15.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neue CD von Don McLean Harmonie-Dinosaurier

Natürlich spricht Troubadour-Legende Don McLean auch im 21. Jahrhundert noch über seine unsterblichen Klassiker wie "American Pie" oder "Vincent". "Doch ich gebe zu bedenken", lacht der 72-jährige New Yorker ein wenig verhuscht, "dass es sich bei all diesen Liedern um Songs handelt, die Anfang der 70er entstanden sind."

von Autor MFGProfil

Ich habe ganz aktuell ein neues Werk am Start, das sich wenigstens meiner bescheidenen Ansicht nach nahtlos in die Platten von einst einreiht.", erzählt der Musiker. "Botanical Gardens" (Warner) nennt sich die Produktion. Und in der Tat findet sich darauf jede Menge vom altbewährten Don McLean, wenn auch mit etwas rauerer, gelegentlich auch brüchigerer Stimme als früher - eine gelungene Melange aus Folk, Pop, klassischem Singer/Songwritertum und, zumindest dieses Mal, nicht eben wenig Country. Don McLean, ein zurückhaltender Zeitgenosse, ist im Interview jedenfalls hörbar stolz auf sein Alterswerk.

Wie kam es zum illusorischen Albumtitel?

Don McLean: Er steht für eine Art Utopie. Für eine Vision gegen all den Schmutz in der Welt, speziell in Großstädten, diesen Müll überall - realen wie seelischen. Ich hatte schöne Tiere vor mir, schöne Pflanzen. Und ja, ich gebe es zu: Auch schöne Mädchen. (lacht) Ich vermute, der Titel steht für das christlich geprägte Paradies.

Woher beziehen Sie in der Regel Inspiration für neue Lieder?

Ich wache ziemlich früh auf und habe jeden Morgen eine Idee für ein Stück! Dann springe ich wie ein Junger aus dem Bett und notiere diese Idee auf. Im Anschluss kommt es zum Feinschliff. Und der kann sich manchmal über Monate hinziehen. (seufzt) Pro Song, wohlgemerkt.

Als wie "Amerikanisch" empfinden Sie Ihre Musik beziehungsweise sich selbst?

Ich bin zu hundert Prozent Amerikaner, weil ich die Kultur meiner Heimat liebe, seine wundervolle Natur, auch den meist optimistischen Umgang der Menschen untereinander. Es ist eine sehr spezielle Lebensart, die einem Außenstehenden oft schwer zu vermitteln ist. Wir Amis träumen nach wie vor von Freiheit und Unabhängigkeit. Selbst wenn es einem unser aktueller Präsident dabei nicht leicht macht. Ich bin kein Trump-Anhänger. Ich hoffe, dass dieser Irre bald wieder von der politischen Bildfläche verschwindet. Er zerstört die USA mehr, als dass er sie erstarken lässt.

Wenn Sie Ihre lange Karriere reflektieren - wie fällt die Bilanz aus?

Ich denke nicht viel darüber nach. Entscheidend ist für mich, dass ich ein Leben lang keinen anderen Job als den des Musikers ausgeübt habe. Dass ich meine Familie unterstützen konnte. Dass sich an diesem Zustand, den ich so liebe, nichts ändern wird. Dass ich ein Harmonie-Dinosaurier war und bin. Nur hätte ich mir gelegentlich bei der Wahl meiner Manager eine bessere Menschenkenntnis gewünscht.

Roy Orbison hat Sie einst als den "Sänger mit der Stimme des Jahrhunderts" bezeichnet. Wie gehen Sie mit dem Kompliment um?

(Lacht anhaltend) Nachdem der arme Roy unter der Erde liegt - wer sonst könnte die "Voice of the Century" sein als ich? Spass beiseite, ich war seit jeher unglaublich geschmeichelt von dieser Aussage. Aber ich nehme mir um Himmels Willen nicht das Recht heraus, so etwas zu bestätigen. Das müssen andere tun - oder auch nicht. Hinzufügen kann ich nur, dass ich meine Stimme gerne mag. Dass ich froh bin, sie zu besitzen. Und dass sie mich bis jetzt nicht im Stich gelassen hat.

Welchen Stellenwert haben Don McLean und seine Lieder im 21. Jahrhundert?

Ich bin ein Kerl, der stets eingängige Melodien komponiert hat und solche bis in alle Ewigkeit komponieren möchte. Denn die sind zeitlos und Generations-übergreifend. Nicht nur alte Haudegen stehen darauf. Sondern auch, zumindest die Sensiblen unter ihnen, Vertreter der jungen Generation. Sie erkennen, dass in meinen Liedern das positive Element vorherrschend ist. Selbst wenn ich in den Texten immer wieder kritische Untertöne integriere - mir geht es letztlich darum, dass meine Kunst die Welt zu einem besseren Ort macht.

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