08.09.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Interview mit Musiker Steve Winwood Einfach Steve Winwood

Steve Winwood - dieser Name steht für eine Existenz, die sich komplett der Musik verschrieben hat. Der 1948 in der Nähe von Birmingham Geborene hatte an der Schule Unterricht in klassischer Gitarre und am Klavier, bereits als Steppke wirkten er und der ältere Bruder Muff in der Hobby-Band des Vaters mit, ehe sie 1963 bei der Spencer Davis Group anheuerten

von Autor MFGProfil

Danach ging es Schlag auf Schlag in der Karriere des eher scheuen Zeitgenossen: Traffic, ein kurzes Intermezzo bei der "Supergroup" Blind Faith zusammen mit Eric Clapton und Ginger Baker, die beide zuvor bei Cream mitgewirkt hatten, sowie Family-Bassist Ric Grech. Ab 1975 widmete sich der Schlaks bevorzugt seiner Solo-Karriere, wenngleich es immer wieder diverse Kooperationen gab. Aktuell ist der Bald-70-Jährige voller Eifer auf Tournee. Ansonsten hat er die Doppel-CD/Vierfach-Vinyl "Greatest Hits Live" (Wincraft Records) zusammengestellt, ein grandioser Live-Querschnitt aus einer unnachahmlichen Karriere. Der Engländer freut sich im Interview mit der Musikredaktion über dieses Werk - zurecht - wie ein Schuljunge über die Bestnote.

Was steckt hinter der "Greatest Hits Live"-Kompilation, welche Sie mit Material aus Ihrem persönlichen Archiv, verteilt über etliche Jahre, zusammengestellt haben?

Steve Winwood: Ich hatte all die Zeit meiner Solokarriere stets das immense Glück, großartige Band-Mitstreiter an meiner Seite zu wissen. All denen wollte ich mein Tribut zollen, indem ich diesen Rundumschlag konzipierte. All den Menschen, die mir dabei halfen, meine musikalische Vision umzusetzen. Wobei nicht viele nostalgische Erinnerungen bei der Arbeit daran hoch kamen. Mir ging es darum, die Studio-Originalsongs ein bisschen neu zu erfinden, ohne sie ihrer Identität zu berauben.

Warum ist es für Sie nach über einem halben Jahrhundert Bühnenerfahrung immer noch spannend, live zu musizieren?

Dahinter steckt definitiv keine Routine, ich habe auch jeden Abend nach wie vor Lampenfieber. Aber ich gebe zu, ganz so prickelnd wie zu Beginn meiner Karriere ist die Sache nicht mehr. Was garantiert mit meinem Alter zu tun hat. Heutzutage muss ich in erster Linie darauf achten, mein Energie-Level zu kanalisieren. Nach zwei Stunden Show bin ich platt.

Sie spielten in den unterschiedlichsten Bands, aber seit Dekaden sind sie Solo unterwegs. Sehen Sie sich mehr als Gruppen-Typ oder mehr als Einzelgänger?

Dadurch dass ich meine professionelle Karriere bereits mit 14 Jahren in einer Band startete, wurde ich von dem Gedanken geprägt, dass man musikalisch nur im Kollektiv etwas erreichen kann. Die Überlegung, im Alleingang zu werkeln, kam mir erst Jahre später. Aber ich bin ein introvertierter Mensch, der gerne unbeirrt von Anderen tätig ist. Doch das sind Phasen. Wenn ich nach Wochen der Einsiedelei wieder auf einer Bühne stehen darf, freue ich mich unbändig über die Gesellschaft meiner Kollaborateure.

Sie beherrschen verschiedene Instrumente, doch die Hammond-Orgel scheint es Ihnen ganz besonders angetan zu haben. Was zeichnet dieses Gerät für Sie aus?

In den späten 50ern habe ich damit angefangen, Piano zu spielen. Aber ich wollte ja wilde Musik machen, doch das Klavier ist nicht sehr Rock'n'Roll-kompatibel. Unter diesem Aspekt kam mir die Hammond gerade recht, sie hat eine Menge Bums. Ich liebe dieses Teil! Wenn man kräftig in die Tasten drischt, kann es mit jeder E-Gitarre, jedem Schlagzeug mithalten. Im Zentrum meiner aktuellen Gruppe, mit der ich seit 2004 zugange bin, steht die Hammond absolut im Vordergrund.

Man nennt Sie wahlweise einen Soul-, Blues-, Rock- oder Pop-Sänger. Wie definieren Sie sich selbst?

Am liebsten gar nicht. Ich bin einfach nur Steve Winwood, der das Glück besitzt, dass seine Stimme originell und ungewöhnlich klingt.

Sie starteten Ihre Karriere als Profi-Künstler extrem jung. Haben Sie nicht manchmal das Gefühl, man hätte Sie Ihrer Jugend beraubt?

Ganz und gar nicht, ich durchlebte eine aufregende Jugend. Alleine schon aufgrund der Tatsache, dass ich mit der Spencer-Davis-Group bereits als Teenager quer durch die Welt gondelte. Was darf ein von Akne geplagter Adoleszent mehr von dieser Phase seines Lebens erwarten?

Wenn Sie Ihre endlos scheinende Karriere heutzutage reflektieren - haben Sie alles richtig gemacht?

Garantiert nicht, doch welcher Mensch kann das von seiner Biografie schon behaupten? Was ich am traurigsten finde: Dass die Blind- Faith-Geschichte lediglich ein Jahr dauerte. Wir haben ein sensationelles Album aufgenommen, das ich bis heute als einen Höhepunkt in meiner Vita betrachte. Aber unser Management hat uns kaputt gemacht, indem es uns mit Terminen zugeballert hat, wir permanent unterwegs waren. So etwas zermürbt.

Sind Sie mit den Blind-Faith-Mitstreitern Eric Clapton und Ginger Baker noch in Kontakt?

Mit Eric kommuniziere ich regelmäßig. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer mal wieder irgendwelche Projekte aus dem Boden gestampft, Gigs absolviert. Es ist stets eine Freude, mit ihm den Blind-Faith-Faden weiterzuspinnen, irgendwie. Mit Ginger bin ich kaum noch in Kontakt. Er ist wie seit jeher ein unberechenbarer, gefährlicher Typ, fürchte ich - trotz seines fortgeschrittenen Alters. Irgendwie mag ich diesen verrückten Zausel ...

Wie geht es weiter?

Ich setzt erst mal meine Tour quer durch die Welt fort, die geht noch mindestens bis zum Frühjahr. Und dann gibt es schon eine Handvoll Ideen für eine nächste Solo-Scheibe. Aber ob die je fertig wird? In meinem Alter möchte ich mich auf nichts mehr festlegen müssen.

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