18.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Historiker und Zeitzeuge

von Agentur DPAProfil

Der Historiker und Russlandexperte Wolfgang Leonhard ist tot. Er starb am Sonntagmorgen im Alter von 93 Jahren nach schwerer Krankheit in einem Krankenhaus in Daun in der Eifel. Leonhard war der letzte noch lebende Zeitzeuge aus dem innersten Führungskreis der deutschen Kommunisten, der nach 1945 die Gründung der DDR vorbereitete. Seine Wandlung vom begeisterten Kommunisten zum Sowjetkritiker beschrieb er 1955 in dem Bestseller "Die Revolution entlässt ihre Kinder". Leonhard hatte 21 Jahre lang bis 1987 als Professor an der US-Eliteuniversität Yale über die Sowjetunion und den Kommunismus gelehrt.

Leonhard war 1945 als Mitglied der "Gruppe Ulbricht" - so benannt nach dem späteren DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht - aus Moskau nach Deutschland zurückgekehrt. Er war 1935 mit seiner vom Kommunismus begeisterten Mutter in die UdSSR geflohen und später zum Führungskader ausgebildet worden. In der sowjetischen Besatzungszone wuchs seine Gegnerschaft zum Stalinismus. 1949 floh er nach Jugoslawien und wenig später in die Bundesrepublik.

Als ausgewiesener Sowjetexperte und wichtiger Zeitzeuge war Leonhard bis ins hohe Alter sehr gefragt. Die letzte Jahre verbrachte er in seinem Haus im Eifelstädtchen Manderscheid - umgeben von mehr als 6000 Büchern über die UdSSR und die DDR, mit der Analyse des real existierenden Kommunismus.

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