21.08.2017 - 18:58 Uhr
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John Lee Hooker vor 100 Jahren geboren Der Blues ist ein Heiler

Die Bluesmusik brachte ihn von den Baumwollfeldern des Mississippi in das Rampenlicht und zu Weltruhm. Der Blues war für John Lee Hooker nicht nur Musik, sondern eine Lebenshaltung. Vor 100 Jahren wurde der große Mann des Blues geboren.

von Agentur EPDProfil

Bielefeld. "Blues ist der Heiler", sang John Lee Hooker in seinem großen Hit "The Healer" im Jahr 1989. Das zusammen mit Carlos Santana eingespielte Stück bescherte dem damals 72-Jährigen ein grandioses Comeback. Auf einmal war der Blueser mit Anzug und Sonnenbrille auch bei Jugendlichen wieder hip. Seine Videos liefen auf dem Musikvideokanal MTV, seine Stücke wie "Boom Boom" waren in der Werbung zu hören.

Ein Heiler war der Blues auch für den Musiker John Lee Hooker selbst. Der Blues half ihm, seine Kindheit in Armut auf den Baumwollfeldern in Mississippi zu überstehen. Später brachte ihm seine Musik Bewunderung und Wohlstand. Hooker blieb dem Blues sein Leben lang treu. Auch dann, als der in den USA out war. In den 60er Jahren spielte das Radio eher Soul und Pop. Bluesmänner drohten, im Vergessen zu versinken.

Der Umschwung kam aus Großbritannien: Junge Enthusiasten wie die "Rolling Stones", Eric Clapton oder John Mayall machten den Blues bei einem neuen Publikum wieder populär. Hooker spielte in den 60er Jahren mit den "Rolling Stones", Anfang der 70er Jahre mit der Bluesrock-Band "Canned Heat", später auch mit Van Morrison, Eric Clapton und Miles Davis. 1980 wurde er in die "Blues Hall of Fame" aufgenommen, 1991 auch in die "Rock'n'Roll Hall of Fame". In dem Kultfilm "Blues Brothers" (1980) gab Hooker seine großen Hits "Boogie Chillen" und "Boom Boom" zum Besten.

Anzug, Hut, Sonnenbrille

Charakteristisch für Hooker, der stets in Anzug sowie mit Hut und Sonnenbrille auftrat, war ein stoischer, ehrlicher Blues, der direkt in die Beine fuhr: Ein Mann mit seiner E-Gitarre, den Rhythmus mit Kronkorken unter den Sohlen gestampft - mehr brauchte der Bluesmann für einen Auftritt nicht. Hooker gehöre zur Ursprungsgeneration der Bluesmusiker, sagte Carlos Santana in der Film-Doku "That's My Story" (2008): "Da geht es direkt zu den Anfängen des Blues." Den Blues könne man nicht aus Büchern lernen, erklärte Hooker einmal, der bis zu seinem Lebensende weder lesen noch schreiben konnte. "Das muss man im Herzen, in der Seele haben", so seine Überzeugung. Eine geringere Eleganz des Gitarrenspiels, etwa im Vergleich zu B.B. King, machte Hooker mit einem großen Selbstbewusstsein wett: Er sei der Mann "mit einem einmaligen, eigenwilligen Stil", beschrieb er sich einmal in einem "Spiegel"-Interview. "Dieses Talent hat mir Gott oder irgend jemand gegeben und mir gesagt, es an die ganze Welt weiterzuvermitteln. Und das tue ich."

John Lee Hooker hatte eine amtliche Blues-Biografie vorzuweisen mit einer Kindheit auf einer Baumwollplantage zwischen Bibel und Blues. Geboren wurde er als Nachfahre von Sklaven am 22. August 1917 in Clarksdale, Mississippi. Zu seinem Geburtsdatum setzte Hooker später die nie bestätigte Version in die Welt, dass er sich als junger Mann drei Jahre älter gemacht habe, um in den Armeedienst aufgenommen zu werden.

Sein Vater, ein Prediger, lehnte den Blues ab. Der junge John Lee Hooker begann seine musikalische Laufbahn mit Gospels in der Kirche. Nach der Trennung seiner Eltern öffnete ihm sein Stiefvater, selbst ein Bluesmusiker, eine neue Welt. Bereits Hookers erste Plattenaufnahmen im Jahr 1948 in Detroit wurden Hits. Seine Platten "Boogie Chillen" und später sein Meisterwerk "Boom Boom" gingen Millionen Mal über den Ladentresen. Doch trotz seines Erfolges konnte der schwarze Musiker nur schlecht von seiner Musik leben: "Die Plattenfirmen machten eine Menge Geld mit mir, ohne mich richtig zu bezahlen."

Erst spät fair behandelt

Erst in seinen späten Jahren fand er eine Plattenfirma, die ihn fair betreute und sich um seine Musikrechte kümmerte. Das bescherte ihm mit einer geschiedenen Frau und zwei erwachsenen Kindern ein komfortables Leben im Alter. Mit 83 Jahren starb er am 21. Juni 2001 im Schlaf in Los Altos, Kalifornien. Tage zuvor war er noch auf der Bühne gestanden.

Zum 100. Geburtstag der Blues-Legende widmet ihm das Grammy Museum Mississippi in Cleveland eine Ausstellung über sein Lebenswerk: "John Lee Hooker - King of the Boogie". "Ich werde hier nicht für immer sein", hatte Hooker in der Film-Doku "Thats My Story" erklärt. "Aber meine Musik wird ewig bleiben."

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