19.02.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mahmoud Hassanein übersetzt deutsche Märchen ins Arabische Nischenprodukt mit Anspruch

Germersheim. Das eintönige Leben des Herrn Taschenbier in Paul Maars Kinderbuch "Eine Woche voller Samstage" stellt Mahmoud Hassanein vor eine große Aufgabe. Der Ägypter übersetzt die Geschichte, aus der vielen vor allem das "Sams" im Gedächtnis geblieben sein dürfte, schon vor einigen Jahren ins Arabische. Seit etwa drei Jahren melden sich bei Hassanein nun vermehrt Verlage, die deutsche Geschichten ins Arabische übersetzen lassen wollen oder zweisprachige Kinderbücher auf Deutsch und Arabisch herausbringen wollen. "Der Anlass ist eigentlich die sogenannte Flüchtlingskrise", sagt der 35-Jährige, der am Arbeitsbereich für Interkulturelle Germanistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim forscht und lehrt.

Mahmoud Hassanein mit dem Buch "Eine Woche voller Samstage" im Original und in der arabischen Übersetzung (vorne) in seinen Händen. Bild: Andreas Arnold/dpa
von Agentur DPAProfil

Bei vielen Verlagen bleiben solche Vorhaben aber im Planungsstadium. Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) sieht deutsch-arabische Kinderliteratur zwangsweise als ein Nischenprodukt. "Die Nachfrage besteht in wirklich homöopathischen Dosen", sagt Renate Reichstein. Zwar sei nach dem Zuzug vor allem syrischer Flüchtlinge die Diskussion unter Verlagen wieder aufgeflammt, dass für deren Kinder Bücher benötigt werden. Aber man bekomme die Eltern und Bezugspersonen nicht in den Buchhandel. Das Produkt ist für die Verlage nicht wirtschaftlich.

Dabei könnten die Bücher den Kindern helfen: "Ein syrisches Kind muss gut Arabisch können", sagt Reichstein. "Und es muss gleichzeitig Deutsch gut können, um sich hier zu integrieren und am schulischen Angebot teilnehmen zu können." Auch Mahmoud Hassanein musste mit beiden Sprachen jonglieren, um "Eine Woche voller Samstage" zu übersetzen. Eine Schwierigkeit lag in der Wocheneinteilung des Herrn Taschenbier: "Am Sonntag schien die Sonne, und am Montag kam Herr Mon zu Besuch. Herr Taschenbier hatte am Dienstag Dienst, und am Mittwoch, wie immer, war Wochenmitte. Donnerstag donnert es, und Freitag bekam Herr Taschenbier frei und musste nicht arbeiten. Und dann kam der Samstag und mit ihm das Sams."

Paul Maars Verknüpfung deutscher Wochentagsnamen mit ähnlich klingenden Ereignissen hatte seit der Buchveröffentlichung 1973 bewirkt, dass Generationen von Kindern Herrn Taschenbiers Wocheneinteilung im Gedächtnis haften blieb. Doch Hassanein konnte Maars Verknüpfungen in seiner Muttersprache nicht einfach imitieren. Das Problem: Die geläufigen Wochentagsnamen lauten im Arabischen nämlich recht nüchtern "der Erste" (für Sonntag), der "der Zweite" (für Montag), "der Dritte" (für Dienstag) und so weiter. So schöne Verknüpfungen wie im Deutschen sind da nicht möglich.

Hassanein musste eine Lösung finden. "Ich war eigentlich viele Jahre ein glücklicher Fachübersetzer", sagt der gebürtige Ägypter. Mit 18 Jahren hatte er in Kairo begonnen, Deutsch zu lernen, bald übersetzte er Bedienungs- und Betriebsanleitungen für die deutsche Industrie. Kinderliteratur begegnete ihm während des Aufbaustudiums an der Uni in Mainz. Hassanein fand die Lösung, indem er alte arabische Wochentagsnamen benutzte. Montag heiße zum Beispiel Ahwan, was auch ein Personenname sein könne. So lasse sich dieser Wochentag im Arabischen mit einem Besuch von Herrn Ahwan (alias Herr Mon) verknüpfen, erklärt Hassanein.

Die Herausforderung für Hassanein bei der Übersetzung des Maar-Klassikers war keine wirtschaftliche, sondern eine sprachliche. Die Verlage arbeiten aber wirtschaftlich, erklärt Reichstein. Die avj geht deswegen auf potenzielle Geldgeber zu, die sich engagieren möchten.

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