10.12.2017 - 15:58 Uhr
Deutschland & Welt

Doro singt Deutsch: "Für immer" Emotionen mit noch mehr Intensität und Intimität

München. Doro ist seit Jahrzehnten das weltweit kommerziell wie kreativ erfolgreichste weibliche Aushängeschild von "Hard Rock made in Germany". Die 53-jährige gebürtige Düsseldorferin hat ihr Kreativ-Dasein seit jeher den wilden Klängen gewidmet. Die ausgebildete Typografin war noch als Teenager Frontfrau der Underground-Band "Attack", ab 1983 wechselte sie zusammen mit der Formation "Warlock" ins Profi-Lager, sieben Jahre später segelte das nur 150 Zentimeter zählende Power-Paket - bis heute - unter eigener Flagge.

Die Heavy-Metal-Sängerin Doro Pesch hat ihr erstes deutsches Album aufgenommen. Der Titel lautet "Für immer". Bild: Rolf Vennenbernd/dpa
von Autor MFGProfil

Vor kurzem gründete das anscheinend unermüdliche Energiebündel mit "Rare Diamonds Productions" sein eigenes Label. Darauf erschienen ist jetzt eine ungewöhnliche Kompilation: Die hauptsächlich auf Englisch intonierende Rock-Röhre hat 19 ihrer deutschsprachigen Songs zusammen gestellt und auf ein Album gepackt. Doro jedenfalls ist glücklich mit all ihren unterschiedlichen Aktivitäten. Auch glücklich, dass "Für immer" gleich in der Woche nach Veröffentlichung auf Position 16 in der deutschen Hitparade einstieg. Am Allerglücklichsten aber ist sie darüber, jetzt wieder "in meiner zweiten Heimat" (Originalton) leben zu dürfen - auf der Bühne.

Was ist für Sie der Unterschied, Lieder auf Deutsch oder auf Englisch zu interpretieren?

Doro: Auf Deutsch kann ich meinen tief sitzenden Emotionen noch mehr Intensität und Intimität verpassen. Ich mag seit 1990 die meiste Zeit meines Lebens in New York residieren. Aber dennoch ist Deutsch - nicht nur, weil ich in Deutschland geboren wurde - die Sprache, die mir am nächsten ist. Mal ehrlich, wo gibt es ein so schönes, ergreifendes Wort wie "Herzblut"? Nirgendwo sonst auf der Welt!

Die meisten Stücke auf "Für immer" sind eher ruhiger Natur. Sind Sie eine Melancholikerin?

Zunächst muss man wissen, dass ich vom Sternzeichen Zwilling bin. Auf meinem Hals befindet sich demnach ein Janus-Kopf. Was bedeutet: Ich liebe diesen heftigen, energiegeladenen Metal-Stoff. Und im nächsten Moment suhle ich mich in tiefer, schwerer Wehmut. Wichtig ist mir, dass bei allem im Leben die unverfälschte Leidenschaft im Mittelpunkt steht.

Für Ihre Platte haben Sie brandneu eine deutschsprachige Bowie-Coverversion von "Heroes" aufgenommen. Was verbindet Sie mit diesem Star?

Das erste Mal bewusst gehört habe ich "Heroes" als Teenager im Soundtrack zum Film "Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Er hat mich mächtig beeindruckt. Bowie selbst bin ich in den 90ern im berühmten New Yorker "SIR-Studio" regelmäßig über den Weg gelaufen. Wir haben beide dort geprobt und Songs aufgenommen. David war keine zickige Diva, sondern ein wahrer Gentleman. Ich habe seinen Tod sehr bedauert. Vor allem weil er so unerwartet kam. Erfahren davon habe ich übrigens, als ich von Lemmys Beerdigung in Los Angeles zurück nach New York flog. Ich war unglaublich schockiert von der Nachricht.

Auch zwei Ihrer engsten Musiker-Kollegen - Lemmy von Motörhead und Ronnie James Dio - haben sich von diesem Planeten für immer verabschiedet. Wie gehen Sie mit deren Tod um?

Ich vermisse sie sehr! Sie waren echte Seelenverwandte, lebten die Philosophie von "Sex, Drugs & Rock 'n' Roll" exzessiv und mit vollem Einsatz. Dafür sind Typen wie wir da, in einer immer gleichgeschalteteren Welt. Es geht um Individualität.

Wie entstehen Ihre Texte?

Interessanterweise häufig kurz vor dem Schlafengehen - was bei mir in der Regel gegen 5 oder 6 Uhr am Morgen ist. Dann wälze ich mich nochmals aus dem Bett, singe die Sachen auf mein Handy, mit Text und Melodie zur selben Zeit, um die Tage danach an diesen Ideen zu feilen.

Sie sind gerade wieder auf großer Welt-Tournee. Macht es nach all den Jahrzehnten noch Spaß, auf eine Bühne zu steigen?

So eine Tour ist Mega-Stress, das möchte ich nicht verhehlen! Aber wenn man von der Bühne aus die Tränchen in den Augen gestandener Rocker sieht - dann lohnt sich der Aufwand allemal.

Doro spielt am Dienstag, 12. Dezember (20 Uhr), im Obertraublinger "Airport".

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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