10.10.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"In den Rücken schreiben": Gedichte von Margarete Heiß im "lichtung verlag" erschienen Von der Poesie eines Sommertages

von Susanne WolkeProfil

Es ist Sommer. Das Heu ist längst eingebracht, an den Gartenzäunen welken die blauen Wicken, und unter der Silberweide am See schwirren die Mücken. Zeit, um im zerschnittenen Gras zu liegen. Den Flugzeugen am hohen Himmel hinterher zu schauen, oder sich gegenseitig Wörter in den Rücken zu schreiben.

"In den Rücken schreiben" hat Margarete Heiß ihren neuen Gedichtband betitelt, der im Viechtacher "lichtung verlag" für 9, 90 Euro erschienen ist. Die Kelheimerin beschreibt darin glückliche Kindertage in der Sommerhitze, grauneblige Herbstausflüge, nach Zimt und Marzipan duftende Bratäpfel und schließlich wieder den Geruch nach Erde und die ersten Grasspitzen des neuen Frühjahrs. Es sind kleine Momente des Glücks, die Margarete Heiß in atmosphärischer Dichte schildert. Die Poesie der Wirklichkeit, die jeder wahrnehmen kann, der der Welt mit offenen Sinnen begegnet.

Stichworte für die Leser

Margarete Heiß schreibt von Pollenstaub auf nackten Versen, von Schlafsacknächten, von mannshoch wachsendem Schilf, von Kastanienbäumen im Herbstnebel und von rotem Tee mit Orange und einem Stück Speck. Oft sind es nur Stichworte, die die Autorin dem Leser hinwirft. Die Situation an sich kann sich jeder selbst ausmalen. Auch in ihren lyrischen Reiseerinnerungen widmet sich die hauptberufliche Buchhändlerin dem Zauber der kleinen Dinge. China, die Schweiz, Paris, Berlin oder Irland: Zur Sprache kommen stets kurze Augenblicke des Glücks - "griechischer Wind", lichtdurchflutete Museumsräume oder "Seetang und Sand mit anrollendem Gewasser". Die kurzen Texte erinnern an Peter Handkes Reiseeindrücke. Auch mit den Werken anderer Literaten kokettiert Margarete Heiß. Zum Beispiel mit denen Rainer Maria Rilkes: "Meins ist / aus bunten Bäumen / Sträuchern und Pfarrerkappln / aus Schlehen Schneebeeren / aus altem Mais gebaut", berichtet sie in ihrem Gedicht "Wer jetzt kein Haus hat".

Lyrischer Genuss

Pflichtbewusst hakt Margarete Heiß zwar auch ein paar ernste Themen ab. Manchmal geht es um Krieg oder Zwangsarbeiter. Meistens jedoch sind die Gedichte der Kelheimerin reinster lyrischer Genuss. Zeit muss man sich allerdings nehmen für den schmalen Band. Die Texte von Margarete Heiß erschließen sich nicht beim flüchtigen Durchlesen.

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