27.12.2006 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Im Freilandmuseum Neusath-Perschen entsteht mit "Spinnrad" ein professionelles Volkstheater William Shakespeare auf Oberpfälzisch

von Susanne WolkeProfil

"Hamlet - mia gangst." Das ist Shakespeare auf bayrisch. Mit dem umgeschriebenen Klassiker beginnt ein neues Volkstheater im Freilandmuseum Neusath-Perschen im Februar die Spielzeit. Das Stück steht für das Programm der Bühne: "Es können sich alle amüsieren", sagt Initiator Peter Klewitz. "Vom Bauarbeiter bis zum Akademiker." Der Theaterpädagoge hat das Projekt mit einer Gruppe von sieben Schauspielern ins Leben gerufen.

Volksbühne "Spinnrad"

"Spinnrad" heißt die neue Volksbühne, die mit Unterstützung des Bezirks im Ausstellungsraum des Freilandmuseums eingerichtet wurde. "Mit dem Namen verbindet man heimelige Abende, an denen lustige und unheimliche Geschichten erzählt werden", so Klewitz. "Außerdem werden hier aus Einfällen Geschichten gesponnen."

So auch bei der bayerischen Fassung des "Hamlet". "Popularisierter Klassiker" nennt Peter Klewitz die Tragödie von Shakespeare, die er 1989 gemeinsam mit den späteren Mitspielern zur Tragikomödie umgeschrieben hat. "Das Stück ist ein Renner", sagt der Theaterpädagoge über die Inszenierung, die schon früher an verschiedenen Orten zwischen München und Straubing aufgeführt wurde. Trotz witziger Sequenzen - zum Beispiel geben die Schauspieler schon mal persönliche Kommentare zu dem ab, was sie da gerade spielen - will Klewitz das Stück keinesfalls als Klamauk missverstanden wissen. "Manche Szenen bleiben tragisch", soviel nimmt er vorweg.

Neben popularisierten Klassikern setzt das neue Volkstheater vor allem auf eigene Produktionen. Für Herbst 2007 ist ein Werk aus der Feder von Peter Klewitz und Monika Wittmann geplant. "Aufputzt - abg'nutzt: Die Mär vom Aufstieg und Fall einer Königin" heißt die Satire. Daneben soll "Banditen - mehr sog i ned" zur Aufführung kommen, eine Adaption des Schiller-Klassikers "Die Räuber".

Parallel dazu wird im Freilandmuseum Neusath-Perschen das Projekt "Von Wirtshausmord und Bauernplag" laufen. "In einer nächtlichen Wanderung gehen wir in die Höfe und spielen dort die Geschichte der Häuser und ihrer ehemaligen Eigentümer nach", erklärt Klewitz. Daneben sollen Kinderstücke in Mundart aufgeführt werden - auch an Schulen.

Der Plan zu einer professionellen Volksbühne entstand vergangenen Sommer. "Zwischen Wunsiedel und München gibt es so was nicht." Till Klewitz war es damals, dem diese Lücke auffiel. Dem Sohn von Peter Klewitz kam dann auch die Idee, hier Abhilfe zu schaffen: "Mit einem Theater im Herzen der Oberpfalz, das auf die ganze Region ausstrahlt." Engagiert werden vorwiegend junge Schauspieler nach Abschluss ihrer Ausbildung, die im "Spinnrad" ein Sprungbrett finden sollen.

Große Hilfsbereitschaft

Dann ging alles sehr schnell: Vater und Sohn traten an das Freilandmuseum Neusath-Perschen heran und stießen dort auf "unglaubliche Hilfsbereitschaft". Schließlich soll die ganze Gegend von dem Projekt profitieren: "Das Theater will auch Besucher anziehen, wenn das Museum eigentlich geschlossen ist", erklärt Peter Klewitz. Wichtig ist dem Theaterteam auch die Einbindung der Menschen vor Ort. "Wir hoffen auf eine gute, spannende und gedeihliche Zusammenarbeit mit allen", betont Klewitz.

Die Spielzeit des Volkstheaters "Spinnrad" läuft von Februar bis Ende Mai und beginnt dann wieder Anfang Oktober.

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