07.07.2017 - 09:48 Uhr
Deutschland & Welt

"iD": Neues Album von Michael Patrick Kelly "Reif für neuen Spirit"

"Einfach Mensch sein" - das ist es, so schlicht diese Devise klingen mag, worum es Michael Patrick Kelly im Leben geht. Der 39-jährige gebürtige Dubliner scheint 2017 keinerlei Probleme zu haben und diese Maxime im Alltag 1:1 umzusetzen.

von Autor MFGProfil

Michael Patrick Kelly lebt aktuell mit seiner Ehefrau im idyllischen Niederbayern auf dem Land, ist im christlichen Glauben gefestigt, besitzt ein ausgeprägtes musikalisches Talent, was man auf der gerade erschienenen Platte "iD" (Sony) bewundernd bestätigt bekommt. Kelly schüttet über dem Hörer ein Füllhorn an berührenden Kompositionen irgendwo zwischen Folk, Singer/Songwriter-Anleihen und lupenreinem Pop aus, angereichert mit emotionalen Botschaften und kleinen Geschichten, die nie bekehren wollen, stattdessen den Zuhörer wohlig beflügeln.

Michael Patrick Kelly war in den 1980ern und 1990ern einfach nur "Paddy", herausragendes Talent und Teenie-Schwarm der Kelly-Family, einem Hippie-Familienclan, der auf einem Hausboot nahe Köln residierte und Millionen von glühenden Freunden hinter sich, Millionen von hämischen Feinden gegen sich hatte. Außer Zweifel steht, dass die "Kellys" ein ungewöhnliches Familien-Phänomen war (dieses Jahr gab es eine Reunion, an der sich "Paddy" jedoch nicht beteiligte), das Celtic-Folk kraft jubilierender Stimmen in besondere Sphären und kalte Steine zum Erweichen brachte.

2004 zog sich "Paddy" aus der Öffentlichkeit zurück, weil er genug von den Lorbeeren des Ruhms genascht hatte. Er schloss sich sechs Jahre lang einer katholischen Klostergemeinschaft im Burgund an, betete, studierte, meditierte. Zu den "ewigen Gelübden" fühlte er sich nach langer Gewissensprüfung allerdings nicht berufen, verließ deshalb den Orden, wandte sich wieder der Musik zu. 2013 heiratete er seine Jugendliebe, die belgische Journalistin und Religionsphilosophin Joelle Verreet. Jetzt geht es mit "iD" für ihn darum, dank beseelter Pop-Musik "aus der Welt einen besseren Ort zu machen."

Warum dieser Albumtitel "iD" - waren Sie sich zuvor über Ihre "Identität" etwas unsicher?

Michael Patrick Kelly: Biographisch gesehen hat mich die Frage nach meiner Identität ein Leben lang beschäftigt. Dadurch, dass ich in verschiedenen Kulturen, vor allem der irischen wie der deutschen, als Vagabund aufgewachsen bin, musste ich mir Stück für Stück eine Identität schaffen. Bis heute ist dieser Prozess nicht komplett abgeschlossen. Vermutlich liegt es daran, dass meine Mutter starb, als ich gerade mal Fünf war. Dazu kommt, dass ich mein Leben lang als Künstler unterwegs war. Für Kreative ist es entscheidend, sich ständig neu zu "identifizieren".

Sie möchten "Lebenswille" und "Orientierung" anstatt "Verzweiflung" und "Zynismus" mit Ihrer Arbeit vermitteln, lassen Sie die Medien wissen. Wie ist das konkret gemeint?

Meine neue Platte ist kein Mittel zum Zweck. Ich will damit nicht - und das wollte ich noch nie - irgendjemanden missionieren. Stattdessen versuche ich, Denkanstöße zu geben, die hoffentlich positiv sind. Ich will ein paar Ideen vermitteln, gegen einen etwas verwirrenden, teilweise destruktiven Zeitgeist, der aktuell vorherrscht. Vorrangig geht es mir darum, dass wir freiheitsliebenden uns nicht von einem Terror gleich welcher Couleur unterkriegen lassen.

"Last Words" halten Sie laut Presseerklärung für eines Ihrer "mutigsten Lieder". Warum ist das so?

Weil der Song durch die Bank aus den "letzten Worten" von so unterschiedlichen verstorbenen Berühmtheiten wie der Kokotte Marie-Antoinette bis hin zu "Apple"-Mitbegründer Steve Jobs besteht. Es ist ein Puzzle aus Zitaten, die letztlich ein Gesamtbild unserer zerrissenen Gesellschaft ergeben. Das halte ich durchaus für mutig.

"New Spirit" entstand während Ihres sechs Jahre langen Aufenthalts im Kloster. Wie kam es dazu?

Dieses Ding ist sehr spirituell und hat mich über Jahre hinweg begleitet, ohne dass es komplett gewesen wäre. Jetzt fand ich es in sich geschlossen, die Zeit war reif dafür. Tatsächlich brauchen wir einen "neuen Spirit", um unseren Planeten lebenswerter zu gestalten.

"Jeder Song ist ein Puzzle-Teil vom großen Ganzen", meinen Sie. Klingt etwas kryptisch, oder nicht?

Das "große Ganze" hat etwas mit der eigenen Identität zu tun, wodurch wir wieder zum Albumtitel zurückkehren. Gerade in der Möglichkeit, die jedes einzelne Individuum besitzt, das sich die Frage nach einer eigenen politischen wie religiösen Identität stellt. Mein Ansatz hierfür ist stets der Optimismus.

Man bezeichnet Sie als "Teenieschwarm", "Mönch", "Rockstar". Viele unterschiedliche Rollen, die Sie unter einen Hut bringen mussten und müssen, oder nicht?

Kann sein - aber sie gehören allesamt zu mir und meiner Vita. Und keine Angst, ich neige nicht zur Schizophrenie! (lacht) Tatsächlich ist es mir wichtig, stets ein Suchender zu bleiben. Und ich liebe es, Extreme auszuloten. Ich werde Ende dieses Jahres 40. Dadurch nähere ich mich dem Zustand der Gelassenheit, werde mehr und mehr zum Stoiker. Gerade meine bewegte Vergangenheit hilft mir, mehr und mehr in mir selbst zu ruhen.

Tourtermine: 13. Juli Deggendorf (Donaufest), 16. Juli Schwabach (Marktplatz), 1. Dezember München (Kleine Olympiahalle).

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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