18.11.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Kasimirs Weltreise": Marlene Reidel feiert ihren 85. Geburtstag Ein Lebensweg wie im Märchen

Landshut. "Von Abenteuern wunderbar, träumt der Bär, der Waldemar. Auch der Willi, hier im Bild, mag Abenteuer, möglichst wild", so erzählt Marlene Reidel seit Jahrzehnten ihre Kindergeschichten. Am 20. Dezember feiert sie ihren 85. Geburtstag, und ihre Erzähl- und Illustrationslust ist ungebrochen. "Abenteuer wunderbar", jetzt neu schienen, erzählt von ganz einfachen Abenteuern.

von Autor MILProfil

Im Traum erlebt Willi mit seinem Bär allerhand Abenteuer. Sie treffen den Fuchs, der "schwimmt eine Runde mit Freundin Ganselgunde", sie fallen in Brennesseln, und "landen im Dornenstrauch, zerstechen Gesicht und Bauch". Was die beiden erleben, sind Erlebnisse mit der Natur. Was sich vielleicht auf den ersten Blick etwas altbacken anfühlt, gewinnt heute eine neue Wertigkeit: Geborgenheit ist Reidels Botschaft. Ihre Symbiose von Natur und Traum kann jedes Kind selbst erleben. "Wer reisen will, kann vieles sehn, doch daheim ists grad so schön".

Ihrem Stil treu geblieben

Die Künstlerin ist über die Jahrzehnte ihrem Stil treu geblieben. Man erkennt ihre Bilder sofort: Die subtilen Komplementärfarben, die wie Batiktücher immer leicht strukturiert sind, dazu eine auf das Wesentliche reduzierte Formensprache, die Mensch und Natur immer liebevoll vermittelt, wo selbst die gruseligen Szenen im warmen Ockerton den Schrecken verlieren, wilde Tiere lieb dreinschauen und dem Menschen helfen. Wie im Märchen machte Marlene Reidel ihren Weg: vom Häuslerkind aus Niederbayern zur international angesehenen Bilderbuchautorin. 1948 heiratete sie den Bildhauer Karl Reidel, und obwohl sie sechs Kinder großzog, fand sie noch Zeit, ihr Talent zu malen umzusetzen.

"Kasimirs Weltreise" ging tatsächlich um die Welt. 1958 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet, war es zwei Jahre später unter den zehn besten Bilderbüchern der New York Times und wurde 1961 mit dem "Afrikaans Jugendbuchpreis" prämiert. "Anna und die Weiherhex" kam 1979 in die Top Ten der Tokioer Bilderbuchliste. Drei Generationen sind inzwischen mit Reidel-Kinderbüchern aufgewachsen. In den 80er Jahren waren ihre übergroßen Bilderbücher zu Alltagssituation der Hit in den Kinderzimmern. Marlene Reidel war gleichzeitig immer auch Malerin und Künstlerin. Schon 1965 wurde sie mit dem Kulturpreis Ostbayerns geehrt. 1991 erhielt sie die Auszeichnung "Pro meritis scientiae et litterarum" des Freistaates Bayern, 1997 den Bayerischen Verdienstorden.

Ausstellung in Landshut

Als Malerin interessierte sie sich für Farbkompositionen, am liebsten als Glasstillleben mit prismatischen Lichtbrechungen, daneben für Landschaften. "Die Gemälde der letzten Jahre" werden nun bis 23. November in der Großen Rathausgalerie in Landshut, täglich außer montags von 14 - 18 Uhr gezeigt.

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