19.01.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Museum Lothar Fischer in Neumarkt zeigt repräsentative Werkschau des Österreichers Fritz Wotruba Wegbereiter der europäischen Bildhauerei

Einblick in das umfangreiche Schaffen von Fritz Wotruba bietet die Ausstellung im Neumarkter Fischer Museum. Bild: Museum
von Rudolf BarroisProfil

Fritz Wotruba ist hineingeboren in den Todeskampf der europäischen Monarchien. Als Bildhauer hat er sich dann konsequent mit dem traditionellen Menschenbild und seiner Darstellung auseinandergesetzt. Ausgehend von der gegenständlichen Figur, hat er sich, auch im Widerstand zur österreichischen Kulturtradition einer Abstraktion zugewandt, die den menschlichen Körper in seinen Haltungen und Bewegungen zunächst auflöst, um ihn dann in kubistischen, archaischen Formen neu zu konstruieren. Es ist Dr. Pia Dornacher gelungen, einen repräsentativen Werkquerschnitt des großen Bildhauers ins Museum Lothar Fischer nach Neumarkt zu holen. Am Donnerstag wurden die Exponate und der Künstler der Öffentlichkeit vorgestellt.

Konsequente Darstellung

Die Wotruba-Repräsentation, die vor allem der Kuratorin der Wotruba-Stiftung in Wien, Gabriele Stöger-Spevak, zu verdanken ist, - sie war selbst anwesend - macht den Besucher nicht nur mit wunderbarer Kunst, sondern auch mit einem grundsätzlichen Problem dieser Kunst bekannt: Es geht immer auch darum, gesellschaftspolitische Entwicklungen über ihr Menschenbild zu erkennen, sie zu analysieren und in bildender Kunst konsequent darzustellen.
Bei Wotruba fokussiert sich dieser Prozess auf das restaurative Erbe Österreichs, auf die weithin kollektive Depression nach dem Ersten Weltkrieg, und nicht zuletzt auf die Unmenschlichkeit in zwölf Jahren nationalistischer Herrschaft, die ihn selbst 1938 mit seiner jüdischen Frau Marian ins Exil trieb.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte er als künstlerischer Leiter der Meisterklasse für Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien seine Arbeit an einem neuen Menschenbild fort, indem er über den kubistischen Ansatz seine Figuren seine Figuren mit der Architektur zu verbinden suchte. Dies gipfelte in den siebziger Jahren im Bau der einzigartigen Dreifaltigkeitskirche in Wien-Mauer. An dem harten Material Stein und zugleich an den gesellschaftlichen Traditionen und Entwicklungen arbeitete sich Wotruba regelrecht ab.

Dabei griff er offensichtlich immer wieder auf archaische Vorbilder zurück wie die ägyptische Hochkultur oder die Plastiken und Reliefe der hethitischen Großkönigszeit. Eines der Exponate in Neumarkt zeigt zum Beispiel frappierende Parallelen zu dem berühmten Götterzug im hethitischen Haupttempel von Boghazköy (Hattussas).
Wotrubas Menschenbild hat durchweg tragischen Charakter. Es fehlt grundsätzlich das leichte spielerische Element, selbst in seinen kleineren Arbeiten, denen das Museum im oberen Stockwerk zwei Räume bereit gestellt hat. Hier finden sich auch Zeichnungen und Kleinplastiken, die zum Teil ihre Entsprechungen in den großen Ausführungen haben.

Bezug zu Fischer

Die Ausstellungen in Neumarkt sind auch immer bemüht, einen Kontext zu Lothar Fischer herzustellen. Diesmal gibt es keine unmittelbare Verbindung zwischen Wotruba und dem Namensgeber des Museums. Allerdings hat Dr. Dornacher, deren legendäres Werkverzeichnis über Lothar Fischer am 24. Februar in einer Neuauflage präsentiert wird, einen Satz Fischers gefunden, der, den menschlichen Körper beschreibend, auf Wotruba passt:"Bilden heißt nicht abbilden. Mein Thema ist hauptsächlich der Mensch in seinen Grundhaltungen: Stehen -Sitzen - Liegen, aber begriffen als Kunstfigur." Und so dufte die Leitung des Neumarkter Museums getrost dieses "Stehen -Sitzen -Liegen" zum Titel der Wotruba-Präsentation wählen, die dem Haus einmal mehr internationale Bedeutung sichert.

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