19.01.2018 - 11:32 Uhr
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"I Knew You When": Neue CD von Bob Seger Die ewige Stimme

Bob Seger ist wieder da - mit geballter Wucht, die Stimme des inzwischen 72-Jährigen aus Detroit brodelt und bebt wie gewohnt auf dem aktuellen Werk "I Knew You When". Hier ist weiterhin eine Urgewalt am Wüten.

von Autor MFGProfil

Nachdem der im besten Sinne des Wortes hemdsärmelige Charismatiker Bob Seger bereits 2004 in die "Rock And Roll Hall Of Fame" aufgenommen worden war und bis heute weltweit über 50 Millionen Tonträger verkauft hat, wurde das sympathische Raubein 2015 mit dem "Billboard Legend Of Live-Award" bedacht. Völlig zurecht.

Es wird viel gelacht im Gespräch mit Seger. Dabei hat der Mann aktuell eigentlich gar nicht so viel zu lachen. Im Oktober musste er sich mehrfach ins Krankenhaus begeben und einigen schmerzhaften Operationen am Nacken unterziehen. Was zur Folge hatte, dass der unverwüstlich scheinende einige fest organisierte Konzerte absagen musste, weil die behandelnden Ärzte ihm dringend davon abrieten. "Aber das wird schon alles wieder", ist Frohnatur Seger überzeugt. "Unkraut wie ich vergeht nicht so schnell."

Mr. Seger, Sie sind vor kurzem aus dem Krankenhaus entlassen worden, haben nach wie vor gesundheitliche Probleme. Wie geht es Ihnen aktuell?

Bob Seger: Tatsächlich habe ich weiterhin einige Schwierigkeiten mit dem Nacken, die habe ich schon seit längerem. Und auch ansonsten sind etliche meiner Organe und Gliedmaßen ziemlich ramponiert. Tja, das Los des über 70-jährigen Anhängers vom "Sex & Drugs & Rock-'n'-Roll-Lifestyle", der dieses Ding über Jahrzehnte voll und ganz ausgelebt hat. Ich darf mich also nicht beschweren, bin selber schuld. Aber wofür ich meinem Schöpfer dankbar bin: Meine Stimme war nie angegriffen. Immerhin ist sie mein Markenzeichen. Dieses recht originelle Sangesorgan scheint mir auf ewig erhalten zu bleiben.

Sie haben Ihr neues Album dem 2016 verstorbenen Eagles-Mitstreiter Glenn Frey gewidmet: Er war einer Ihrer engsten Freunde. Wie kam es zu dieser Kumpanei?

Glenn und ich haben sich Anfang 1966 kennen gelernt, wir stammen beide aus Detroit - er war 17, ich 20. Wir sind im selben Viertel groß geworden, als angehende Musiker lief man sich zwangsläufig über den Weg. Wir mochten uns auf Anhieb, weil wir heiß darauf waren, Rock-Stars zu werden, ohne uns musikalisch verbiegen zu müssen. Wir standen auf die "Motown"-Sachen und den klassischen Rock 'n' Roll von Elvis Presley oder Chuck Berry. Glenn hat bei meiner ersten Single aus dem Jahr 1968 mitgemischt, "Ramblin Gamblin' Man", die völlig überraschend in die amerikanischen Top 20 einstieg. So etwas verbindet ein Leben lang! Zwar sind wir später in unterschiedlichen Bands gelandet. Doch wir waren ein Leben lang enge Freunde, haben uns nie aus den Augen verloren.

Als ich den "Glenn Song" fürs aktuelle Album einspielte, war der unabdingbar, aber verständlicher Weise ein ungeheuer schmerzhafter Prozess. Darum habe ich das Ding auch in einem Take durchgezogen. Ich hatte diesen sehr speziellen, unglaublich freundlichen Burschen vor Augen, während ich im Studio Gitarre spielte und sang. Es war herzzerreißend.

Neben dem "Glenn Song" gibt es noch zwei weitere Verneigungen vor kürzlich verstorbenen Mega-Stars, nämlich Cover-Versionen von Lou Reed und Leonard Cohen. Was hat Sie dazu angetrieben?

Ich habe weder Lou noch Leonard jemals persönlich getroffen. Aber ich habe von den beiden immer wieder Konzerte besucht. Jedes Mal war ich hin und weg! Immer wieder hatte ich, lange vor ihrem Tod, die Idee, Alben in ihrem speziellen Stil aufzunehmen. Doch als es an die Arbeit von "I Knew You When" ging und diese zwei großartigen Diven nicht mehr unter uns weilten, war klar, dass ich ihnen Tribut zollen würde.

Sie haben sich stets zu Barack Obama als Ihren Präsident bekannt, den Mann auch mehrfach während seiner Präsidentschaft getroffen. Insofern kann ich mir vorstellen, dass Sie mit Donald Trump nicht unbedingt als Obamas Nachfolger begeistert sind ...

Dieser neue Typ ist grauenvoll für mich! Untertags habe ich Schmerzen im Nacken, die mich quälen. Und in der Nacht, in meinen schlimmsten Alpträumen, quält mich regelmäßig Trump, der mir erzählt, was für ein toller Hecht er ist. Das sind gruselige Visionen, die ich meinem schlimmsten Feind nicht wünsche. Trump macht das genaue Gegenteil von dem, wofür Obama stand: Er spaltet die Nation, anstatt sie zu vereinen. Ich bin gerade dabei, ein paar Schmählieder auf diesen Irren zu schreiben.

"I Kew You When" ist Ihr erstes Album seit drei Jahren, dem zumindest in Ihrer Heimat sensationell erfolgreichen "Ride Out", das sich bis auf Position 3 in den Charts durchboxte. Wie werten Sie die aktuelle Platte stilistisch?

Es ist nichts als ein weiteres Bob-Seger-Werk: Kein Schnickschnack, keine Maschinen im Einsatz, erdiger, dreckiger, originärer Rock 'n' Roll. Ich mache wie gehabt keine Gefangenen beim Sound. Das machen genug andere Luschen.

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