Krankenhaus auf dem Felixberg schließt für immer
Der letzte Schnitt

Die Operateure haben ihre Schuhe feinsäuberlich an den Nagel gehängt. Nach dem letzten Eingriff am Freitagfrüh folgt jetzt das große Ausräumen. Bilder: Steinbacher
Neustadt/WN. (ms) Ein schwarzer Freitag für die Kreisstadt: Die Frauenärztin Dr. Sema Tasali-Stoll nahm am Morgen die letzte Operation vor. Nach 56 Jahren schließt das Krankenhaus. Ende 2017 wird dann auch noch die Palliativstation nach Weiden verlegt.

Eigentlich sollte das Aus schon viel früher kommen. Doch weil im Klinikum Weiden vor allem im OP-Bereich ein chronischer Engpass herrschte, blieb das Neustädter Krankenhaus noch so lange am Leben.

Aber am Freitag um 8 Uhr war es dann doch so weit: Dr. Tasali-Stoll war es vorbehalten, das letzte Mal auf dem Felixberg zum Skalpell zu greifen. Es war ein kleinerer Eingriff, nach einer halben Stunde war alles vorbei. Eine Tännesbergerin kann einmal ihren Enkeln erzählen, dass sie die letzte Patientin war, die im Neustädter Krankenhaus unters Messer gekommen ist.

Seit 2005 operierte Tasali-Stoll in Neustadt ambulant. Bis Freitag nahm die Gynäkologin 286 Eingriffe vor. Ab September operiert sie in Weiden. Dass Neustadt dichtgemacht wird, bedauert die in Weiden niedergelassene Medizinerin aus Istanbul sehr. Sie spricht vielen aus der Seele: "Eine Ära ist zu Ende. Es ist schade, und ich bin wirklich sehr traurig." Ihre Patienten hätten die ruhige, erholsame und individuelle Atmosphäre sehr genossen. Ihr Dank zum Abschied galt dem ganzen Team in Neustadt.

In den vergangenen Tagen herrschte noch einmal Hochbetrieb im OP auf dem Felixberg. Sowohl die chirurgische Station mit dem Team von Chefarzt Professor Dr. Karl-Heinz Dietl als auch die Orthopäden-Riege Dr. Matthias Wiemann, Dr. Eugen Bratzel, Dr. Rudolf Ebel, Dr. Elmar Baumer und Dr. Simon Dobmeier und die Neurochirurgen Dr. Peter Dehling, Dr. Henryk Tannenbaum und Dr. Christian Droste nutzten die idealen Voraussetzungen in Neustadt noch einmal voll aus. Auch sie operieren künftig im Klinikum Weiden. Seit 2005 brachten sie es mit Tasali-Stoll auf insgesamt 12 105 Eingriffe.

Keiner wird arbeitslos

Die Station 1 ist die letze von einst 6 Stationen und 200 Betten.
Am Freitag nahm das Krankenhaus keine neuen Patienten mehr auf. Am Vormittag lagen noch 25 Männer und Frauen auf der Station 1 im zweiten Stock, die letzte, die von einst 6 Stationen im früheren 200-Betten-Haus übriggeblieben ist. Sie werden in der kommenden Woche einer nach dem anderen entlassen werden. Spätestens am 8. September werden die Zimmer leer sein. Dann wird das Inventar nach Weiden und in die anderen Häuser transportiert.

Mit der Arbeit geht auch der Großteil des Personals nach Weiden. 10 Pfleger und Schwestern arbeiten künftig auf der Station 45 (Gefäßchirurgie) und 6 auf der Station 160 (Allgemeinchirurgie). "Soweit möglich haben wir die Wünsche der Mitarbeiter berücksichtigt", sagt Otto Tafelmeyer, Regionalleiter Nord der Kliniken Nordoberpfalz AG. So würden auch Beschäftigte nach Tirschenreuth, Kemnath und Vohenstrauß versetzt. Erfreulich ist für Tafelmeyer, dass niemand arbeitslos wird. Zuletzt waren in Neustadt inklusive OP und Anästhesie, Verwaltung und Pforte noch rund 30 Leute beschäftigt. Seit März war die Schließung generalstabsmäßig vorbereitet worden.

Am Samstag, 30. August, wird noch einmal Wehmut aufkommen. Mitarbeiter haben eine große Abschiedsfeier organisiert. Beginn ist um 19 Uhr im Foyer. 70 Leute haben sich angemeldet. Auch Vorstandschef Josef Götz, Professor Dr. Dietl, Dr. Baumer und Regionalleiter Süd Alois Meindl werden erwartet.
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