28.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Lustiger als "The Avengers": Marvel schickt die "Guardians of the Galaxy" ins Kino Liebenswerte Chaotentruppe

Raumschiffe, außerirdische Bösewichte, witzige Wortgefechte, ein cooler Gauner und eine wehrhafte Prinzessin. Dazu ein angriffslustiges Pelztier und ein sprechender Baum mit einem Repertoire von drei Wörtern. Ist "Guardians of the Galaxy" das neue "Star Wars"?

Der Plünderer Yondu (Michael Rooker) hat sich am Ende das Kugel-Dingsbums unter den Nagel gerissen, hinter dem jeder her ist. Oder doch nicht?
von Redaktion OnetzProfil

Die Erde, irgendwann in den 80er Jahren. Im Wartezimmer eines Krankenhauses sitzt der kleine Peter Quill, ängstlich verkrochen unter den Schaumstoff-Kopfhörern seines Walkman. Die Musik, die von der Mix-Cassette kommt, holt in weg aus dieser Welt, in der seine Mutter im Sterben liegt. Sie hat die Musik auf dem Band für ihn zusammengestellt. Doch sein Großvater bringt ihn dann doch ins Krankenzimmer, wo er das Unausweichliche erleben muss. Er rennt weinend davon, flieht aus dem Hospital ... um von einem Raumschiff entführt zu werden. Der Vorspann beginnt.

Indiana Jones im Weltall

Schnell ist dem Zuschauer klar: "Guardians of the Galaxy" ist nicht unser typischer Sommer-Blockbuster. Und auch während des Vorspanns erhärtet sich dieser Eindruck auf angenehme Weise. Der mittlerweile erwachsene Peter Quill (Chris Pratt) tänzelt durch eine fremde Welt, Walkman-Kopfhörer auf den Ohren. Wie eine Art Weltraum-Indiana-Jones ist er auf der Suche nach einem magischen Artefakt. Und wie sein peitschenschwingendes Pendant wird auch er geschnappt. "Ich bin Star Lord, der legendäre Gesetzlose", stellt er sich seinen Häschern vor. "Wer?", lautet die ungläubige Gegenfrage.

Irrsinn zahlt sich aus

Und auch wenn Quill den verdutzten Jägern entkommt - drei Planeten weiter endet seine Glückssträhne. Ein schießwütiger Waschbär namens Rocket (im Original gesprochen von "Hangover"-Star Bradley Cooper), ein riesiger Baum namens Groot, der nur "Ich bin Groot" sagen kann (im Original mit der Stimme von Vin Diesel), und eine grünhäutige Amazone namens Gamora (Zoe Saldana) sind ebenfalls hinter dem Kugel-Dingsbums her - und landen gemeinsam mit dem "Star Lord" im Knast.

Hier rauft sich das kleine Grüppchen mit dem massigen Krieger Drax (gespielt vom muskelbepackten Wrestler Dave Bautista) zusammen, improvisiert einen Gefängnisausbruch und will dann endlich die anscheinend so wertvolle Kugel zu Geld machen.

Dumm nur, dass auch Quills Ziehvater, der Plünderer Yondu (Michael Rooker), mit seiner Gang hinter dem Teil her ist. Und dann wäre da noch der Überschurke Ronan (Lee Pace), der als Handlanger des galaktischen Über-Überschurken Thanos damit gleich ganze Planeten vernichten will. Klar, das unsere profitgierigen Egoisten angesichts dieser Bedrohung ihre Heldenherzen entdecken und Ronan aufhalten wollen. Einer von ihnen opfert am Ende sogar sein Leben, um die anderen vier zu retten.

"Guardians of the Galaxy" ist ein Riesenspaß, auch wenn man von der Comicvorlage noch nie etwas gelesen hat. Zu verdanken ist das vor allem Regisseur und Drehbuchautor James Gunn, der bisher eher durch schräge Trashfilme wie "Slither" oder die brutale Comicparodie "Super" auffiel. Dass Marvel ihm dieses sauteure Science-Fiction-Spektakel anvertraute, war mindestens gewagt - wenn nicht sogar Irrsinn. Aber es hat sich ausgezahlt (siehe Hintergrund). Es ist Gunns schräger Humor, der den Film immer wieder weit über den Durchschnitt hebt. Wenn etwa das schweigsame Baumwesen Groot eine ganze Horde böser Soldaten aufs Gröbste niedermacht, sich dann zur Kamera dreht und wie ein Honigkuchenpferd grinst. Oder wenn Muskelpaket Drax einfachste Redewendungen nicht kapiert: "Nichts geht über meinen Kopf hinweg. Meine Reflexe sind zu schnell, ich würde es fangen."

Zum Humor gibt's jede Menge coole Musik der 70er Jahre (The Jackson 5, Blue Swede, 10cc, David Bowie) und eine große Portion Emotionen. Der charmante Quill und die widerspenstige Gamora kommen sich in einer wunderbaren Szene bei Klängen aus dem Walkman näher, und ein niedergeschlagener Rocket - sonst ein rechtes Großmaul - bekommt von Drax liebevoll das Fell gekrault. Einmal mehr ist es natürlich den Computeranimateuren zu verdanken, dass all das funktioniert: Sowohl die wandelnde Zimmerpflanze Groot als auch der kleine Waschbär mit der frechen Schnauze sind hinreißend gut gestaltet, so dass sie den Schauspielern mehr als einmal die Schau stehlen.

Zweiter Teil in Planung

Wenn "Guardians of the Galaxy" eine große Schwäche hat, dann ist es der sogenannte MacGuffin des Films, also das Objekt der Begierde, hinter dem alle her sind. Als Zuschauer interessiert einen recht schnell nicht mehr, was es mit dem Kugel-Dings auf sich hat und wer gerade nochmal warum vor wem flieht. Eigentlich ist man eher froh, wenn die vor allem in 3-D durchaus sehr spektakulären Verfolgungsjagden und Weltraumkämpfe vorbei sind und man sich wieder mit den Charakteren beschäftigen kann. Da trifft es sich ja gut, das James Gunn bereits am zweiten Teil arbeitet, der 2017 ins Kino kommen wird - dann lernen wir Quill und seine Bande vielleicht besser kennen.

An "Star Wars" kommt Gunns Weltraumabenteuer nicht heran. Aber wer mit der ganzen Familie für zwei Stunden in eine Galaxie weit, weit entfernt abtauchen will, der hat diesen Sommer nur eine Chance: "Guardians of the Galaxy". Die Zeit bis zur Rückkehr von Luke Skywalker, Han Solo und Prinzessin Leia im Winter 2015 überbrückt man damit bestens.

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Regie: James Gunn - Mit Chris Pratt, Zoe Saldana, Dave Bautista, Fahri Yardim (deutsche Stimme von Rocket), Lee Pace, John C. Reilly, Glenn Close, Djimon Hounsou, Benicio Del Toro - Musik:Tyler Bates - 120 Minuten - frei ab 12 Jahren - de.marvel.com/guardians

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