11.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Matte Neuinszenierung von Verdis "Il Trovatore" in Salzburg - Star-Sopranistin rettet den Abend ... Anna Netrebko als frustrierte Museumswärterin

Anna Netrebko muss als Leonora in die Uniform einer Museumswärterin schlüpfen. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Verdis "Il Trovatore" am Samstagabend war der unumstrittene gesellschaftliche Höhepunkt der diesjährigen Salzburger Festspiele. Schließlich standen mit Anna Netrebko und Plácido Domingo zwei große Künstler auf der Bühne. Die nach ihrer gescheiterten Ehe mit dem Sänger Erwin Schrott frisch verliebte Diva präsentierte sich sängerisch in Hochform.

Ihr makelloser Sopran hat in letzte Zeit einiges an Tiefe gewonnen und klingt nahezu ideal für leichtere dramatische Rollen wie die der Leonora in Verdis etwas verworrenem Historiendrama, das Regisseur Alvis Hermanis von der Renaissancezeit in ein Museum mit Alten Meistern verlegt hatte. Netrebko spielte eine Museumswärterin, die sich in das Bildnis eines Minnesängers verliebt hat und sich im Traum in dessen Geliebte Leonora verwandelt.

Applaus für Netrebko

Nach jedem längeren Auftritt, vor allem der unsterblichen Arie "Auf den rosigen Flügeln der Liebe", brandete Szenenapplaus auf. Am Ende, nach Leonoras Freitod und der Hinrichtung ihres Geliebten Manrico, des Troubadours, durch seinen Gegenspieler, den Grafen Luna, war das Publikum schlicht aus dem Häuschen.

Obwohl auch Plácido Domingo als Luna mit Ovationen bedacht wurde, muss man konstatieren, dass er zuweilen mehr bellte als sang. Der im Verlauf seiner Alterskarriere zum Bariton mutierte Startenor beeindruckt mittlerweile mehr mit seiner körperlichen Präsenz und Charisma als mit seiner Stimme. Auch von Francesco Meli als "Troubadour" Manrico hätte man sich mehr erwartet. Seine zuweilen etwas scharfe Stimme verströmte wenig tenoralen Schmelz. Und das "hohe C" in der berühmten Arie "Di quella pira" - wenn es denn wirklich eines war - fiel recht unscheinbar aus. Wie übrigens das gesamte Ensemble einschließlich der routiniert aufspielenden Wiener Philharmoniker infolge Gattis wenig differenzierten Zugriffs fast immer zu laut und forciert sang und spielte.

Eine Mogelpackung

Die Inszenierung des Letten Hermanis, den Salzburgs scheidender Intendant Alexander Pereira als Opernregisseur entdeckt hatte, war eigentlich eine Mogelpackung. Es begann recht peppig mit einer Art Rahmenhandlung mit Netrebko als sexuell frustrierter Museumswärterin im strengen, blauen Kostüm und klobiger Brille. Die eigentliche Opernhandlung spielt sich dann in ihren Träumen ab, in denen die historischen Gestalten der ausgestellten Bilder lebendig werden. Das Geschehen mutiert dadurch zum üppig ausgestatteten Kostümschinken a la Zeffirelli, garniert mit irgendwie passenden Gemälden der Renaissance, die durch den Raum gleiten.

Beim Duell zwischen Manrico und Luna sieht man zwei berittene Krieger, wenn Leonora von der Liebe singt ein Rudel Madonnendarstellungen. Falls das alles ironisch gemeint sein sollte, hätte Hermanis ein paar Register mehr ziehen müssen. Ovationen für die Sänger, matter Applaus für Gatti und einige Buhs für Hermanis.

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