17.07.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Der bayerische Kabarettist bei der Ausstellungseröffnung von Luigi Copa und Gerd Dengler in ... Wasser, Wein und mittendrin Gerhard Polt

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Die Hauptattraktion des Abends ist natürlich Gerhard Polt. Jawohl, der Gerhard Polt, wie jedem freudig-ungläubigen Zweifler im Vorab versichert worden war. Der Kabarettist kennt Gerd Dengler, und der wiederum stellt derzeit gemeinsam mit seinem Freund Luigi Coppa im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg aus.

"Böhmisches Meer und maghrebinische Dörfer" lautet der Name der Schau. Bei der Eröffnung gibt Polt ein paar "Randnotizen" zum Besten und sorgt damit für volles Haus. Der Spießer-Kritiker erfreut das dankbare Publikum denn auch gleich mit einigen Gedanken zur deutschen Mentalität.

"Nichten aus Kalau"

Doch auch die Arbeiten seines Freundes Gerd Dengler stehen dem Witz Gerhard Polts in nichts nach. Vor allem nicht die Monotypien der Serie "Nichten aus Kalau". "Der verlorene Sohn" heißt eines dieser Blätter. Die Darstellung zeigt ein armes Huhn, traurig dreinblickend angesichts des Nachwuchses, der sich in ein Spiegelei verwandelt hat. Viel besser ergeht es auch nicht der "Witwe des Rinderbratens", einer allein zurückgebliebenen Kuh.
Ironisch sind auch die anderen Bilder Denglers, der in den 1960-er Jahren das Kunstkabinett Schwandorf und die Kunstzeitschrift "SAD News" mitbegründet hat. Was da zum Beispiel auf den ersten Blick wie ein Stillleben wirkt, ist in Wirklichkeit noch gar keines, wie das Titelschildchen belehrt: Es handelt sich lediglich um eine Anordnung von Orangen, Trauben und einer Flasche vor einer leeren Leinwand - geduldig "In Erwartung des Stilllebens". "Gerd Dengler hat seine eigene künstlerische Handschrift entwickelt", äußert sich Klaus Caspers vom Kunst- und Gewerbeverein bei seiner Einführungsrede zu den in ihrer akkuraten Formsprache und den unnatürlich grellen Farben synthetisch wirkenden Bildern des Wahl-Wiesbachers.

Ähnliches gilt für den ebenfalls in der Ausstellung vertretenen Luigi Coppa - auch wenn dessen oft erdtonige Aquarelle und Mischtechniken eine ganz andere Wirkung hervorrufen. Aus biografischen Gründen eng mit dem schwarzen Kontinent verbunden, zeigt der auf Ischia lebende Maler immer wieder nordafrikanische Szenerien: Dörfer, Märkte und vor allem Menschen in langen Gewändern, wobei die betonte Musterung der Stoffe die Personen selbst zum Ornament werden lässt.
Der Titel der Ausstellung bringt es auf den Punkt: Ansichten von maghrebinischen (arabischen) Dörfern hängen neben Denglers Darstellung des "Böhmischen Meers", in dem der gebürtige Karlsbader seiner Heimat und der Moldau Ehre erweist. Was das Ganze mit dem Regensburger Jahresthema "Wasser und Wein" zu tun hat, dem sich die Schau erklärtermaßen anschließt, ist weniger klar. Maghrebinische Dörfer sind weder für ihren Wasserreichtum noch für ihren Weinkonsum bekannt, und zu den von Gerd Dengler mit Vorliebe dargestellten Würsten passt wohl eher ein ordentliches Bier.

Wasser und Wein

Nicht einmal Gerhard Polt war etwas zu "Wasser und Wein" eingefallen. "Man kann einem Gedanken hinstellen, was man will", beklagte sich der Kabarettist rückblickend auf sein Brainstorming zu besagtem Thema. Bardolino, Grappa, Wodka, Jägermeister - nichts habe ihm die zündende Idee gebracht, "denn Gedanken kommen wann sie wollen und wie sie wollen". Prost!

Die Ausstellung "Böhmisches Meer und maghrebinische Dörfer" mit Werken von Luigi Coppa und Gerd Dengler ist bis zum 10. August im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg, zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

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