21.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ende der Ausstellung zum Krim-Gold in Amsterdam löst Debatte aus: Fünf Museen wollen ihre ... Zank um Zugehörigkeit

Eine Ausstellung in Amsterdam zeigte wertvolle Exponate aus einem Museum auf der Krim. Um deren Rückgabe ist ein diplomatischer Streit zwischen der Ukraine, Russland und dem Westen entbrannt. Auch diese beiden Stücke gehören zu den Ausstellungsobjekten. Bilder: Allard-Pierson-Museum
von Agentur EPDProfil

132 Stücke aus Gold, viele Jahrhunderte alt, hat Andrey Malgin hergegeben. Ob der Museumsdirektor die Ausstellungsstücke zurückbekommt, die Versicherungen auf einen Wert von rund 165 000 Euro schätzen, ist alles andere als sicher: Sie sind Teil eines diplomatischen Tauziehens infolge des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine geworden. Andrey Malgin ist Direktor des Zentralmuseums von Taurien in Simferopol, der Hauptstadt der Halbinsel Krim. 2013 haben sein Haus und vier andere Museen in der Ukraine ihre wertvollsten Fundstücke nach Europa geschickt. Die Ausstellung soll die Geschichte der Region zeigen.

Auf der Krim entdeckt

Im Februar hat das Allard Pierson Museum in Amsterdam die Ausstellung über die Krim eröffnet. Nur wenige Wochen später aber rückten russische Truppen auf der Halbinsel ein, ein Referendum fand statt, die Krim hat sich Russland angeschlossen. Seither ist unklar, ob damit auch die Kulturgüter ihren Besitzer gewechselt haben. Nun gibt es zwei mögliche Eigentümer: die Ukraine und das Museum auf der Krim. Alle Gegenstände seien auf der Krim entdeckt worden und deshalb Teil des Kulturerbes, sagt Museumsdirektor Andrey Malgin: "Deshalb müssen sie an den direkten Eigentümer, das Museum, zurückgegeben werden und nicht an den Staat." Die Ukraine dagegen, von der sich die Krim losgesagt hat, beharrt darauf, das Krim-Gold sei Staatseigentum und gehöre jetzt nach Kiew, in die Hauptstadt.

"Nach ukrainischer Auffassung würde eine Rückgabe an die Museen auf der Krim bedeuten, dass die Stücke plötzlich in russische Hände fallen", sagt Yasha Lange von der Universität von Amsterdam, zu der das archäologische Museum gehört. Deshalb könnten die Gegenstände nicht einfach zurückgegeben werden, von wo sie ausgeliehen wurden. Ende August endet die Ausstellung - doch wissen die Niederländer nicht, ob sie die Stücke nach Kiew schicken oder an die Museen zurückgeben müssen. Sie sind in den Konflikt zwischen Russland, der Ukraine und dem Westen geraten. Anwälte auf allen Seiten versuchen, das heikle Problem zu lösen. Das niederländische Außenministerium hat sich eingeschaltet.

Der russische Kulturminister Wladimir Medinski sagte russischen Medien, man habe ebenfalls Anwälte beauftragt. Sie würden die Interessen Moskaus vertreten, sollte es zu einem Gerichtsprozess kommen. "Ich hoffe, dass unsere Partner in den Niederlanden die Sache nicht für kleinliche Politik benutzen, sondern von einem juristischen Standpunkt betrachten." Wie üblich hat das Archäologie-Museum in Amsterdam mit den Leihgebern auf der Krim Verträge geschlossen. Was genau darin festgelegt ist, will Museumssprecher Yasha Lange nicht sagen.

Von diesen Verträgen und vom ukrainischen Recht könne abhängen, wer die Gegenstände bekommt, sagt Inge van der Vlies, Professorin für Kunst- und Staatsrecht an der Universität von Amsterdam. "Es kann sein, dass die Museen das Abkommen im Namen des Staates abgeschlossen haben, dann gehen die Stücke wohl an den Staat," erklärt van der Vlies. Es könne aber auch sein, dass die Exponate an den Eigentümer zurückgegeben werden müssen.

Ost oder West

Weil die Niederlande die Abspaltung der Krim nicht anerkennen, ist das Land weiterhin an Absprachen mit der Ukraine gebunden. Deshalb müsse man sich in lokales ukrainisches Recht einarbeiten. Unterdessen geht die Ausstellung in Amsterdam ihrem Ende entgegen. Gezeigt wird - ausgerechnet - wie die Krim mal zum Westen, mal zum Osten neigte. Die antiken Gegenstände erzählen von griechischer Eroberung vor 2000 Jahren und von Römern, Russen und Hunnen, die das Gebiet besetzt hatten.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.allardpiersonmuseum.nl

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