27.09.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Die donumenta 2008 wartet in Regensburg mit Kunst, Literatur, Musik, Theater, Tanz und Film auf Kultureller Kompaktkurs über Kroatien

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Dieses Jahr ist also Kroatien an der Reihe. "Wir kennen dieses Land", sagt Regina Hellwig-Schmid. "Fast jeder war dort schon im Urlaub." Dass die Künstlerin und Initiatorin der donumenta darauf hinaus will, dass es in dem ehemals jugoslawischen Staat "viel mehr zu entdecken gibt als blaues Meer und Cevapcici", versteht sich von selbst.

Bis zum 6. November

Auch die sechste donumenta sieht sich wieder als Kompaktkurs in Sachen Kunst, Kultur und Alltag eines Donaustaats, der nun für einige Zeit in Regensburg vertreten sein wird. Das Festival, das bis zum 6. November zeitgenössische bildende Kunst, Literatur, Theater, Musik, Tanz, Film und Gesellschaft dieses Landes näher bringen will, wurde am Donnerstag feierlich eröffnet.

Kernstück der donumenta 2008 ist die mittlerweile schon traditionelle Ausstellung in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel". Nach bewährtem Prinzip wurde auch für die Schau "Welcome - Croatia 2008" eine Kuratorin aus dem Gastland mit der Auswahl der Künstler betraut. "Uns ist wichtig, dass wir einheimische Kuratoren dazu auffordern, ihr Land zu präsentieren", betont Regina Hellwig-Schmid. Die diesjährige Ausstellungsmacherin Janka Vukmir aus Zagreb, die ihr Handwerk in New York und anderen internationalen Kunstmetropolen gelernt hat, sei eine exzellente Kennerin der Szene.
Ebenso exzellent wie die Ausstellung an sich. Die "creme de la creme" der kroatischen Kunstszene hat sich in den Räumen des "Leeren Beutels" versammelt, Künstler, die meist schon auf dem internationalen Parkett Fuß gefasst haben. Gruppiert ist die Schau um das Werk Dalibor Martinis. Als einer der einflussreichsten Künstler Kroatiens beschäftigt er sich vorrangig mit politischen Themen - und mit der Wut, die oft damit zusammenhängt. Überhaupt geht es in der Ausstellung primär um die Unzufriedenheit. "Um Unzufriedenheit mit der Politik, mit der Wirtschaft oder mit den Lebensumständen", wie es Janka Vukmir beschreibt. "Um Unstimmigkeiten, denen man gegenübersteht und die einen verrückt machen können - nicht nur in Kroatien."

Der größte Teil der Werke ist daher nach Ansicht der Kuratorin leicht zu verstehen. So etwa die Flyer Andreja Kulunciccs, die nach jungen Frauen, möglichst mit hohem Schulabschluss, suchen, die bereit sind, sich in der Sexindustrie ausbeuten zu lassen - eine bittere Anspielung auf den Alltag vieler junger Kroatinnen. Weniger bedrückend dokumentiert Igor Kuduz das alltägliche Leben in seiner Heimat: In der persönlichen Fotoserie "Welcome Goodbye" lichtete er seine Freunde an der Schwelle zu deren Wohnungen ab und gewährt dabei intime Einblicke.
Neben konzeptionellen Arbeiten ist in der Ausstellung auch die Malerei stark vertreten. Die mächtigen, farbgewaltigen Ölgemälde Josip Tirics stehen neben den filigranen Welten Marko Tadics. Viel zu entdecken gibt es auf diesen kleinteiligen Zeichnungen, die Tadic auf ungewöhnliche Bildträger wie Holz oder Briefkuverts entstehen lässt: Heimelige Häuschen, bunte Ufos, Vampire und rosa Kätzchen vereinen sich zu einer surrealistischen Traumwelt.

Jazz, Vortrag, Diskussion

Die Ausstellung "Welcome - Croatia 2008" ist bis zum 31. Oktober in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg zu sehen. Weitere Programmpunkte der donumenta sind Jazzkonzerte mit kroatischen Musikern im Jazzclub, die kroatische Filmreihe "Was ist ein Mann ohne Schnurrbart?" in der Filmgalerie im "Leeren Beutel", eine Autorenlesung mit den kroatischen Schriftstellern Ivana Sajko, Edo Popovic und Marko Pogacar in der Stadtbücherei, Tanzperformances, Vorträge und Podiumsdiskussionen.

Weitere Informationen im Internet:

www.donumenta.de

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