15.06.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Interview mit gebürtiger Oberpfälzer Musikerin Raphaela Beer: Arbeit an erster CD "Es sind immer Gefühle, die mich zu einem Song führen"

von Stefan Voit Kontakt Profil

Aufgewachsen in Gumpen bei Falkenberg (Kreis Tirschenreuth) ist das Leben von Raphaela Beer seit frühester Kindheit von Musik geprägt. Ihr Vater, der Künstler und Musiker Jeff Beer, sorgte dafür, dass sie eine musikalische Ausbildung (Klavier und Geige) erhielt. Im Haus spielte Musik immer eine große Rolle: Jeff komponierte in seinem Atelier, war in den 70er Jahren Organist in der international besetzten Deutsch-Rock-Formation "Odin". Die heute 23-jährige Künstlerin ging nach dem Abitur an die Musikhochschule Hannover. Jetzt lebt sie in Berlin, hat sich dort in der musikalisch vielfältigen Landschaft umgeschaut, Kontakte geknüpft, in verschieden Bands mitgespielt und arbeitet derzeit an ihrer ersten eigenen CD.

Sie haben sich von der Musikhochschule Hannover auf ungewöhnliche Art verabschiedet: mit einem Video. Wie kam es zu dieser Idee?

Raphaela Beer: Ich musste ganz plötzlich aus meiner Hannoveraner Wohnung raus und mich von meinem geliebten, alten, fast komplett verstimmten Klavier verabschieden, das leider nicht mit in mein kleines Zimmer nach Berlin hätte mitkommen können. Ich wollte ihm aber unbedingt noch "Auf Wiedersehen" sagen, und beschloss, mit ihm und einem Filmteam noch ein Musikvideo im Schnee zu meinem Song "Lavendel" zu drehen. Ich schleppte es also nach draußen, wo es jetzt vielleicht noch immer steht: auf der alten Pferderennbahn in Hannover. Das Lied "Lavendel" ist von Ihnen getextet und komponiert. Was steckt hinter dem Song, und wie wurde er visuell umgesetzt?

Beer: Es handelt davon, mit einer Lebensphase abzuschließen, mit der man nichts mehr zu tun haben möchte und von der trotzdem Erinnerungen bleiben. Nichts ruft eine Person, eine Situation, so schnell wieder hervor wie ein Duft. Mir war mit der aufkommenden Idee des Musikvideos sofort klar, dass es alles im Schnee stattfinden müsste. Es wurde dann sogar ein Schneesturm, der mich mit seiner Kälte förmlich in diese Stimmung warf. Die Idee, weiße Farbe übers Klavier zu gießen, kam mir in der Nacht zuvor, und mir wurde erst viel später bewusst, dass mich der Ausdruck und die reinigende Kraft des Weiß interessierte.

Sie sind mutig und singen auf Deutsch. Wurden Sie von anderen Künstlern beeinflusst, oder ist das einfach die richtige Form des Ausdrucks für Sie?

Beer: Ich habe als Jugendliche immer deutsche Gedichte und Prosa geschrieben, bis ich mit ungefähr 14 Jahren plötzlich auf's Songschreiben kam und automatisch Englisch textete. Ich tat das komplett unbewusst und versteckte mich hinter dem Tarnmantel des Englischen. Das ging so bis August letzten Jahres, als mich ein befreundeter deutscher Songwriter für eine wissenschaftliche Arbeit ausführlich interviewte. Es ging darin um Inhalte und Ethos des Textens. Plötzlich fragte er mich, warum ich nicht auf Deutsch schriebe. Ich wusste in dieser Sekunde, dass er absolut Recht hatte, obwohl er nichts weiter dazu sagte. Seit dieser Begegnung schreibe ich ausschließlich auf Deutsch, weil ich mit der Frage erkannt hatte, dass ich jetzt soweit war, meine Gefühle zeigen zu können. "Crystal Ocean Shore" war ihre erste Band, die mit Musikern aus der Oberpfalz besetzt war. Was ist aus diesem Projekt geworden?

Beer: Das war in der Tat für mich die erste große, sehr bereichernde Band-Erfahrung. Zu dritt Musik zu schreiben. Text, der ja vom Bassisten stammte, in Melodie zu verwandeln, was ich damals immer spielerisch und intuitiv umsetzte. Es lief meist sehr schnell ab, und ich erinnere mich, dass mir der Bassist und der Gitarrist halbfertige bis fertige Songstrukturen lieferten und einen Zettel mit dem Text. Ich sollte dann schnell eine Gesangs- und Geigenmelodie dazu finden, und schon standen wir im Studio, wo Mikrofone unsere jugendliche Naivität aufnahmen. Wenn ich heute die beiden Alben höre, bin ich berührt davon, was wir aus der damaligen Intuition und Begeisterung heraus geschaffen haben. Die beiden Jungs, der Bassist und Texter Michael Schwarz und Gitarrist Markus Gleißner, studieren beide. Letztendlich haben uns unsere verschiedenen musikalischen Vorstellungen in unterschiedliche Richtungen geführt. Wie würden Sie Ihren eigenen Stil beschreiben?

Beer: Poetisch, ehrlich. Es sind immer meine Gefühle, die mich zu einem bestimmten Song führen. Ich würde da jetzt nicht von einem "Stil" sprechen.

Sie haben an der Musikhochschule in verschiedenen Projekten mitgemacht. Wie wichtig ist der Erfahrungsaustausch mit anderen Künstlern?

Beer: Das war und ist in der Tat sehr wichtig. Ich habe jahrelang als Geigerin und Background-Sängerin in diversen Bands mitgewirkt. Wenn man mit anderen Künstlern spielt, lernt man zwangsläufig auch sich selbst kennen. Man lernt, ja oder nein zu sagen und entwickelt sein Profil. Verknüpft mit diesen Erfahrungen stand eines Tages die Vision meiner eigenen Musik klar vor mir, und ich wusste, wie sie klingen sollte.

Wie sind Ihre weiteren musikalischen Pläne?

Beer: Ich gehe Mitte Juli in Berlin mit einem tollen Produzententeam ins Studio, um mein erstes Soloalbum aufzunehmen. In den letzten Jahren war ich viel mit befreundeten Bands auf der Bühne und im Studio, jetzt freue ich mich darauf, mich endlich nur auf meine eigene Musik konzentrieren zu können.

Wird man Sie demnächst auch mal live erleben können?

Beer: Mit dem fertigen Album im Gepäck werde ich so schnell wie möglich live spielen. Dann bestimmt auch in meiner Oberpfälzer Heimat.

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Das Video zu "Lavendel" im Internet:

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