16.01.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Eriks Gruns Film "Der Klumpfuß" mit den Raith-Schwestern bis 23. Januar im Regensburger Auerbräu Kritischer Blick auf die bayerische Heimat

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Der deutsche Heimatfilm ist nicht tot. Er hat nur seine Themen geändert. Das zeigt auch "Der Klumpfuß". Die neue Produktion von Niederbayern Movie und dem Regensburger Regisseur Erik Grun ist derzeit im Auerbräu in Regensburg zu sehen.

Ort der Filmhandlung ist Viechtach. Doch auch wenn das Städtchen im Bayerischen Wald von der Hauptdarstellerin Anna (Teresa Habereder) patriotisch als "unsere Heimat" bezeichnet wird: Die für andere Heimatfilme typische Idylle beschränkt sich hier auf eine schwarze Katze und ein weißes Kaninchen. Und auch wenn die Raith-Schwestern als Stargäste auftreten - beide spielen Mitarbeiterinnen der örtlichen Sozialstation: Gejodelt wird nicht.

Ein realistischer Blick herrscht vor in diesem Film. Und das heißt in erster Linie Tristesse. Vor allem beim Peter (Peter Leitner), "dem Klumpfuß", wie ihn die Landbewohner nennen. Der lebt zurückgezogen auf dem Dachboden einer Schreinerei. Seine Familie und auch die anderen wollen nichts von ihm wissen. Bis Anna kommt. Der anonymen Großstadt München entflohen und das Herz voller Idealismus kehrt die junge Pflegekraft in ihren Heimatort zurück. Und will sie nur noch eins: Neues orthopädisches Schuhwerk für Peter zu organisieren. Erik Grun meistert behutsam den Spagat zwischen Kitsch und Tragödie. Die fast unvermeidliche Konsequenz, wenn sich ein hübsches Mädchen intensiv um einen unbeachteten Außenseiter kümmert, zeigt sich etwa in einer Schachtel "Mon Chérie", die eines Tages vor Annas Elternhaus liegt. "Wann kommst du wieder? Peter", ist auf eine beiliegende Karte gekritzelt. Doch zu einer ungewöhnlichen Beziehung kommt es nicht. Da ist der Film realistisch genug.
"Wir wollten einmal der Sache nachgehen, warum Menschen mit einem so genannten Klumpfuß immer so vollkommen verschüchtert sind", äußert sich Regisseur Erik Grun zum Film. "Das sind Menschen, die uns geistig ebenbürtig sind, und die oft eine ganz besondere Kreativität an den Tag legen. Aber sie versuchen, sich zu verstecken." Grun weiß, wovon er spricht. Ebenso wie der Hauptdarsteller Peter Leitner kommt er aus dem Krankenpflegebereich.

Erfreut zeigte sich der Regisseur darüber, dass ein sozialkritischer Film wie "Der Klumpfuß" so viele Besucher anlockt. Das Auerbräu war bei der Premiere brechend voll. Neben der Aufführung am 16. Januar (20 Uhr) sind daher noch drei Zusatztermine angesetzt worden: "Der Klumpfuß" läuft auch noch am 21., 22. und 23. Januar um jeweils 20 Uhr im Auerbräu.

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