Eröffnung der Elbphilharmonie
Wunderwerk der Klangkunst

Die Elbphilharmonie leuchtet. Am Donnerstagabend wurde das Millionen-Projekt in der Hamburger Hafen-City nach fast zehn Jahren Bauzeit offiziell mit einem Festakt und Konzert eröffnet. Bild: dpa
 
Der Weidener Stefan Göddertz hat an verantwortlicher Stelle an der Elbphilharmonie mitgebaut. Bild: Simon Keubühl

In Hamburg beginnt mit der Eröffnung der Elbphilharmonie eine neue musikalische Ära. Schon jetzt wird das Konzerthaus als "Klangwunder" und "Jahrhundertbau" gefeiert.

Hamburg. Applaus brandet auf, als Chefdirigent Thomas Hengelbrock den Saal betritt, seinen Taktstock hebt und das Eröffnungskonzert mit Benjamin Brittens zauberhaften Oboe-Tönen im Dunkeln beginnt. Während Bundespräsident und Bundeskanzlerin den Klängen lauschen, illuminiert im Hamburger Hafen zeitgleich eine spektakuläre Lichtshow die Fassade des alten Kaispeichers, auf dem die Elbphilharmonie steht, und setzt die Musik in Farben und Formen um. So können auch Schaulustige an den nahen Landungsbrücken und auf Barkassenbooten auf der Elbe die beeindruckende Eröffnung live verfolgen.

Nach zehn Jahren Bauzeit und immensen Kostensteigerungen ist es am Mittwochabend endlich so weit: Was manch einer schon nicht mehr zu hoffen wagte - die Hamburger Elbphilharmonie, schon jetzt das neue Wahrzeichen der Hansestadt, startet mit einem Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters durch 400 Jahre Musikgeschichte, von der Renaissance bis zur Gegenwart.

Zu den 2100 Gästen gehören Schauspieler Armin Mueller-Stahl, Ballettchef John Neumeier und Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina. Aber auch 500 Glückliche, die ein Ticket gewonnen hatten - schließlich soll die "Elphi" ein "Haus für alle" sein. Es sei nun an den Hamburgern, die hohen Erwartungen zu erfüllen, mahnt Bundespräsident Joachim Gauck und schreibt den Politikern ins Stammbuch, sorgsam mit Steuergeldern umzugehen - ein Seitenhieb wegen der Kostenexplosion bei der Elbphilharmonie. Sie kostete die Steuerzahler am Ende 789 Millionen Euro.

Zugleich lobte Gauck aber den wunderbaren Klang und die Architektur des Hauses. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Klassik-Fan saß mit ihrem Mann Joachim Sauer im neuen Konzertsaal, der wie die Berliner Philharmonie im Weinberg-Stil gebaut ist - mit einer Bühne in der Mitte, die von aufsteigenden Zuschauerrängen umgeben ist.

Auf dem Programm des Eröffnungskonzerts stehen Werke von Cavalieri, Liebermann, Messiaen, Praetorius, Wagner und eine Uraufführung von Wolfgang Rihm. Am Ende sollte Beethovens Neunte Sinfonie "Freude, schöner Götterfunken" nicht fehlen - auch wenn es dort in einer Zeile heißt: "Seid umschlungen, Millionen!" - was angesichts der immensen Kostensteigerungen falsch verstanden werden könnte. Die Kosten stiegen für die Steuerzahler von 77 auf 789 Millionen Euro, hinzu kamen 57,5 Millionen Euro Spenden.

Projektleiter aus WeidenHeute, wenn die Elbphilharmonie mit dem zweiten Eröffnungskonzert endgültig die Einweihungsfeierlichkeiten hinter sich bringt, wird auch ein Weidener im Publikum sitzen. Architekt Stefan Göddertz hat als Verantwortlicher für die Fassade des Riesenkristalls seine Handschrift an dem Gebäude hinterlassen.

Der 48-Jährige hat das Projekt von Anfang an für die Planer Herzog & de Meuron betreut. Bis 2011 lebte der Projektleiter für die Gebäudehülle in Hamburg, später zog er nach Basel, an den Hauptsitz des Architekturbüros. Göddertz studierte nach dem Abitur am Kepler-Gymnasium 1988 an der Akademie für Bildende Künste in Nürnberg. Danach folgten Stationen in Frankfurt, Rotterdam, Paris und Zürich.

Göddertz arbeitete unter anderem an Gebäuden in Österreich, Frankreich, Spanien, Holland, Russland und Südkorea. Seit 2006 ist er bei Herzog & de Meuron. Zurzeit plant der Fassadenspezialist die Hülle des neuen Kunstmuseums "M +" in Hongkong. (phs)
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