11.11.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Grinderman: Industrial Poet mit Band - Gothic-Queen und Banker lieben "The Weeping Song": Der Nick-Cave-Himmel über Nürnberg

von Autor CIMProfil

Es ist düster in der großen Meistersingerhalle am Donnerstagabend, das Licht ist gedimmt. Nur die weißen Strahler malen Bilder auf den purpurnen Vorhang hinter der Bühne. Gothic-Queen und Bankdirektor sitzen nebeneinander, den Blick auf den mächtigen Flügel gerichtet, der da so einsam und fast verlassen dasteht. Plötzlich: ein Paukenschlag, ein Drumdonner und ein Lichtblitz: Nick Cave verbeugt sich dreckig grinsend vor seinem Publikum.

Etwas verbrauchter wirkt er als früher, der singende Poet. Das Haar ist lichter, die Wangen eingefallener, der Lemmy Kilmister-Bart fein rasiert. Doch der erste Eindruck täuscht. Nick Cave ist nicht alt, vielleicht reifer und interessanter, aber alles andere als verbraucht. Im schwarzen Samt-Anzug mit Schlag haut er in die Tasten seines Flügels, als ob er den Himmel über Berlin mit Klängen in einstürzende Neubauten meißeln wolle.

Begeistert Publikum

Ohne Blixa Bargeld und ohne den Rest der Bad Seeds begeistert er das Publikum, das verschiedener nicht sein hätte können in der Meistersingerhalle in Nürnberg. Die Zuhörer so facettenreich wie sein Liedgut: vom heftigen Industrialisten bis zum biederen Romantiker. Ein bärtiger Warren Ellis (Electric Bouzouki, Fendocastor, Viola, Violine, Akustik Gitarre, Backing Vocals) ein schlanker Martyn P Casey (Bass, Akustik Gitarre, Backing Vocals) und ein einzigartiger Jim Sclavunos (Drums, Percussion, Backing Vocals) unterstützen den Tasten streichelnden Lyriker. "We are a Band" erklärt Nick Cave. "We are Grinderman."

Balladen, die nach Kerzenschein und melancholischen Abenden rufen, wie "Lucy" oder "God is in the house" wechseln sich mit industrial angehauchten Rocknummern we beispielsweise "Baby, you turn me on" ab. Nach zwei Stunden absolut erstklassigem Nick-Cave-Sound nehmen sich die Künstler eine kurze Auszeit, "to have a cigarette and a drink", um dann noch einmal eine Stunde Zugabe zu geben. Von Müdigkeit keine Spur.

Neues Album 2007

Ein Kostprobe des neuen Albums von Grinderman, das im April 2007 erscheinen soll, gibt es auch. Härter und blecherner wie Nick Cave and the Bad Seeds klingen Grinderman. Zurück zu den musikalischen Wurzeln soll das Debüt-Album führen, zurück zu der "Birthday Party"-Ära von Nick Cave, zurück zu Black Sabbath.

Bevor das Licht angeht und den melancholischen Schimmer des Abends flutet, scheint sogar der Türsteher leise "The Weeping Song" zu summen ...

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