05.10.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Herbstliche Theatersaison im Tirschenreuther Kettelerhaus startet mit dem Thriller "Mörderische ... Verbrechen zwischen Kopfgeburt und Realität

von Rudolf BarroisProfil

Tirschenreuth. Immer wieder auf eine falsche Fährte lockt Bernard Slade das Publikum mit seinem Psychokrimi "Mörderische Phantasien", mit dem in Tirschenreuth am Sonntagabend im Kettelerhaus die Theatersaison begann. Der amerikanische Autor, vor allem auch die Inszenierung, machten es den Zuschauern nicht leicht den Spannungsbogen zu erkennen, der für diesen Abend angekündigt war. Es beginnt harmlos, familiär geradezu. Der sich nach jeder Szene schließende Vorhang ließ es nicht unbedingt zu, dem Handlungsstrang zu folgen.

Da schreibt der erfolgreiche Krimiautor Arthur Putnam einen Roman, jedoch keinen Kriminalroman, sondern eine erotische Liebesgeschichte, die er seiner Frau Julia gerade zum Lesen gegeben hat. Der Gattin fällt gleich auf, wie lebensnah auch die exzessiven Partnerspiele der handelnden Personen geschildert werden. Sie glaubt, in der Hauptperson ihren eigenen Mann zu erkennen.

Autor in Erklärungsnot

Bestätigt wird dieser Verdacht durch die Lektorin Holly Adams, die in Begleitung des Sohnes auftaucht. Als dann die junge Brenda erscheint, die vorgibt, Arthurs Geliebte zu sein, dabei Äußerungen macht, die sich Wort für Wort mit Putnams Manuskript decken, gerät der Autor in Erklärungsnot.
Brenda, die Arthur mit ihrem Wissen erpressen will, verschwindet, nachdem sie ihren Selbstmord angekündigt hat. Ein schwaches Alibi und Indizien am möglichen Tatort bringen Arthur in Mordverdacht. Erst die Diplomatenfrau Brooke Carmichael entlastet den Schriftsteller. Sie provoziert die wirklichen Täter, den Sohn Simon und Ehefrau Julia, die ein Verhältnis haben, zu einem weiteren Verbrechen. Dass der Detektiv den Hinterhalt, den Simon und seine Geliebte dem Autor mit seinem eigenen Manuskript gelegt haben, so schnell durchschaut, ist fast ein Wunder.

Am Ende aber ist alles ganz anders: Die Geschichte ist samt und sonders Arthurs Fantasie entsprungen, die anscheinend doch nicht ausreicht, um den Leser wirklich zu fesseln. Auch guten Krimiautoren soll ja auch einmal der Stoff ausgehen. Dabei wäre der Fall als Beziehungstat beinahe ein Klassiker.

Von einem raffinierten Psychothriller ist das Stück weit entfernt. Der Handlungsstrang ist zu schlicht, die Figuren recht langweilig und bieder obendrein. Die zu der Handlung passende Harmlosigkeit der Verschwörer ist eine Spur zu perfekt gespielt, erzeugt vor allem im ersten Akt Langweile und eine gewisse Ratlosigkeit bei den Zuschauern.

Prominente Besetzung

Daran mag auch die prominente Besetzung nicht viel ändern. Peter Fricke, der in etlichen Krimiserien zwielichtige Figuren spielt, vermag durch eine sehr lebendige Darstellung des etwas schrulligen, bisweilen zerstreuten Autors der Geschichte den Hauch von Rätselhaftigkeit zu geben. Irene Clarin ist als Ehefrau zu plakativ. Eine Frau, die sich betrogen fühlt, bleibt nicht so gelassen.

Ottokar Lehrner mimt den kriminellen Sohn, der mit dem Vater auf der Tasche liegt, routiniert und auch mit Verve, die Rolle des Verbrechers scheint aber nicht zu ihm zu passen. Lutz Bembenneck bringt als Laienschauspieler und Detektiv in das zunächst eher langweilige Geschehen auf der Bühne etwas mehr Farbe, ebenso Linde Fulda als Brooke Carmichael. Patrizia Orlando ist als Lektorin eine Spur zu brav.

Die Inszenierung leidet vor allem daran, dass die Szenen durch den sich jedes Mal für Minuten schließenden Vorhang den Charakter von Versatzstücken erhalten. Weil sich der Schauplatz nicht ändert, hätte sich die Chance ergeben, den Spannungsbogen von Anfang an deutlicher zu zeichnen. Das Stück bot allenfalls einen amüsanten Slapstick, ließ aber so etwas wie Nervenkitzel gar nicht erst aufkommen.

Dennoch dankte das Publikum den Darstellern mit freundlichem Beifall, der vor allem dem Bekanntheitsgrad des Hauptdarstellers zu schulden ist.

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