02.04.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Erotikschiffe mit "Chill-out-Bereichen" schlagen hohe Wellen - Neuerdings regt sich Widerstand: Bodensee: Ahoi im Swingerclub

Eine Schifffahrt auf dem Bodensee ist eine gemütliche Sache. Etwas, von dem man sagen würde, es kommt der ganzen Familie zugute. Ruhig gleiten die Schiffe der Weißen Flotte übers Wasser.

Ein Passagierschiff der "Weißen Flotte" fährt von Friedrichshafen Richtung Schweiz, während sich über dem Bodensee ein Gewitter zusammenbraut. Durch das Angebot von "Erotikschiffen" gerät der Bodensee auch so in schwere See. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) bringen Touristen und Einheimische zu den Bregenzer Festspielen, zum Seenachtsfest in Konstanz (Baden-Württemberg), bieten Muttertagsfahrten oder Tanztees an. Doch im Juni dürfte es auf der betagten, 1937 gebauten "MS Schwaben" anders aussehen: Dann legt das "Torture Ship" an - und die Gäste an Bord tragen Lack und Leder. Neu ist das eigentlich nicht. "Wir fahren seit 17 Jahren mit dem Schiff", sagt Veranstalter Thomas Sigmund. "Und jetzt tun alle so, als hätten sie noch nie was davon gehört." Ähnlich geht es einem zweiten Erotikschiff, das im August mit Swingern in den Bodensee sticht - auch nicht zum ersten Mal. "In den drei Jahren, in denen wir das gemacht haben, gab es keine einzige Beschwerde", sagt Veranstalter Thomas Weiss. "Da hat sich nie einer dran gestört."

Aber dieses Mal sieht es anders aus: Am Bodensee schlägt das Thema hohe Wellen. "Unanständig" nannte eine CDU-Kommunalpolitikerin aus Friedrichshafen jüngst die Schiffe. Und der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) lehnte die "Vermietung von Schiffen aus der BSB-Flotte für Sex-Veranstaltungen" per Pressemitteilung ab. Manch einer vermutet die Kommunalwahlen im Mai als Auslöser für die Kritik.

Nichts gegen Partys

Es gehe nicht um sexuelle Intoleranz oder Prüderie, ließ Burchardt mitteilen. "Gegen reine Party-Veranstaltungen gleich welcher sexueller Gesinnung oder Orientierung habe ich weder jetzt noch künftig in irgendeiner Weise etwas einzuwenden." Stattdessen gehe es um die Frage, ob die BSB Schiffe für kommerzielle Sex-Veranstaltungen verchartere und ob man dieses tatsächlich zum Geschäftsmodell eines der größten Touristikanbieter in Baden-Württemberg erklären wolle.

Ausreichend Liegeflächen vorhanden

Veranstalter Weiss wehrt sich gegen die Bezeichnung "Sex-Veranstaltung". "Das ist es nicht", sagt er. Allerdings habe die Veranstaltung einen "erotischen Charakter". Das zeigt auch der Dresscode für den Abend. Für die Damen gilt: Minirock oder das kleine Schwarze, Dessous, Korsagen, Hotpants, High-Heels. Für die Herren: Uniformen, Lack, Leder, Latex, Ketten, Schottenrock. "Alternativ - wenn die Figur es zulässt - schwarze Stoffhose und nackter Oberkörper mit Fliege." Mehr als 80 Prozent der Gäste würden vor allem zum Tanzen kommen - und "nicht, weil sie irgendwas in sexueller Hinsicht machen wollen", sagt Weiss. "Wir haben drei Musikbereiche, vier DJs, eine Cocktailbar, ein Bordrestaurant." Wer mehr plane, ziehe sich in "Chill-out-Bereiche" zurück. Dort werde es "genügend Liegeflächen geben, die definitiv nicht zum Schlafen gedacht sind...", heißt es auf der Homepage.

Spielbereich nutzbar

Liegeflächen zum "Schnackseln" gebe es bei ihnen nicht, sagt der Veranstalter des "Torture Ships", Thomas Sigmund. Dafür könnten die rund 600 Gäste einen "Spielbereich" nutzen: "Man kann zum Beispiel Leute an ein Kreuz binden und ihnen den Popo verhauen." Dass es zu Sex komme, könne man nicht ausschließen. "Aber: Zeigt mir mal einen Faschingsball, wo es nicht zum Sex kommt." Auch Sigmund will den Titel Sex-Veranstaltung für sein Lack- und Lederschiff nicht gelten lassen. "Dann müsste man weitergreifen und auch fragen: Ist der Christopher Street Day eine Sexveranstaltung", sagt er. "Da kommen die Leute auch in Tangas und knapp bekleidet."

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