23.03.2018 - 15:10 Uhr
Deutschland & Welt

Neue CD von Christina Lux: "Leise Bilder" Verliebt in Tagträume

"Ankommen" auf der einen, "Empathie" auf der anderen Seite - darin sieht Christina Lux die Eckpfeiler nicht nur ihrer Lieder, sondern ihrer Existenz ganz allgemein. "Außerdem", stellt sie entspannt fest, "verliere ich mich regelmäßig und liebend gerne in Tagträumereien. Die erleichtern mir den schnöden Alltag und inspirieren mich immer wieder zu neuen Stücken."

von Autor MFGProfil

Die 52-jährige gebürtige Karlsruherin, die seit längerem in der Domstadt Köln zu Hause ist, darf man als Liedermacherin im klassischen Sinn sehen, die das Singer/Songwritertum richtiggehend lebt: Christina Lux will möglichst wenig Zeit im Studio verbringen, stattdessen möglichst oft raus und auf jede Bühne stapfen, die man ihr anbietet. Unter diesen Umständen verwundert es nicht, dass "Embrace", ihr vorletztes Album, bereits das vierte Live-Werk in ihrer Karriere ist. "Live-Momente für einen Tonträger einzufangen, das hat für mich die größte Intensität, wenn man sich als Vollblut-Musiker betrachtet", schwärmt die zierliche Person. "Ich bin eine - wenn auch etwas verhuschte - Rampensau. Auf der Bühne stehe ich jedes Mal aufs Neue ohne Netz und doppelten Boden da. Das ist einerseits immer wieder beängstigend. Vor allem aber fühlt sich jeder Auftritt wie schwereloses Fliegen an."

Einblick in Seelenleben

An dieser Stelle schleichen sich wieder "Ankommen" und "Empathie" ins Spiel. Denn tatsächlich, so sieht es zumindest Christina Lux, "fühle ich mich jedes Mal zu Hause, wenn ich ein Konzert spiele. Und ich versuche jedes Mal, dem Publikum Einblick in mein innigstes Seelenleben zu gewähren. Bei mir steht am Anfang eines Liedes das Wort", beteuert sie, "das ist die Basis. Dann erst gesellt sich die Musik dazu. Wobei das gar nicht so schwierig ist. Denn sobald ich die Worte gefunden habe, die zueinander passen, steckt in denen eh ein gewisser Grundrhythmus. Der Rest ist Handwerk. Wenn auch ein sehr emotionales." Mehr und mehr nähert sich die Karlsruherin, die bereits seit 1983 als Musikerin aktiv ist, der Heimatsprache an, während sie zu Beginn ihrer Karriere ausschließlich auf Englisch textete. "Das bedurfte einer langen Entwicklungsphase, ehe ich Lust hatte, Deutsch zu singen. Es war mühselig, da ich eine ziemliche Perfektionistin bin, wenn es um meine Arbeit geht. Aber es war auch spannend. Und alles was spannend ist, reizt mich umso mehr. Daher ging ich die Sache eines Tages an.

Bei jedem Wort, das ich auf Deutsch schreibe, steckt für mich eine tiefere Bedeutung dahinter. Für mich ist es viel intensiver und anstrengender, im eigenen Idiom zu komponieren, als in einer fremden Sprache. Eigentlich bin ich ja ein fauler Mensch", lacht Christina Lux, "aber doch nicht faul genug, um nicht an die Essenz von Worten rankommen zu wollen. Offensichtlich besitze ich zumindest ein kleines bisschen Ehrgeiz."

Komplett auf Deutsch

Nun jedenfalls ist "Leise Bilder" (India Records) erschienen, das erste Christina Lux-Werk komplett in deutscher Sprache. Die Protagonistin selbst ist nach wie vor erstaunt, dass dieses von längerer Hand geplante Werk endgültig vorliegt. "Eigentlich ist die Scheibe gar nicht so sehr anders wie ihre Vorgänger", schmunzelt die Akteurin. "Ich habe mich ja nie um Kategorien geschert, während ich komponiert habe. Doch die deutschen Texte kamen angeflogen wie nervöse, zwitschernde Vögel. Sie ließen mich nicht mehr los. Da habe ich sie mir eben geschnappt. Was hätte ich sonst tun sollen?"

Gut getan, denn "Leise Bilder" ist eines der schönsten, eindringlichsten Werke in deutscher Sprache des noch jungen Jahres. Christina Lux entfaltet auf den zwölf Stücken die komplette Kraft ihres Kreativ-Könnens, das nicht unerheblich ist. Alles darauf ist zutiefst warmherzig, immer mal wieder sentimental, teilweise von einer beinahe schwebenden Zärtlichkeit. Man fühlt sich an die Energie einer Julia Neigel erinnert, als sich diese noch Jule nannte, an das immer mal Sperrige einer Ulla Meinecke, an die wohlige Seelen-Lastigkeit einer Cassandra Steen.

Um den Klang abzurunden, haben Christina alte und neue Weggefährten wie der Trompeter Joo Kraus geholfen, der Liedermacher Stefan Stoppok oder Soul-Stimmakrobat Laith Al-Deen. "Ich habe all diese wundervollen Menschen kontaktiert, während ich in der Produktionsphase für die Platte steckte, die immerhin drei Jahre gedauert hat", erklärt Lux. "Jeder war bereit, mir zu helfen. Wie schön, solche Freunde zu haben!"

Ab sofort geht es wieder auf Tour, denn "letztlich ist es die Bühne, wohin ich gehöre als Musikerin", freut sich Christina Lux. "Da ist der Ort, wo ich Menschen treffe, wo ich ihnen etwas mitgeben kann. Ich hoffe, wir nehmen uns gegenseitig mit, eine aufregende Reise ist garantiert."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.