12.10.2017 - 20:10 Uhr
Deutschland & Welt

Karel Gott, die "goldene Stimme aus Prag", wird mit der "Goldenen Henne" ausgezeichnet "Danke für diese Riesen-Ehre!"

Prag. Als ich vor etwa zehn Jahren einmal meinen Sonntagsnachmittagstee im Prager Hotel Hilton nahm, saßen da an drei langen Tischen zwei Busladungen erwartungsvoller Menschen. Alle, zumeist Frauen, hatten kleine Geschenke dabei. Plötzlich brandete Applaus auf, weil der Gast, für den sie aus Deutschland an die Moldau aufgebrochen waren, erschien: Schlagerstar Karel Gott. Sichtlich gerührt nahm er die Mitbringsel entgegen, schrieb endlos Autogramme und plauderte bei Kaffee und Kuchen mit den Leuten, die ihrem Liebling endlich einmal richtig nah sein konnten.

Der tschechische Sänger Karel Gott bekommt die "Goldene Henne" für sein Lebenswerk. Bild: Jörg Carstensen/dpa
von Autor SHJProfil

"Fanarbeit", wie sie der bekannteste Künstler Tschechiens bis heute betreibt. "Was wäre ich ohne mein Publikum?", sagte mir Gott damals. "Die Leute kommen auch rasch mal zu mir nach Hause. Meine Adresse in Prag kennt ja jeder." Am Freitag nimmt Karel Gott in Leipzig den größten deutschen Publikumspreis, die "Goldene Henne" von "Super-Illu", MDR und RBB, für sein Lebenswerk entgegen. "Als ich ihm aufzählte, wer bisher alles so mit diesem Preis geehrt wurde, war Karel sehr ergriffen", sagte sein Biograph Filip Albrecht. "Besonders hat ihn gefreut, dass er nach dem früheren Präsidenten Vaclav Havel jetzt der zweite Tscheche ist, der die 'Goldene Henne' bekommt. Das sei eine Gesellschaft, hat Gott gesagt, die man sich besser nicht wünschen könne. Er sprach von einer Riesen-Ehre, für die er sehr dankbar sei."

Der 1939 in Pilsen geborene Gott, der weltweit mehr als 30 Millionen Tonträger verkauft hat und dessen Megahits wie "Biene Maja" oder "Babicka" in Deutschland zu echten Gassenhauern wurde, holt sich seinen Preis auch selbst ab. Das spricht für seine mittlerweile wieder stabile Gesundheit. Seit 2015 hatte ihn eine schwere Erkrankung nach der anderen ereilt. Nach Chemotherapie und mehreren Operationen kämpfte er sich wieder zurück auf die Bühne. Immer an seiner Seite dabei Ehefrau Ivana und seine Töchter. Jahrzehnte galt Gott als ewiger Junggeselle. Ivana lernte er 1999 kennen, 2008 gaben sie sich das Ja-Wort. Für viele seiner weiblichen Fans brach bei dieser Nachricht eine Welt zusammen. Heute sind sie froh, dass der Schlager-Tenor in Ivana eine solche Stütze hat.

Wie sehr ihn nicht nur die Deutschen, sondern vor allem auch seine tschechischen Bewunderer vergöttern, konnte man in den vergangenen Monaten in Prag erleben. Da hatte sich keine geringere Institution als das Nationalmuseum des Schlagerbarden angenommen und mit einer Ausstellung auf einem Binnenschiff auf der Moldau geehrt. Ein Jahrzehnte langes Künstlerleben an einem Ort, gut 1000 Objekte auf 1500 Quadratmetern.

Breiten Raum nahmen Gotts Erfolge auf dem deutschsprachigen Parkett ein, wo er 1967 mit "Weißt du wohin?" aus dem Film "Doktor Schiwago" den Durchbruch zur Weltkarriere schaffte. 100 000 Besucher verneigten sich auf dem Schiff vor ihrem Schlagerliebling. So, wie es die Leipziger am Freitag bei der "Goldenen Henne" tun werden.

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