18.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Mit Kálmáns "Zirkusprinzessin" ging es bei den "Luisenburg Festspielen" auf eine etwas andere ... Originalgetreu zurück in die Operettenseligkeit

von Redaktion onetzProfil

Ein bisserl retro und ein bisserl nostalgisch, ein bisserl arg brav und ja, auch ein bisserl angestaubt - Heinz Hellberg und seine "Operettenbühne Wien" haben das Altbackene zum Prinzip erhoben. Hellberg muss irgendwann erkannt haben, dass es dafür einen Markt, sprich: ein Publikum gibt. Und dieses Publikum will von Modernisierung, will von Dekonstruktion, Verfremdung oder Ironisierung nichts wissen. Es will einfach nur schwelgen in Operettenseligkeit und sich ein paar Stunden lang gut unterhalten lassen.

Aberwitzige Geschichte

Mit dem Etikett "originalgetreu" werden die Inszenierungen Hellbergs folglich gerne mal versehen. Sieht man sich aber beispielsweise Emmerich Kálmáns "Zirkusprinzessin", die am Donnerstag bei den "Luisenburg Festspielen" Premiere hatte und mit der gleichzeitig das 15-jährige Bestehen der "Operettenbühne Wien" gefeiert wurde, an, drängt sich die Frage auf, wo genau dieses Originalgetreue eigentlich zu verorten ist. In den wilden Zwanzigern, in denen das Stück entstanden ist? Oder doch eher in der Gemütlichkeit der 1950er und 1960er Jahre?

Die aberwitzige Geschichte um die Fürstin Fedora Palinska (Frauke Schäfer) und ihren geheimnisvollen Zirkusreiter Mister X (Thomas Markus) erwies sich jedenfalls erneut als gut gemachte, routinierte Zeitreise zurück in eine heile, reichlich biedere Operettenwelt. Bunt war's, belebt, in den besten Momenten sogar poetisch, wenn etwa zwei weiße Clowns die Duette von Fedora und Mister X pantomimisch begleiteten.

Zumindest für den Geschmack des Autors wirkte das Ganze aber auch reichlich abgestanden. Gerade die "Zirkusprinzessin", in der Kálmán gewissermaßen den Walzer auf den Foxtrott treffen lässt, böte doch eindeutig Stoff genug für eine peppigere, schärfere Show mit reichlich Tempo, ohne dabei die melancholische Seite des Stücks zu vernachlässigen.

Pures Vergnügen

Sicher, es hat Spaß gemacht, Susanne Hellberg (Miss Mabel Gibson) und Michael Weiland (Toni) bei ihren Turteleien zuzusehen, auch wenn beide sängerisch und tänzerisch schon sehr bemüht wirkten. Und ja, auch das Duo Sylvia Denk und Peter Erdelyi als Hotelbesitzerin Clara Schlumberger und deren Oberkellner Pelikan war pures Vergnügen. Nur schien dabei die Zeit eben auch stehen geblieben zu sein - bei Hans Moser nämlich, dessen Paraderolle der Pelikan war. Fehlte eigentlich nur noch das Schwarzweiß auf der Bühne.

Und die musikalische Seite? Guter Durchschnitt. Thomas Markus, mit Heldentenor-Attitüde, musste zwar immer mal wieder unschön forcieren, um seine alles andere als leichte Partie zu meistern, erwies sich ansonsten aber als sichere Bank. Gleiches gilt für seine Partnerin Schäfer. Der Chor kam perfekt eingestellt, ja klangschön rüber. Und das Orchester unter der Leitung von Dorian Molhov meisterte die Partitur ordentlich, wenn auch nicht glanzvoll.

Das Premierenpublikum war mit all dem vollauf zufrieden und bedachte diese "Zirkusprinzessin" mit Jubelstürmen. Die Sache mit der Operettenseligkeit und der guten Unterhaltung scheint wieder einmal aufgegangen zu sein.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.