08.01.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Der gebürtige Regensburger Rudolf Reiser korrigiert die in Österreich verfälschte ... Bild der Sissi näher an der Wahrhaftigkeit

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Romy Schneider war nicht die einzige, der die Sissi-Euphorie irgendwann auf die Nerven ging. Auch Rudolf Reiser stört sich gewaltig an dem angeblich speziell österreichischen Hang, der Kaiserzeit als Glanzepoche hinterher zu trauern. "In den Hörsälen der Universität glaubte man manchmal, es werde ein Resümee der Kaiserfilme mit Romy Schneider und Karl-Heinz Böhm doziert", berichtet der Historiker über seine Studienzeit in Wien.

Wechsel nach München

Der gebürtige Regensburger wechselte zurück an die Universität München. Seinen Groll gegenüber den österreichischen Historikern vergaß er nicht. Der Zorn veranlasste ihn sogar zum Verfassen seines jüngsten Buches. "Kaiserin Elisabeth - Das andere Bild von Sissi" (112 Seiten, ¤ 9.80, Stiebner Verlag) lautet der Titel des Bandes. Reiser hat ihn anlässlich Sissis 110. Todestages am 10. September 2008 herausgegeben. Während "eine gewisse Schicht Wiener Historiker" immer noch das Bild vom gottesfürchtigen und gerechten Kaiser Franz Joseph und dessen extravaganter aber untätiger Gattin pflege, hält Reiser kräftig zu seiner Landsmännin. "Eine Biographie, die sich von den Wiener Editionen erheblich unterscheidet", verspricht der Klappentext des Buches.

Streckenweise erscheinen Reisers Thesen wie eine Abrechnung mit Sissis Gemahl Franz Joseph. "Liebe macht blind", äußert sich der Historiker etwa zu der Hochzeit des österreichischen Kaiserpaars. In jugendlichem Übermut habe Elisabeth einen Mann geheiratet, "der zu den großen Versagern, ja Verbrechern auf dem politischen Parkett des 19. Jahrhunderts gehört". An die "tyrannische Politik" Franz Josephs wird dabei ebenso erinnert wie an die Exekutierung ungarischer Widerständler.

Als großartig dagegen bezeichnet Reiser Elisabeths Leistungen auf dem politischen Parkett. "Mit den Waffen einer Frau" sei der Kaiserin schließlich der Ausgleich mit Ungarn gelungen. "Elisabeth wäre heute gewiss Friedens-Nobelpreisträgerin", ist Reiser überzeugt, "und außerdem Miss World und Olympiasiegerin." Die Schönheit Sissis hebt der Autor immer wieder hervor. Zeugnis davon geben auch einige Bilder. In erster Linie Fotografien - "denn "Elisabeth geriet an die schlechtesten Porträtisten ihrer Zeit.

Als unschuldiger Engel wird diese "wunderbare Frau" aber nicht dargestellt. Ungarische Rebellenführer und englische Captains erlagen dem Charme der leidenschaftlichen Heine-Verehrerin, die ihre Gedanken meist in Gedichten formulierte. "Ich hab" geliebt, ich hab" gelebt, Ich hab" die Welt durchzogen; Doch nie erreicht, was ich erstrebt. Ich hab" und ward betrogen!" gab sie denn auch offen zu.

Rabiate Erhöhung

Ganz so anders ist Reisers Bild von Sissi nicht. Dass die österreichische Kaiserin die Menschen verzauberte, ist nicht neu, ebenso wenig, dass sie viel Zeit mit Schönheitspflege verbrachte. Bemerkenswert erscheint aber die rabiate Weise, mit der Reiser Sissi gegenüber ihrem offenbar minder intelligenten Mann und den übrigen Habsburgern erhöht.

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