01.09.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Interview mit Saga-Sänger und -Keyborder Gebührender Abschied

Wir schreiben das Jahr 2017: Saga-Sänger Michael Sadler ist stolze 63 - und das kultisch verehrte Quintett, dem der Hüne vorsteht, scheint sich endgültig auf der Zielgeraden zu befinden. Jedenfalls nehmen Sadler und Co. das 40-jährige Bestehen des Fünfers zum Anlass, eine umfangreiche "Anniversary-Tour" zu absolvieren.

von Autor MFGProfil

Zwischen 20. Oktober und 18. November geht es für Saga nochmals auf Tour. Sie führt das Quintett auch durch deutsche Hallen. Danach soll Schluss sein mit Live-Aktivitäten der Kanadier. Aus diesem Anlass hat die Musikredaktion sowohl Frontmann Michael Sadler (Zweiter von rechts) als auch Keyboarder Jim Gilmour (stehend), seit 1980 an Saga-Bord, ins Kreuzverhör genommen. Beide Herren bekamen dieselben Fragen vorgelegt, aber Sadler und Gilmour befanden sich nicht im selben Raum. Die Antworten sind unterschiedlich ausgefallen.

Wann, wo und warum habt ihr beschlossen, diese Jubiläums-Tournee zu absolvieren?

Michael Sadler: Ich glaube, das war Ende letzten Jahres. Wir von der Band hockten alle irgendwo in Kanada zusammen und beschlossen, dass wir 40 Jahre Existenz unserer Gruppe gebührend im Rahmen einer Tour begehen sollten. Bei diesem Gespräch kamen wir auch zu dem Entschluss, dass wir aus dem Ganzen eine "finale Tour" machen könnten. Wir sind alle um die 60. Wir fanden, dass wir dann aufhören sollten, wenn wir am Zenit unserer Karriere stehen.

Jim Gilmour: Wir haben, soweit ich mich erinnere, letzten Sommer über diese Idee nachgedacht. Die Sache lag auf der Hand, mit diesem Jubiläum. Um ehrlich zu sein: Ich selbst würde gerne live mit Saga weitermachen. Aber die anderen Gruppenmitglieder haben mich überstimmt.

Was haben die Besucher von den Konzerten zu erwarten?

Sadler: Wir werden definitiv länger als zwei Stunden auf der Bühne stehen. Und es werden sehr druckvolle Shows werden.

Gilmour: Der Abend ist in zwei Parts aufgeteilt. Zum einen gibt es ein Akustik-, zum anderen ein Voll-Rock-Set. Außerdem dürfte man mich ab und zu tanzen sehen. (lacht) Keine Ahnung, ob das ein schöner Anblick werden wird.

Wenn ihr die Saga-Historie reflektiert - seid ihr stolz auf alles, was passiert ist?

Sadler: Nein, absolut nicht! Vor allem auf meine ureigenen Zickzack-Wege, die ich hingelegt habe, bin ich gar nicht gut zu sprechen. Ich habe mich nicht immer ganz korrekt verhalten, was die anderen Saga-Burschen als auch unsere Fans betrifft. Mal war ich Sänger der Band, mal wieder nicht, aus familiären Gründen, ich wurde vor zehn Jahren nochmals Vater. Gelegentlich war ich ein wandelnder Solo-Trip, was mir im Rückblick überhaupt nicht gefällt. Aber heutzutage bin ich mit Saga wie mit mir selbst im Reinen.

Gilmour: Manche Alben hätten wir besser nie aufgenommen: "Behaviour" etwa halte ich für ziemlich schlimm. Andererseits gibt es eine unschlagbare Platte wie "Silent Knight", auf die ich sehr stolz bin, weil sie in der Tradition meiner Lieblingsgruppen Yes und Rush steht. Und, sorry, Leute: Auch diese unglaublichen Bands haben einiges an musikalischem Müll produziert.

Wie sehr werdet ihr den "Rock'n'Roll-Zirkus" vermissen?

Sadler: Ich werde diesen Wahnsinn "on the road" definitiv vermissen. Denn mir hat es stets Spaß bereitet, in Hotels einzuschlafen und aufzuwachen, in Flugzeugen oder Bussen zu sitzen, um von einem Ort zum anderen gebracht zu werden. Und am Abend gab es den Höhepunkt: Auf einer Bühne zu stehen und in leuchtende Fan-Augen zu blicken. Doch zum Glück ist dieser Teil meines Lebens noch nicht ganz vorbei.

Gilmour: Ich liebe es total, live zu spielen, werde das in der Zukunft auch weiterhin tun. Studio-Arbeit langweilt mich eher. Die ganzen Jahrzehnte über habe ich versucht, meine Parts möglichst rasch aufzunehmen. Und mich danach in den nächstgelegenen Pub auf das eine oder andere Bier verdrückt.

Was sind die Pläne für die weitere musikalische Karriere?

Sadler: Ich bin eingeladen worden, bei "Rock Meets Classic" 2018 mitzumischen, neben Francis Rossi von Status Quo und ein paar Hooters-Typen. Habe ich liebend gerne angenommen. Außerdem werde ich beim "Excalibur"-Rockmusical dabei sein. Wobei ich meine Rolle bislang nicht kenne. Am liebsten wäre ich King Arthur. Aber ich fürchte, in meinem Alter läuft es eher auf den ollen Merlin hinaus. (lacht)

Gilmour: Ich werde eine zweite Scheibe mit Glen Driver aufnehmen, ein Kumpel von mir, der früher Gitarrist bei Megadeth war. Es wird eine rein instrumentale Angelegenheit, irgendwo zwischen brachial und ungewöhnlich. Ansonsten bin ich dran, eine neue Gruppe ins Leben zu rufen, die sich musikalisch ganz in der Tradition von Saga befinden wird.

Wie sind die Reaktionen der Fans darauf, dass sie euch ab nächstem Jahr nie mehr live sehen können?

Sadler: Einige der Leute nehmen diesen Live-Abschied persönlich und sind geschockt über die Endgültigkeit der Entscheidung. Schließlich waren und sind Saga eine sehr familiäre Institution. Aber letztlich respektieren sie unseren Entschluss.

Gilmour: Durch die Bank äußern sich alle Anhänger in den sozialen Medien tieftraurig über diese Entscheidung. Was mich selbst auch traurig stimmt, aber ich kann nichts daran ändern. Es ist, wie es ist.

Saga spielen am Sontag, 12. November (20 Uhr), in Obertraubling (Eventhalle Airport) und am Dienstag, 14. November (20 Uhr), in München (Muffathalle).

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter Telefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

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