26.04.2018 - 21:02 Uhr
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Filmkritik "Avengers: Infinity War" Wuchtig, bösartig und kosmisch, aber trotzdem mit Herz

"Avengers: Infinity War", das dritte große Klassentreffen der Marvel-Superhelden, ist ein bisschen so wie sein Bösewicht Thanos: wuchtig, bösartig und kosmisch, aber trotzdem mit Herz. Und auch der Humor kommt in der digitalen Kino-Schlachtschüssel nicht zu kurz.

Die Helden kämpfen an mehreren Fronten: Iron Man ist mit Spider-Man, Drax, Star-Lord und Mantis auf dem Planeten Titan gelandet. Bilder: Marvel Studios/Walt Disney
von Frank Stüdemann Kontakt Profil

Auf diesem dritten "Avengers"-Film lasten Erwartungen, die unbeschreiblich hoch sind: Er ist der Höhepunkt der sage und schreibe 18 miteinander verwobenen Einzelfilme aus der Welt der Marvel-Comichelden. "Iron Man" war 2008 der Anfang dieser Filmreihe - es folgten nur Hits, nicht ein einziger Flop.

Die beiden Regie-Brüder Anthony und Joe Russo müssen für "Infinity War" nun also die gewaltige Zahl von 21 Hauptfiguren unter einen Hut bekommen, darunter auch die "Guardians of the Galaxy". Dazu kommt der ultimative Ober-Bösewicht, der in den vergangenen Filmen immer wieder kurz zu sehen war: der Titan Thanos.

Eine Menge Bälle also, die die Russos da auf rund 150 Minuten Laufzeit jonglieren müssen. Die gute Nachricht: Es gelingt ihnen überraschend gut. Nicht nur bekommen tatsächlich alle Hauptfiguren ihren Moment im Rampenlicht, sondern die Brüder halten zudem perfekt die Balance aus Action und ruhigen Momenten, Humor und Drama. Wer auf effektreiche Spektakel steht, kommt hier voll auf seine Kosten, auch wenn er bislang keinen einzigen oder nur wenige der Marvel-Filme gesehen hat. Wer sonst auf schwedische Autorenfilme mit französischen Untertiteln steht, sollte daheim bleiben.

Edle Absichten

Den Russos kommt natürlich zugute, dass sie sich nicht mit sonderlich viel Handlung herumschlagen müssen. Die ist schnell zusammengefasst: Thanos will die Hälfte allen Lebens im Universum auslöschen, dafür braucht er alle sechs der sagenumwobenen "Infinity-Steine" - und unsere Helden müssen verhindern, dass er sich diese unter den Nagel reißt. Dabei leitet den fliederfarbenen Fiesling kein reiner Zerstörungstrieb, sondern die Überzeugung, dass das Universum einfach überbevölkert ist. Auch die Erde.

Hulk ohne Chance

Schon in den ersten Minuten des Films wird klar, dass Thanos (gespielt von Josh Brolin) auf dem Weg zu den bunten Steinchen über Leichen geht, und dass selbst der mächtige Hulk keine Chance gegen ihn hat - weshalb dieser sich für den Rest des Films auch weigert, aus Dr. Bruce Banner (Mark Ruffalo) herauszubrechen. Das ist aber nicht das einzige Superhelden-Potenzproblem: Der mächtige Donnergott Thor (Chris Hemsworth) hat in seinem letzten Film seinen Hammer eingebüßt und muss jetzt in einer intergalaktischen Waffenschmiede zunächst ein neues Hau-drauf-Gerät besorgen - ein etwas umständlicher Nebenhandlungsstrang.

Und doch geht die Rechnung auf: Indem die Superhelden in bunt zusammengewürfelte kleine Teams aufgeteilt werden, wird die ganze Sache wesentlich übersichtlicher. Das wäre jedoch alles nichts ohne die durch die Bank großartigen Schauspieler, die sich in ihren Rollen sichtbar wohlfühlen. Und so ist es ein Genuss, Marvel-Veteran Robert Downey jr. als Tony Stark/Iron Man bei seinen Kabbeleien mit Doctor Strange (Benedict Cumberbatch) zu beobachten oder den Männlichkeitswettbewerb zwischen Thor und Star-Lord (Chris Pratt) zu verfolgen.

Die Frauen spielen dabei allerdings fast nur Nebenrollen, lediglich Zoe Saldana bekommt etwas mehr zu tun, als an der Seite der Männer zu kämpfen: Sie spielt Gamora, die Adoptivtochter von Thanos, und verleiht der Geschichte emotionalen Tiefgang. In einer besonders dramatischen Szene kullert sogar ein digitales Tränchen die Wange des Weltenzerstörers hinab.

Am Ende, so viel darf man verraten, steht kein Stein im Comic-Universum mehr auf dem anderen, ist nichts mehr wie es war. Düster ist die Stimmung, bevor der lange Abspann beginnt. Aber an dessen Ende, auch das ist Tradition bei den Marvel-Filmen, kommt noch ein kleines Häppchen, das andeutet, dass Hilfe unterwegs ist - in Gestalt einer wirklich starken Heldin. Um wen es sich handelt, erfahren wir ab 7. März 2019 im Kino: Dann startet "Captain Marvel" mit Brie Larson in der Hauptrolle. Kurz danach kehren auch die Avengers zurück, um Thanos endgültig den Hintern zu versohlen, und zwar am 25. April 2019. Für Nachschub ist also gesorgt, und so lange die Qualität der Filme auf diesem Niveau bleibt: Immer her damit!

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"Avengers: Infinity War", USA 2018, 149 Minuten, FSK ab 12, Regie: Anthony und Joe Russo, mit Chris Evans, Scarlett Johansson, Chris Hemsworth, Robert Downey jr., Josh Brolin. Mark Ruffalo, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana - disney.de/filme/avengers-infinity-war

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