13.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Für Neuerwerbungen fehlt deutschen Museen oft das Geld - Sie müssen sich daher etwas einfallen ... Eine Postkarte von Max Raabe

Würzburg. Der Schauspieler Axel Prahl war ganz besonders kreativ: Rote Linien schlängeln sich wild und doch nach einem gewissen System um einen blauen und gelben Punkt. "Abstrakter Expressionismus der 50er Jahre", sagt Museumsdirektorin Marlene Lauter dazu und lacht. Sie leitet das Würzburger Museum im Kulturspeicher. "Kreatives Potenzial ist überall!", ist sie überzeugt.

Marlene Lauter, Leiterin des Museums im Kulturspeicher, lässt Promis für das Würzburger Museum malen. Bild: Nicolas Armer/dpa
von Agentur DPAProfil

Das Würzburger Museum ist für seine Sammlung von Konkreter Kunst bekannt, es hat zudem eine Sammlung mit mehr als 30 000 grafischen Arbeiten, Zeichnungen, Gemälden und Plastiken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Und für diese Sammlung will Lauter gern ein großformatiges Stillleben in Öl kaufen. 14 000 Euro soll das kosten. Doch das städtische Museum hat keinen Etat für Neuanschaffungen. Im Einzelfall gibt die Stadt zwar Geld dazu, doch der Großteil muss über Sponsoren und Förderer eingetrieben werden.

So wie dem Würzburger Museum geht es vielen Einrichtungen. "Es gibt wenig Mittel vom Staat. Insofern sind die Museen auf eine Sonderfinanzierung angewiesen, wenn sie etwas Besonderes wollen", sagt Eckart Köhne, Präsident des Deutschen Museumsbundes. "Der klassische erste Ansprechpartner sind die Fördervereine." Je aktiver die sind, desto mehr finanziellen Spielraum haben die Museen logischerweise. Weitere Wege zum Geld führen über Spenden-Galas, Crowd-Funding-Projekte, große Stifter und Gönner sowie die Kulturstiftung der Länder.

Das muss doch auch anders gehen, dachten sich Museumsdirektorin Lauter und die Soroptimisten, ein Wohltätigkeits-Club, und verschickten im Sommer an rund 600 Prominente und Künstler eine leere Postkarte. Die Benefizaktion "Ein Bild für ein Bild" war geboren. Auf der Vorderseite zeigten alle einen gelben und einen blauen Punkt. Dieses Motiv sollten die Angeschriebenen kreativ vervollständigen und zurückschicken. Rund 200 kleine Kunstwerke kamen zurück. Unter den Absendern sind die Schauspielerin Hannelore Hoger, die Politikerin Andrea Nahles, der Kabarettist Urban Priol, der Autor Paul Maar, die Schlagersängerin Nicole und viele Künstler aus der Region. Als "unglaublich fantasievoll" beschreibt Lauter beispielsweise das Bild des Sängers Max Raabe. Er hat die zwei Punkte zu Luftballons gemacht, die einen Mann auf einem Stuhl über eine Landschaft schweben lassen. 520 Euro erlöste die Karte bei einer Versteigerung.

Die Würzburger Postkarten-Aktion findet Ekkehard Nümann, Präsident des Bundesverbands der Fördervereine Deutscher Museen, großartig. "Es ist kreativ, mal was ganz anderes. Es können alle mitmachen, das aktiviert." 14 800 Euro - inklusive Spenden und Eintrittskarten - hat die Aktion "Ein Bild für ein Bild" dem Würzburger Museum im Kulturspeicher am Ende gebracht.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.