sie darboten, sind zumeist Evergreens. In der Spielweise der David Garrett Band, im speziellen Arrangement, das den Melodien zuteil wurde, klingen sie modern.

Etliches kannten die Zuhörer schon von der CD, wie beispielsweise "La Califfa" von Morricone, den "Csardas" von Monti, die Titelmelodie von "Beim Sterben ist jeder der Erste". Anderes wiederum bekommt ein neues Tongefühl, so "Der Sommer" op 8/2 von Antonio Vivaldi, dessen Finale durch die neue Klangmischung einen hinreißenden Schwung erhält. Vivaldi hätte es heutzutage so und nicht anders komponiert.Der "Hummelflug" von Rimsky-Korsakoff brachte Garrett schließlich sogar einen Eintrag ins Guinness - Buch der Rekorde ein: 13 Noten in einer Sekunde, niemand außer ihm kann so viele Noten in so kurzer Zeit spielen. Natürlich musste die Geige von David Garrett verstärkt werden. Aber sonst hätte sie keine Chance gehabt gegenüber den anderen Instrumenten. Und Garretts Ton klang immer noch klar und rein.

Bei "Hora Staccato" von Dinicu/ Heifetz und der "Carmen-Fantasie" von Bizet/Waxman war dieses Aufgehen in der Musik besonders hörbar. Frenetischer Beifall, die jungen Leute jauchzten, die Älteren klatschten. Und alle waren begeistert, wunderschöne Musik bei nur fünf Minuten Regentropfen erlebt zu haben.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.