15.05.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Die Geschichte des ehemaligen Pfarrers Anton Aschenbrenner aus dem Bayerischen Wald Das Kreuz mit der Liebe

Die Suspendierung des Pfarrers Anton Aschenbrenner durch die katholische Kirche ist schon mehr als elf Jahre her. Die Geschichte des gebürtigen Rodingers, der sich für die Liebe zu einer Frau und dem gemeinsamen Kind entschied, hat damals bundesweite Schlagzeilen gemacht. In dem Buch „Ich liebe Gott (und eine Frau)“ erzählt er jetzt über sein bewegtes Leben. Im Gespräch mit unserer Zeitung gibt sich der 52-Jährige wenig hoffnungsvoll, dass die Kirche in den nächsten Jahrzehnten große Reformen erleben wird.

Eine glückliche Familie mit einer bewegten Vorgeschichte: Anton Aschenbrenner mit seiner Frau Birgit Süßke und den Töchtern Dorothea (11/rechts) und Isabella (7). Bild: hfz
von Frank Werner Kontakt Profil

Wieso kamen Sie so spät auf die Idee, Ihre Erlebnisse in einem Buch aufzuarbeiten? Aschenbrenner: Da gibt es eine pragmatische Erklärung: Ich habe eine Lektorin des dtv getraut. Ich habe ihr mein erstes Büchlein „Neugierig“ geschenkt, das ich vor acht Jahren geschrieben habe. Und sie war gleich interessiert. Für mich war es eine Chance, alles neu zu reflektieren.

Sie nehmen Trauungen vor? Als Ex-Pfarrer? Aschenbrenner: Ja. Etwa 50 im Jahr, dazu rund 15 Taufen und bis zu 150 Beerdigungen. Ich arbeite als freier Seelsorger. Es gibt genügend offene Geister, die sehr froh sind, ein feierliches Ritual ohne die Kirche angeboten zu bekommen.

Für Sie war es ja abseits von allen menschlichen Problemen auch ein finanzielles Wagnis, sich von der Kirche zu lösen. Aschenbrenner: Sicherlich. Natürlich hat uns der Job meiner Frau, Gymnasiallehrerin, Sicherheit gegeben. Aber ich hätte auch als Minijobber landen können.

Also die ganz männlich-menschlichen Ängste, als Ernährer zu versagen. Aschenbrenner: Ja. Ich weiß von vielen Pfarrern, die ihren Beruf aufgegeben haben und sich dann als kleine Würstchen vorgekommen sind. Schließlich gilt der Priester im Ort immer noch als König. Einige Kollegen haben da erhebliche psychische Probleme bekommen.

Sie wurden 1988 zum Priester geweiht. 1994 haben Sie als Lehrer am Gymnasium Ihre damalige Kollegin und jetzige Frau kennengelernt, ein Jahr später zog Birgit zu Ihnen auf den Pfarrhof. Hat sich nicht der ganze Ort das Maul darüber zerrissen? Aschenbrenner: Überhaupt nicht. Im Gegenteil. Je weiter weg die Leute von den Zentren wohnen, desto weniger obrigkeitshörig sind sie. Die Menschen hier im Bayerischen Wald können sehr renitent sein. Auch die Oberpfälzer. Das hat der Widerstand gegen die WAA gezeigt.

Wo ja auch Teile der Kirche Flagge gezeigt haben. Aschenbrenner: Genau. Ich war als Theologiestudent selber öfter auf Demonstrationen. Die Pfarrer Schlagenhaufer und Co. haben in Wackersdorf in einem sehr konservativen Bistum Rückgrat bewiesen. Dabei haben sie ja bloß die Botschaft der Bibel von der Schöpfung umgesetzt.

Ihr Weg nach dem Bekanntwerden Ihrer Beziehung zu einer Frau war auch sehr steinig ... Aschenbrenner: Die Passauer Bischöfe Antonius Hoffmann und später Franz Xaver Eder waren sehr herzlich und offen. Unter Eder hätte ich nicht entlassen werden müssen, da bin ich mir sicher. Das hat sich erst ab dem Jahr 2001 unter Wilhelm Schraml geändert. Das Klima wurde sehr finster, er hat alles torpediert.

Wie hätte denn eine Zukunft in der katholischen Kirche für Sie aussehen können? Mit Frau und Kind klingt das ja unlösbar. Aschenbrenner: Eine Laisierung wäre möglich gewesen. Ich hätte als kirchlicher Lehrbeauftragter an Schulen arbeiten können. Als Referent für biblische Themen. Aber so ...

Sie sind dann zur evangelischen Kirche konvertiert. Aber nur für kurze Zeit. Aschenbrenner: Ich habe hier nicht meine richtige Heimat gefühlt. Und ich hätte mir etwas mehr Mut erwartet. Einige evangelische Pfarrer hatten Angst, ich wollte ihnen den katholischen Glauben überstülpen. Und es gibt einen Apparat, der für die Ökumene alles tut und auf keinen Fall Krieg mit der katholischen Kirche will.

Würden Sie trotz all dieser Erfahrungen wieder Pfarrer werden wollen? Aschenbrenner: Ja, ich war schließlich begeistert von dem Beruf. Ich habe total schöne Erfahrungen gemacht. Ich bin ein sehr gläubiger Mensch. Ich kann mit den Dogmen der Kirche aber nichts anfangen. Mit diesem Wortgeplänkel kommt man Gott nicht näher.

Haben Sie die Hoffnung, dass sich in der katholischen Kirche in der nächsten Zeit etwas bewegt? Aschenbrenner: Nein. Wenn ich mir Bischöfe wie Reinhard Marx oder Rudolf Voderholzer anschaue: Die trauen sich nichts. Die Ehelosigkeit der Pfarrer ist doch das höchste aller Dinge, diese Kirche wird von Konservativen dominiert. Solange Leute wie Gerhard Ludwig Müller in Rom am Ruder sind, haben Reformen keine Chance.

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