Frauen und Karriere - Neun Damen gründen Geschäfte
Mut zum Risiko: Selbst ist die Frau

Grafenwöhr/Eschenbach/ Speinshart/Pressath. Arbeitsstellen in Teilzeit sind Mangelware. "Shop-Sharing" ist ein Begriff, den die Arbeitgeber zwar kennen, aber mehr auch nicht. Ihrem Schicksal Arbeitslosigkeit, oder richtiger gesagt, Erwerbslosigkeit, wollten sich einige Frauen aus der Region nicht ergeben.

Sie setzten auf "Mut zum Risiko" und wurden "ihr eigener Chef". Arbeitslos waren die Unternehmerinnen auch vor Gründung ihrer Firma nicht. Gerade wegen ihrer Familie beziehungsweise der Kinder suchten sie eine Stelle in Teilzeit.

"Not macht erfinderisch"

Wieviel Arbeit Erziehung mit sich bringt, liegt auf der Hand. Jede Mutter kann das bestätigen. Aber, wie heißt es so schön: "Not macht erfinderisch". Und wie nennt sich doch gleich die neueste Errungenschaft des Arbeitsamtes? Ja, richtig - die "Ich-AG". Christine Meinl, eine der neun selbstständigen Unternehmerinnen, betreibt seit zirka einem halben Jahr eine solche "Ich-AG" - und hat ihren Schritt nicht bereut. Sie ist zwar eine gelernte Zahnarzthelferin, wollte sich aber schon immer in einem kaufmännischen Beruf verwirklichen.

Deshalb folgte eine zweijährige Ausbildung bei der Industrie- und Handelskammer als Sekretariatsfachkauffrau. Der Traumberuf wurde Wirklichkeit. Aber er sollte es nicht um jeden Preis werden; denn eine Beschäftigung in Teilzeit gab es nicht. "Zu Job-Sharing ist kein Arbeitgeber bereit, obwohl das doch viele Frauen machen würden", sagt die 36-Jährige. Nach reiflicher Überlegung strebte die Grafenwöhrerin die Beschäftigung einer "Kosmetikberaterin" an. Auch in ihrem dritten Beruf fühlt sie sich rundum wohl und ist schon seit drei Jahren in diesem Metier. "Zunächst war es nur eine geringfügige Tätigkeit. Aus der Arbeitslosigkeit heraus gründete ich am 1. März die ,Ich-AG'. Drei Jahre lang gibt es Gelder vom Staat, mit denen man haushalten und seine Abgaben für die Rente finanzieren muss. Die Zuschussgelder werden dabei von Jahr zu Jahr niedriger gestaffelt", erzählt Meinl. "Trotzdem kann ich diese Form einer eigenen Firma nur empfehlen", meint sie.

Nun eigene Chefin

"Nicht umsonst habe ich zweieinhalb Jahre lang die Meisterschule besucht und gebüffelt. Ich will mehr als Familienmanagerin sein", sagt die Augenoptiker-Meisterin Alexandra Schreml, die zugleich Mutter von dreijährigen Zwillingen und einem fünfjährigen Sohn ist. Den Meistertitel erkämpfte sie sich vor sechs Jahren. "Aber danach waren mir die Kinder und deren Erziehung das Wichtigste", erzählt die 35-Jährige. "Als dann die Kinder nicht mehr die uneingeschränkte Aufmerksamkeit von mir brauchten, habe ich mich - schon allein, um den Anschluss nicht zu verpassen - beruflich engagiert und bin seit 1. April 2004 Mitinhaberin im Eschenbacher Geschäft ,Optik-Schreml'. Dort sind meine Aufgaben zweigeteilt", erzählt die gebürtige Ravensburgerin. "Mit der Augenglasbestimmung, der Fertigung der Brille und der Kontaktlinsenanpassung verstehe ich mich sowohl als Handwerkerin als auch als Modeberaterin, wenn es darum geht, das passende Modell für den jeweiligen Typ zu suchen und schließlich auch zu finden."

Seit fast genau einem Jahr ist Regina Biersack "ihr eigener Chef", beziehungsweise die Chefin des "Naturkost LEBENSART"-Geschäftes in Pressath. Drei Jahre war sie vorher die Angestellte von Monika Schecklmann, der früheren Betreiberin. Die Idee von der Selbständigkeit kam von der Stammkundschaft. "Sie hatte mich gebeten, weiter zu machen." Der Laden und die Kunden seien doch schon da. "Außerdem würde ich mich doch auskennen", argumentierten einige.

"Ich geh' gern herein"

"Der Laden ist wichtig", hieß es. Das kann die junge Firmenbesitzerin nur bestätigen. "Die meisten meinen, im Bioladen gibt's nur Körner." Aber das sei ein Irrtum. Neben Vegetariern gibt es viele gesundheits- und umweltbewusste Kunden oder auch Allergiker, die das Angebot nutzen. Obwohl es für Regina Biersack anfangs nicht einfach war, hat sie den entscheidenden Schritt zur Unternehmerin nicht bereut. "Ich geh' gern herein, jeden Tag", bekennt sie. "Nicht zuletzt weil meine Kunden anders sind, eben besondere Kunden mit hohen Ansprüchen an die Qualität ihrer Lebensmittel und mit Rücksicht auf unsere Umwelt."

Diese drei und weitere sechs junge Unternehmerinnen, die den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben, möchten sich am Sonntag in einer Gemeinschaftsveranstaltung vorstellen. Angelique Schröder aus Eschenbach ist im Töpferbereich kreativ tätig. Auch das Fitness-Studio von Elke Übelacker ist in Eschenbach zu finden. Das "Garagen-Lad'l" von Gisela Marx, das Kunst und Gewerbe bietet, ist in Pressath ansässig. Die Deko der Veranstaltung im großen Saal des Jugendheims Grafenwöhr bringt einen Vorgeschmack auf die Artikel der Polsterei Meyer, die von Monika Meyer in Speinshart geführt wird. Aus Grafenwöhr stellen sich neben Christine Meinl noch zwei Firmenchefinnen vor: Die Heilpraktikerin Doris Mayer führt Shiatsu-Techniken vor. Claudia Kneißl verhilft den Frauen mit DÉESSE-Kosmetik zu noch mehr Schönheit.