25.01.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Mama Donau" von Eva Demski im Regensburger LOHRBär-Verlag erschienen Wenn der helle Fluss sachte zu Tinte wird

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. "Sie hat es eilig. Sie hält sich nicht auf. Höchstens, um schnell etwas zu verschlingen, es kommt ihr nicht darauf an, was - Schafe, Ziegen, Uferbäume, ein Stück Altstadt und besonders gerne kleine Kinder. So hat man es uns jedenfalls erzählt." Eva Demski hat die Donau beschrieben. Nicht als lieblichen Fluss - von "der schönen blauen Donau" ist hier nicht viel zu spüren. Sondern als "Weib" und als neidisches noch dazu.

Zehn Erzählungen

Von Frau zu Frau stellt sich die gebürtige Regensburgerin dieser Matrone gegenüber, huldigt deren wilder Unberechenbarkeit, ohne ihr aber jemals kriecherisch zu schmeicheln. "Mama Donau" hat die Schriftstellerin ihre zehn Erzählungen über die Donau betitelt. Der Band ist nun als Hörbuch im Regensburger LOHRBär-Verlag erschienen.

Eva Demski liest die Texte auf den drei CDs selbst. Und das hätte auch niemand besser machen können als die Autorin, die mit klarer, deutlicher und etwas träger Stimme die Donau erzählerisch hinabgleitet. Demski bereist diesen Fluss, an dem sie geboren wurde und in dem sie schwimmen gelernt hat. Oft erzählt sie von ihrer Kindheit in den 1950-er Jahren, dieser Zeit "zwischen Lebensfreude und schlechtem Gewissen", als sich die Mütter in selbst gehäkelten Bikinis in der Badeanstalt am Donauufer sonnten, während die Kinder Wassergespenster erfanden, durch die Wiesen streiften und weiße Limonade tranken.
Voller atmosphärischer Dichte beschreibt die Autorin genau die Kleinigkeiten des Lebens, die die nostalgische Erinnerung an vergangene Tage beschwören: den "schattigen Geruch" nach Moderschlamm und Fisch, die Tüllvorhänge am gelb gestrichenen Badehaus und das wollüstige Kratzen an Schnakenstichen. Günter Grass nicht unähnlich, vermittelt Demski keine keimfreie Sauberwelt. Anders als der Kollege überschreitet sie jedoch nie die Grenze zum Abstoßenden. Der "Gestank" nach Rettich, Obatztem und Ei im abendlichen Spitalgarten lässt in erster Linie einen verklingenden Sommertag denken. Oft sind Eva Demskis Sätze auch von wundervoller Poetik. "Der helle Fluss wurde sachte zur Tinte", schreibt sie über einen hereinbrechenden Sommerabend.

Auch als Erwachsene bleibt die Schriftstellerin, die heute in Frankfurt am Main lebt, fasziniert von der Donau. Sie schildert einen frostigen Wintertag im Schlosspark von Donaueschingen, an dem "die Statuen in ihren winterlichen Holzhäuschen schlafen". Sie nimmt den Zuhörer mit in andere Städte an der Donau. Auf eine Kreuzfahrt von Passau aus über Wien nach Budapest. Oder nach Straubing, wo vor mehr als 500 Jahren die Bernauerin in der Donau ertränkt wurde.

"Neidisches Weib"

"Sie ist ein Weib, die Donau, und neidisch", schreibt Eva Demski. "Unberechenbar, vernünftigem Rat unzugänglich, immer für eine Überraschung gut." Im Hörbuch "Mama Donau" liefert die Autorin eine unvergleichliche Annäherung an diesen Fluss.

"Mama Donau" von Eva Demski ist als Hörbuch im Regensburger LOHRBär-Verlag erschienen. Die drei CDs mit einer Laufzeit von 190 Minuten kosten 19,90 Euro. Informationen unter Telefon 0941/7081616. Weitere Informationen im Internet:

www.lohrbaerverlag.de

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