12.01.2018 - 15:54 Uhr
Deutschland & Welt

"Medicine Songs" von Buffy Sainte-Marie Noch immer für den Frieden unterwegs

Wer sich auf die "Medicine Songs" von Buffy Sainte-Marie, der jahrzehntelangen Freundin von Bob Dylan oder Joan Baez, vorbehaltlos einlässt, sich richtiggehend in sie hinein wühlt, der wird aus dem Staunen nicht heraus kommen. Die selbst ernannte "rockende Rothaut" hat noch immer was zu sagen.

von Autor MFGProfil

Zum Beispiel über den Umstand, dass Polit-Folk noch eine dermaßen existenzielle Wirkung entfalten kann. Der Zuhörer bekommt tatsächlich heilende Medizin verabreicht. Die Kanadierin Buffy Sainte-Marie mag 76 sein, doch an ihrem Zorn über Ungerechtigkeit, an ihrem Mut zum Widerstand, an ihrem unverbrüchlichen Glauben auf Frieden, an ihrem Wunsch zum unverbrüchlichen Miteinander, hat sich bis heute nichts geändert. Schon in den 60ern schrieb die in einem Indianer-Reservat Geborene eindeutige Protestsongs. Sie war wie bereits erwähnt Weggefährtin von Baez, Dylan oder Donovan. Und hat stets an der ureigenen Vision einer humanen Utopie festgehalten. Nichts anderes tut sie heute.

Warum ist offensichtlich Protest der wichtigste Aspekt in Ihren Liedern?

Buffy Sainte-Marie: Als ich Donovan 1969 live in England sah, der meine Komposition "Universal Soldier" mit großer Inbrunst coverte, wurde mir klar: Man kann mit eindeutigen Zeilen in den Köpfen der Menschen durchaus etwas hin zum positiveren Denken bewegen. Doch ich habe auch Country-Liebeslieder gesungen. Aber in politisch total entseelten Zeiten ist es als Frau Mitte 70 meine Pflicht, dass ich Stücke zum Nachdenken, manchmal auch für den zivilen Ungehorsam komponiere.

Was macht die indianische Kultur speziell?

Der Umstand, dass wir Rothäute seit dem 15. Jahrhundert von den Weißen systematisch unterdrückt und ausgebeutet werden. Ich habe Philosophie studiert, mit dem Schwerpunkt auf der Historie meines Volkes. Wir werden speziell in den USA, wo ich seit langem lebe, bis heute als Bürger zweiter Klasse betrachtet und entsprechend behandelt. Dabei besitzen wir so eine reich- und nachhaltige Kultur. Dass die zum Touristen-Klamauk verkommt, macht mich sprachlos und zutiefst traurig.

https://www.youtube.com/watch?list=PLIbswl0uvZf7CJm4E72cqIkP1K1Kckea0&time_continue=61&v=08gyjR0Sk4s

Warum findet sich auf "Medicine Songs" eine Kollektion alter wie neuer Lieder von Ihnen, allesamt aktualisiert?

Ich spiele diese Stücke aus über 50 Jahren jede Nacht auf irgendeiner Bühne. Sie sind durch die Bank zeitlos und vielleicht relevanter als je zuvor. Außerdem halten mich Lieder wie Konzerte davon ab, über das Sterben nachzudenken.

Sie bezeichnen sich schon immer als "Indianische Künstlerin". Was hat es damit auf sich?

Ich stehe dafür, was diese Kultur seit jeher ausmacht. Das bedeutet, dass ich mich für den Erhalt der Natur einsetze. Dass ich stolz auf meine Herkunft bin. Dass ich mich bei allem Unbill nicht unterkriegen lasse. Dass ich mich von einem Verrückten wie dem aktuellen US-Präsident Donald Trump nicht unterkriegen lasse. Mag schon sein, dass ich als Kanadierin eigentlich kein Recht habe, etwas gegen diesen Irren zu äußern. Ich werde auch niemals direkt ein Lied gegen ihn schreiben, das steht mir nicht zu. Aber wenn ich Interviews gebe, wettere ich vehement gegen ihn. Weil ich in meiner Arbeit Mut und Zuversicht vermitteln möchte. Manchmal auch Zorn, aber diese Emotion ist positiv, sie bringt die Menschheit voran. Trump ist negativ. Ich verbreite - hoffentlich - Optimismus. Das unterscheidet uns zwei Menschen eklatant.

Ihre Songs fühlen sich dem Optimismus verpflichtet?

Nicht unbedingt. Da steckt auch eine Menge Wut drin. Hoffentlich konstruktive Kritik an gesellschaftlichen Umständen, die ich nicht dulden kann und möchte. Aber klar, pro Lied habe ich lediglich drei oder vier Minuten Zeit, um mich zu erklären. Da muss ich auf den Punkt kommen. Ich will etwas bewirken beim Zuhörer - Courage, Zuversicht, Freundliches bewirken. Je älter ich werde, desto mehr Zweifel habe ich an meiner Aufgabe. Was kann eine Singer/Songwriterin wie ich letztlich an Gefühlen erzeugen? Ganz egal, was dies auch sein mag: Ich mache weiter.

Sie sind einmal mehr live unterwegs, quer durch die Welt. Ist Touren mittlerweile nicht anstrengend?

Ganz und gar nicht. Ich bin vier Monate im Jahr on the road. Wenn der letzte Gig gespielt ist, kehre ich nach Hause auf meine Farm zurück, wo ich seit einiger Zeit lebe. Dort wartet mein Süßer auf mich, der 20 Jahre jünger ist als ich, ein ehemaliges "Hell's Angels"-Mitglied, inzwischen ein leidenschaftlicher Pazifist. Dann kocht der Bursche was Gutes zu essen. Und als Nachspeise gibt es meistens guten Sex.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp