02.06.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Die Ostdeutsche Galerie in Regensburg zeigt die Preisträger und Kandidaten des 12. Marler ... Junge Kunst mit enormer Bandbreite

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Man trifft sich in der Freizeit gerne zu Videoabenden, aber bei der Vorstellung von Videokunst schrecken viele Menschen zurück. Es fragt sich nur, warum. Denn das Betrachten eines Zimmers voller Kakadus, Ziegen, Hängebauchschweine und junger Katzen, die in freundschaftlichem Miteinander auf dem Sofa sitzen, die Vorhänge hochklettern und die Zimmerpflanzen verzehren, macht auf jeden Fall Freude.

"Once upon a time" heißt diese Videoarbeit, in der die Künstlerin Corinna Schnitt eine Schar von Haustieren sich selbst überlassen und per Kamera aufgezeichnet hat. Der Film gehört zu einer Reihe von Videoarbeiten, die derzeit in der Ostdeutschen Galerie zu sehen sind: In der dritten Runde der neuen Ausstellungsreihe LABOR präsentiert das Regensburger Kunstforum die Teilnehmer und Gewinner des 12. Marler Video-Kunst-Preises.

Faszinierend fremd

"Videokunst ist schwer zu präsentieren", räumt Dr. Ulrike Lorenz ein. Die Direktorin der Ostdeutschen Galerie verweist damit vor allem auf die Zeit, die dem Besucher beim Betrachten der teils recht lange dauernden Werke abverlangt wird.

Andererseits: Wer dazu bereit ist, kann sich von der Videokunst in eine faszinierende fremde Welt entführen lassen. Wie kaum ein anderes Medium der Kunst vermag es diese Gattung, die erst Ende der 1960-er Jahre aufgekommen ist, den Betrachter in ihren Bann zu ziehen.

Deutlich wird in der Regensburger Schau die enorme Bandbreite dieser Kunstform. Die Arbeiten der in der Regel sehr jungen Künstler, die hier teilweise erstmals an die Öffentlichkeit treten, sind völlig unterschiedlich: witzig und nachdenklich, ironisch und rührend, ästhetisch und tiefgehend. Da ist etwa der schwarz-weiße "Sportfilm" von Ruben Malchow und Rexi Tom Weller. Dickbäuchige Männer werfen angestrengt Speere und schwenken Ringe in der Luft. Die Anspielung an Leni Riefenstahls "Fest der Schönheit" ist offensichtlich.

Aber auch die Ablehnung von Hitlers Propagandakünstlerin: Malchows und Wellers Streifen heißt "Fest der Liebe". Der Titel des Beitrags "Das Modell" von Florian Gwinner wird erst bei genauerem Hinblick deutlich. Denn die verlassene Stadt, durch die hier geführt wird, entpuppt sich als Ansiedlung gebastelter Kartonhäuser. Keksdosen werden zu Lagercontainern, Strohhalme zu Rohren und aufgezogene Schreibtischschubladen zu Brücken.

Die Schau in der Ostdeutschen Galerie überzeugt vor allem dadurch, dass hier ausschließlich Videokunst zu sehen ist. Die subtilen Arbeiten müssen nicht mit anderen Exponaten konkurrieren, die sich leichter im Vorbeigehen betrachten lassen. Abgesehen von den Gewinnern des Kunstpreises, die als Einzelpositionen vertreten sind, werden alle Beiträge an verschiedenen Monitoren der Reihe nach abgespielt.

Menschlicher Blick

Mit einer Ausnahme: Der Film "Kandidat" von Alexander Heim hat Ulrike Lorenz so sehr bewegt, dass er ebenfalls ständig zu sehen ist. Es geht um einen verwahrlosten Hund, der auf einer stark befahrenen Straße am Rande Pekings umherirrt. "Dieser menschliche Blick hat mich berührt", so die Museumsleiterin.

Die Ausstellung des 12. Marler Video-Kunst-Preises ist bis zum 15. Juli in der Ostdeutschen Galerie in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

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