26.01.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Interview mit dem Liedermacher Klaus Hoffmann über seine Autobiografie - Am 21. April ist er ...: "Je älter ich werde, desto entspannter ist mein Leben"

von Agentur DPAProfil

Ein Mann, der ein Leben lang unter Dauerstrom zu stehen scheint, besonders aber in den vergangenen beiden Jahren: Viel war geschehen in Klaus Hoffmanns Leben ab Anfang 2011 - ein neues Album ("Das süße Leben") und ein neuer Roman ("Phillip und die Frauen") waren erschienen, dann stand am 26. März 2012 noch der 60. Geburtstag an, der am Tag darauf gebührend mit einer Gala im Berliner Friedrichstadt-Palast gefeiert wurde, zusammen mit alten Freunden wie Reinhard Mey, Herman van Veen, Hannes Wader, Romy Haag oder Lydie Auvray.

Kokon aus Romantik

Und schließlich sollte noch vor Ende 2011 Hoffmanns Memoiren in den Läden stehen, an denen der Mann seit längerem fiebrig schrieb. Zur Veröffentlichung von "Als wenn es gar nichts wär - aus meinem Leben" (Ullstein-Verlag) würde es allerdings erst ein Jahr später kommen. Damit man Klaus Hoffmann allerdings keine Nachlässigkeit vorwerfen kann, erscheint zeitgleich zur Autobiografie ein weiteres Album: "Berliner Sonntag".

"Je älter ich werde, desto entspannter ist mein Leben", haben Sie vor nicht langer Zeit in einem Interview erklärt. Wie ist das zu verstehen?
Klaus Hoffmann: Die Betrachtung der Welt wird versöhnlicher, je mehr Erfahrungen man sammelt, je mehr Zipperlein man bekommt. Und je kälter dieser Planet emotional wird, desto mehr mummle ich mich in meinen Kokon aus Romantik und Bittersüße. Anders könnte ich mit den aktuellen Entwicklungen auf der Erde nicht klar kommen.

Sie sehen sich demnach als eingefleischten Romantiker?

Hoffmann: Romantiker, Melancholiker, Spinner - wie auch immer. Hauptsache, dass der Begriff positiv besetzt ist. Letztlich bin ich seit jeher ein Typ, der unvoreingenommen nach draußen geht, dort eine Menge erlebt. Und dann zurückkehrt in seine Höhle, um dort künstlerisch mit neuen Erfahrungen neu anzufangen.

Sie haben um einiges länger als geplant an Ihrer Autobiografie geschrieben, die endlich auf den Markt gekommen ist. Ist so ein Buch, in dem man sich mit mehr als 60 Jahren Dasein auseinandersetzt, schwierig zu verfassen?

Hoffmann: Nein, weil einerseits die Vergangenheit vorbei ist und ich einen eher spielerischen, luftigen Umgang mit ihr pflege, und es andererseits weitergeht. Ich bin ja mit mir auch weitgehend im Reinen. Wobei es durchaus erleichternd ist, den Ballast von einst loszuwerden. Ich habe all die Jahrzehnte so ehrlich wie möglich abgebaut. Das befreit - und schafft Kapazitäten für ganz neue Projekte. Berlin spielt eine zentrale Rolle in "Als wenn es gar nichts wär - aus meinem Leben"...

Hoffmann: Tatsächlich steht Berlin noch mehr im Mittelpunkt dieses Buchs als meine Lebensgeschichte. Gerade deshalb, weil ich zu meiner Heimatstadt ein so inniges wie gespaltenes Verhältnis habe. Während des Schreibens wurde mir zum ersten Mal so richtig heftig bewusst, wie einzigartig - und belastend - Berlin für mich ist.

Die Musikjournalisten-Legende Siegfried Schmidt-Joos schreibt über Sie: "Er ist ein Reisender, der in Wahrheit keinen Kiez braucht. Denn er reist für immer und ewig durch seinen Kiez. Da ist er Zuhause, da ist er Held." Erkennen Sie sich darin wieder?

Hoffmann: Unbedingt - denn letztlich bin ich nicht der große Weltreisende. Stattdessen erzähle ich immer Märchen, die allesamt in einem überschaubaren Viertel spielen. Eine kleine Umgebung also - in der ich gerne der Held bin.

Die Erzählweise Ihrer Autobiografie ist sehr stringent ausgefallen...
Hoffmann: Stringent und klassisch, ja, das ist mir wichtig. Ich wollte nicht laut und krachledern erzählen, stattdessen poetisch und dennoch an den Fakten orientiert. In erster Linie wollte ich mich während des Schreibens an dem Buch mit meiner ureigenen Vergangenheit versöhnen. Wobei ich mir beim Schreiben auch eine Maske aufgesetzt habe, um Distanz zu mir selbst zu gewinnen. "Als wenn es gar nichts wär - aus meinem Leben" ist jedenfalls eher ein autobiografischer Roman als eine typische Autobiografie geworden.

Ihr neues Album ist am selben Tag wie das Buch auf den Markt gekommen. Bedeutet das, diese beiden Veröffentlichungen ergänzen sich?

Hoffmann: "Berliner Sonntag" ist zunächst ein klassisches Klaus-Hoffmann-Album - und trotzdem ist es, je länger ich darüber nachdenke, eine Art musikalisches Extrakt aus dem Humus der Autobiografie.

In allen zwei Arbeiten steckt eine gewisse Wehmut, die Frage: Wo bleibt der schillernde Vogel Jugend, wo ist er abgeblieben? Ich habe nicht wirklich eine Antwort darauf. Wir sind Reisende auf Zeit, und der "Koffer Vergangenheit" kommt immer mit. Es geht weiter...

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Mit seinem Programm "Als wenn es gar nichts wär - aus meinem Leben" (Lesung mit Musik) ist Klaus Hoffmann am 21. April (20 Uhr, Autohaus Widmann, Am Wörnzgraben 2) Gast bei den Weidener Literaturtagen. Karten gibt es beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/85-550 und 09621/306-230).

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http://www.weidener-literaturtage.de http://www.nt-ticket.de http://www.klaus-hoffmann.com.

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