16.05.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Josefskirche Weiden: Umstrittener Alan Ames spricht vor 800 Gläubigen: Menschen kippen nach Berührung reihenweise um

(uz) Braucht man heute bekehrte, alkoholsüchtige Motorrad-Gang-Mitglieder, um Kirchen zu füllen? Es scheint ganz so. Die Josefskirche war am Donnerstagabend voll. 800 Besucher hingen Alan Ames an den Lippen, der sie mit seinem Liebesbekenntnis zu Gott überzeugen wollte. Und: Viele kippten bei seiner Berührung einfach um. Sie reagierten auf seine Handauflegung wie in Trance.

Nach einer Berührung von Alan Ames kippten Besucher um. Weil das aus der Vergangenheit schon bekannt war, standen Helfer parat und fingen die Fallenden auf. Bild: uz
von Redaktion OnetzProfil

Dabei war der Australier, der nicht unumstritten ist, in seinen jungen Jahren ein ganz schlimmer Finger. Getrieben von der Alkoholsucht seines Vaters, schlug er denselben Weg ein. Er wurde gewalttätig. Nach seiner Heirat wanderte der Londoner nach Australien aus, wo er eine gut bezahlte Stelle in der Pharma-Industrie fand. Alkoholiker blieb er weiterhin. Seine Aggressionen reagierte er mit Kampfsport ab. Bei der WM 1992 war er der Schwarze-Gürtel-Träger im Aikido Kapitän der australischen Aikido-Nationalmannschaft. Irgendwann aber begegnete er Gott. „Jesus ist bei dir, du fühlst es“, sagte er. Ames predigte in englischer Sprache. Ins Deutsche übersetzt wurden seine Worte von Beatrix. Kein Mensch sei ungeliebt. Gott habe niemanden für die Hölle geschaffen.
Liebe Sinn des Lebens

Alan Ames: Gotteserfahrung im Jahr 1993

„Wenn du in die Hölle verbannt wirst, dann nur, weil du selbst dafür gesorgt hast.“ Gott habe nur einen Wunsch, dass jeder in den Himmel komme. Wenn jemand es am Ende nicht dorthin schaffe, sei sein Leben umsonst gewesen. „Egal, wie viele Erfolge du auf Erden hattest.“ Nur wer die Liebe teile und weiterreiche, sei gesegnet. Der Sinn des Lebens bestehe darin zu lieben. Gott und einander. Seine Gotteserfahrung hatte Ames 1993. Seitdem lebt er nur noch dafür seine Heilsbringung. Den Beruf hat der zweifache Vater längst an den Nagel gehängt. Er reist durch die Welt und betet um Heilung. Die Kollekte ging an ihn. Mit dem Geld, das von seinem Bischof in Perth kontrolliert werde, finanziert der Katholik seine Reisen und seinen Lebensunterhalt. Ames hat sich einen Namen damit gemacht, dass er angeblich durch Handauflegung und ein kurzes Gebet zu Heilungen beiträgt.

Wortoffenbarungen von Gott, Jesus und Maria

Seine Wortoffenbarungen, die er von Gott, Jesus und Maria erhalten haben will, veröffentlicht er regelmäßig. In seinem Buch „Durch die Augen Jesu“ verarbeitete er Visionen aus dem Heiligen Land. Den Gottesdienst zelebrierte der Augustiner-Chorherr Maximilian vom Kloster Paring. Zahlreiche Geistliche nahmen den Gläubigen die Beichte ab. Zum Heilungsgebet strömten die Besucher zum Altar, wo sie sich in einer Reihe aufstellten. Zur Sicherheit standen starke Männer hinter den Gesegneten, um sie im Fall des Falles aufzufangen. Viele „ruhten im Geiste“ nach der Berührung und lagen oft minutenlang auf dem Boden. In der Kirche wurden Marienbilder verteilt. Den Kontakt zu dem 60-Jährigen hatte Theresia Lang hergestellt. Ames soll schon Hunderte Heilungen erwirkt haben.

Alan Ames: Geliebt und kritisiert

Alan Ames begeistert. Wie oft sonst strömen an einem ganz normalen Wochentag 800 Menschen in die Josefskirche? Auch bei anderen Auftritten in der Region waren in der Vergangenheit die Gotteshäuser ausnehmend voll. In Schwarzenfeld etwa. Oder in Kastl. Dabei waren längst nicht nur einheimische Gläubige vor Ort. Der Charismatiker hat eine, man darf es so nennen, Fangemeinde, die mitunter von weiter her anreist.

Daneben hat er allerdings ebenso einige Kritiker. Und die kommen durchaus auch aus der katholischen Kirche selbst. Im Erzbistum Freiburg beispielsweise. Dort sind Veranstaltungen mit ihm in kirchlichen Räumen untersagt. Weil sich der „von Herrn Ames praktizierte Heilungsdienst mit den pastoralen Grundlinien unserer Diözese nicht vereinbaren lässt“, wie es im Amtsblatt des Ordinariats heißt. Im Grunde geht es darum, dass Ames bei seinem Publikum Heilungs-Erwartungen weckt, die so aus Sicht der Kirche nicht realistisch sind. Bei ihm scheint es, als könne er göttliche Rettung auf Befehl erwirken. Dagegen sieht die Kirche Heilung als reines Geschenk, als Gottesgeschenk eben. Ames selbst betont dagegen regelmäßig, dass er nur um Heilung betet. Formal dürfte er damit jedenfalls noch im Rahmen dessen bleiben, was die Kirche duldet.

Experten aus der Kirche mehr als skeptisch

So oder so: Es sei zumindest grenzwertig, was Ames treibe. Das sagen unisono Experten aus der Kirche, die der NT befragt hat, die allerdings nicht namentlich genannt werden wollen. Ames begeistere vor allem eine kleine, konservative „Szene“ innerhalb der Kirche, sagt einer. „Das ist eine eher exotische Frömmigkeitsform, die keineswegs für das Ganze steht und zu der man auch geteilter Meinung sein kann.“ Denn die Anhänger Ames’ „suchen nach Zeichen und Wundern, die es normalerweise in dieser Form nicht gibt“. Fragwürdig auch das Phänomen, dass Menschen nach einer Berührung Ames’ reihenweise umkippen. Das gebe es auch bei anderen religiösen Charismatikern und lasse sich mit der inneren Anspannung der Gläubigen und damit durchaus naturwissenschaftlich erklären. „Der Alltag des Christlichen sieht anders aus.“

Allerdings ist der Alltag der Christen auch sehr vielfältig: So lässt sich dagegen die Position des Bistums Regensburg zusammenfassen. Die Kirche „ist grundsätzlich für viele Frömmigkeitsformen offen“, erklärt Sprecher Clemens Neck. Gewiss, Formen wie die Handreichung seien dabei „etwas Neues“. Damit müsse auch das Bistum erst einmal seine „Erfahrungen machen“.

Es bleiben viele Zweifel

Und dabei müssten auch bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Beispielsweise, dass keine magischen Erwartungen geweckt werden und die Veranstaltung in die Seelsorge der Pfarrei eingebunden ist. Dann aber „ist das durchaus im Rahmen des Katholischen“. Ohnehin sei doch vor allem wichtig, so Neck: „Wenn Menschen sich nach der Nähe Gottes sehnen und Beistand erbitten, dann ist es gut, wenn die katholische Kirche das mit integriert.“ Damit ist er nicht so weit weg von den Kritikern Ames’. Es bleiben viele Zweifel, sagt einer. Aber wenn es bei manchen das Bedürfnis gebe, den Glauben auf diese Weise zu leben, dann sei das sicher nicht nur schlecht. (fku)

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