26.09.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mit Helmut Riegers großem Thema Afrika eröffnet das Museum Lothar Fischer in Neumarkt den ... Kunst als Rückbesinnung auf die alten Wurzeln

In der aktuellen Afrika-Ausstellung im Museum Lothar Fischer in Neumarkt wird erstmals der Versuch gewagt, einige von Helmut Riegers Werkgruppen in einen sichtbaren Dialog mit außereuropäischen Skulpturen zu bringen. Dazu zählt auch das Werk "Jagdszene Haut" (1989/90, Acryl/Papier). Bild: Museum
von Rudolf BarroisProfil

Mit einem ganz Großen der europäischen Malerei eröffnete das Museum Lothar Fischer seinen Kulturherbst: Der betagte Helmut Rieger war selbst zugegen, als die Ausstellung "Afrika in mir" eröffnet wurde. Und er selbst konnte auch dem Betrachter die Dimensionen eröffnen, die die Bilder des inzwischen 82-Jährigen zeitlos machen. Einmal mehr gesellt sich auch Lothar Fischer hinzu, der mit Rieger und der von ihm gegründeten Gruppe "Wir" in München zusammenarbeitete.

Von Picasso inspiriert

Rieger, der zu den wichtigsten figurativen Malern in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg zählt, zeigte früh Interesse an großen Völkerkundemuseen in Basel, Stuttgart und München. Er ließ sich dabei auch von Pablo Picasso inspirieren, der seinerzeit durch seine Adaption afrikanischer Kunst der europäischen Malerei und Bildhauerei einen neuen Weg gewiesen hatte. Weg von dem romantischen Grundton, hin zu malerischen Perspektiven. Rieger ist freilich einen anderen Weg gegangen als der große Spanier.
Eine schwere Krankheit gab ihm Gelegenheit, über Literatur und Bildbände sich ein eigenes Bild über den schwarzen Erdteil zu machen, den er selbst nie betreten hat. "Ich habe die Reise nach Afrika im Kopf gemacht, und die Bilder, die mir durch den Kopf gegangen sind, habe ich gemalt", erklärt Rieger selbst sein Grundmotiv. Es ist nicht nur die aus Natur und Mythen geborene Kunst der Afrikaner, die den Künstler zu immer neuen Perspektiven treiben. Es ist das Bewusstsein, dass "wir alle aus einem Topf kommen". Rieger begreift den schwarzen Kontinent als Geburtsstätte des Menschen und als fruchtbaren Boden für seine kulturellen Leistungen. Die Zusammenführung mit europäischen Traditionen ist für Rieger selbstverständlich und logisch.

Tief empfundene Kunst

Dennoch lässt er Afrika und seinen Bewohnern ihre Eigenheiten, ihre Rituale. Ganz im Sinne des Künstlers ist es, Riegers Bilder mit afrikanischer Kunst aus dem Münchner Völkerkundemuseum und aus dem Fischer-Museum selbst korrespondieren zu lassen. Rituelle Tiergruppen, Masken, deren Motive zumeist der Tierwelt entnommen sind, und Menschenbilder stellen sich neben die Malereien, verdeutlichen diese und erlauben dem Zuschauer den Zutritt zu dieser tief empfundenen, engagierten Kunst.
Rieger ist nicht der Erste, der die befruchtende Wirkung Afrikas auf die europäische Kunst entdeckte: Zuvor taten dies neben Picasso auch Ernst Ludwig Kirchner, Henri Matisse und Otto Müller. Künstler verschiedener Stilrichtungen fanden bei diesem Thema zusammen.

Auch Lothar Fischer ist hier einzureihen, der für sein Museum in Neumarkt eine ganze Reihe afrikanischer Exponate erwarb. Die Zusammenarbeit Riegers mit Fischer datiert aus den frühen Sechzigern, als die Gruppe "Spur" mit der Gruppe "Wir" zusammenging, um den Münchner Kunstmarkt zu beleben. Nach einem Jahr Zusammenwirkens wurde schließlich 1967 die Gruppe "Geflecht" gegründet. Das Museum Lothar Fischer trägt dieser Entwicklung in einem eigenen Ausstellungsraum Rechnung. Hier findet sich auch ein Gemälde von Rieger mit dem Titel "Krieg", das er in Erinnerung an Flucht und Vertreibung aus seiner schlesischen Heimat schuf.

Beeindruckend ist Riegers Aussagekraft, wenn es ihm darum geht, Fehlentwicklungen der Menschheit auf die Leinwand zu bannen. 1986 und 1987 hat er ein Bild gemalt mit dem Titel "Die Angst der Erde um ihre Kinder", ein in der Tat beängstigendes Panorama von beinahe eschatologischem Ausmaß. Demgegenüber stehen die archaischen Jagd- und Tiermotive vom schwarzen Kontinent mit dem Grundthema "Jäger und Gejagte". Ein zeitloses Thema, ohne Frage, das bei Rieger von exzessivem Schwarz-Weiß bis hin zu beinahe chaotischer Farbfülle reicht.
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Die Ausstellung "Helmut Rieger - Afrika in mir" ist bis 6. Januar 2013 im Museum Lothar Fischer (Weiherstraße 7a) in Neumarkt zu sehen. Zahlreiche Veranstaltungen begleiten dieses Kunstereignis. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag, 14 bis 18 Uhr, Samstag/Sonntag, 11 bis 18 Uhr; von Oktober bis März bis 17.Uhr. Infotelefon: 09181/510348

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.museum-lothar-fischer.de

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