Er visualisierte nicht nur die Musik von Pink Floyd: Der Grafiker und Fotograf Storm Thorgerson ...
Ein Zauberer der Bilder auf der dunklen Seite des Mondes

Es gab Zeiten, da bestand populäre Musik oft auch aus Bildern. Gemeint sind keine Videoclips, sondern großartige grafische Kunstwerke, auf die man stundenlang starren konnte, während man einem Album lauschte: Plattenhüllen. Im Zeitalter der CD schrumpfte diese Kunst auf 12 mal 12 Zentimeter. Heute, in der Zeit der Downloads, ist sie fast ganz verschwunden. Aber in der Ära der Schallplatten, die derzeit wieder zu dämmern scheint, hatte man ganze 31,5 Zentimeter Kantenlänge in Händen, und wenn man Glück hatte, war die Plattenhülle auch noch zum Aufklappen. Der britische Künstler Storm Thorgerson hat diese Ära geprägt wie kaum ein anderer. Im Alter von 69 Jahren ist er am Donnerstag an Krebs gestorben.

Die bekanntesten Arbeiten Thorgersons prangten auf den Alben von Pink Floyd: Das Prisma mit den Regenbogenstrahlen auf "The Dark Side of the Moon", der brennende Mann auf "Wish you were here" - all das stammte von dem am 28. Februar 1944 nördlich von London geborenen Grafiker und Fotokünstler. Zusammen mit seinen Kollegen von der 1967 gegründeten Agentur Hipgnosis schuf er Bilder, die ebenso ins Gedächtnis der Popkultur eingingen wie die Musik, die sie illustrierten. Mit Mehrfachbelichtungen, Airbrush-Techniken und gezielten Lichtbrechungen erzielte Thorgerson Effekte, die heute mit Software wie Photoshop erzeugt werden - damals war alles noch Handarbeit. Selbst als der PC als Hilfsmittel zur Verfügung stand, blieb der Künstler stur: "Ich ziehe den Computer in meinem Kopf dem auf meinem Schreibtisch vor."

700 Betten am Strand

Seine Arbeitsmethode beschrieb er der britischen Zeitung "The Guardian" gegenüber so: "Ich höre die Musik an, lese die Songtexte und spreche so viel wie möglich mit den Musikern", so Thorgerson. "Ich sehe mich als eine Art Übersetzer, indem ich ein klangliches Ereignis - die Musik - in ein visuelles Ereignis übersetze - das Cover."

Die Umsetzung seiner oft skurrilen Konzepte brachte manchmal einen unglaublichen Aufwand mit sich: Für das Cover des Pink-Floyd-Albums "A Momentary Lapse of Reason" (1987) arrangierte Thorgerson beispielsweise sage und schreibe 700 Krankenhausbetten an einem Strand. Später gab er zu: "Das war Irrsinn."

Im Jahr 2011 schätzte Thorgerson die Zahl der Albumcover, die er entworfen hatte, auf mehr als 300. Zu seinen "Kunden" zählten neben Pink Floyd Bands wie Alan Parsons Project, Yes, 10cc, Dream Theater, Styx und Led Zeppelin. In den vergangenen Jahren arbeitet er aber auch mit jüngeren Musikern wie Muse, Biffy Clyro, Phish, The Offspring und The Mars Volta. In den 80er Jahren versuchte sich der Brite zudem als Videoregisseur und arbeitete an Clips für die Werbewirtschaft, ein Bereich, den er laut "Guardian" als "emotional und intellektuell bankrott" bezeichnete.
Pink-Floyd-Gitarrist David Gilmour erinnert sich in seinem Nachruf daran, wie er Thorgerson als Teenager kennenlernte: "Storm machte immer den meisten Lärm, platzte förmlich vor Ideen und Enthusiasmus - nichts daran hat sich jemals geändert. Sein Artwork für Pink Floyd seit 1968 war ein untrennbarer Bestandteil unserer Arbeit. Ich werde ihn vermissen."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.stormthorgerson.com
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